Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis: Der Höhepunkt der Grippewelle?
Von Birgit Sommer
Heidelberg. Spät und eher verhalten begann sich die Grippe-Welle dieses Winters in der Region auszubreiten. Doch im Februar kommt sie wohl zu einem Höhepunkt. 965 Fälle wurden bis Dienstag im Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises in Heidelberg und im Kreis registriert, allein seit 1. Januar standen 929 Erkrankte auf der Liste. Auch zwei Todesfälle sind dieser Virusinfektion geschuldet: Ein 85-jähriger Mann und ein sechsjähriger Junge starben.
Mit den neuen Zahlen liegt man bereits über den Zahlen des Vorjahrs, wie Dr. Andreas Welker vom Gesundheitsamt seiner Statistik entnimmt. Im letzten Winter wurden insgesamt 921 Fälle registriert, davon 202 in Heidelberg und 719 im Rhein-Neckar-Kreis; gezählt wird jeweils von der 40. Kalenderwoche im Herbst bis zur 20. Kalenderwoche im Frühjahr. In den Jahren davor stellten die Ärzte laut Welker nur 121 bzw. 321 Mal die Diagnose Influenza.
Diagnose bedeutet in allen Krankheitsfällen, dass die Vireninfektion im Labor bestätigt wurde. Bei vielen Patienten wird aber gar nicht getestet, zumal es auch keine speziellen Medikamente gegen die Influenza gibt. Meist empfehle der Arzt Schonung, meint Andreas Welker, und vor allem "soziale Isolation", um möglichst keine weiteren Personen anzustecken. Der Nutzen von Grippemitteln wie Tamiflu und Relenza ist nach einer groß angelegten Studie fraglich, wie kürzlich die gemeinnützige Organisation "Cochrane Collaboration" mitteilte.
"Der aktuelle Trend spricht für eine starke Grippewelle", hieß es schon vor einer Woche beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, das bis dahin 8377 Influenza-Nachweise und 23 Todesfälle gezählt hatte. Dominanter Erreger bei bis zu 80 Prozent der Fälle war bei Erwachsenen und Jugendlichen im Land das Influenza-B-Virus, bei Säuglingen und Kindern bis zehn Jahren hatte dagegen der Influenza-A-Nachweis einen Anteil zwischen 47 und 65 Prozent. Diese Unterschiede kann der Experte aus dem Heidelberger Gesundheitsamt nicht erklären: "Genaue Mechanismen sind da nicht bekannt."
Wie gestern auch der Gesundheitskommissar der Europäischen Union befürwortet Andreas Welker immer noch eine vorbeugende Schutzimpfung. "Wir wissen zwar nicht, wie lange die Grippesaison noch läuft, und der Aufbau des Impfschutzes dauert auch zehn bis 14 Tage, aber es könnte sich trotzdem lohnen." Welker plädiert hier für die Vierfachimpfung, die auch die Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie umfasst. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen bezahlen sie, wenn der Arzt den Impfstoff verschrieben hat. Das gilt vor allem für Risikopatienten.