Fastnachtsumzug in Eberbach: Unter blauem Himmel dampft und qualmt es (plus Video und Fotogalerie)
Von Christofer Menges
Eberbach. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein wie vorhergesagt: Tausende von Schaulustigen säumten am gestrigen Fastnachtsdienstag die Straßen Eberbachs, um sich den großen Umzug anzusehen. 74 Zugnummern rollten und marschierten durch die Stadt. Entlang der Umzugsstrecke sammelten zahlreiche mit Beuteln und Tüten bewaffnete Kinder die unters närrische Volk geworfenen Bonbons auf.
Garden, Hexen, Engel, Teufel, Märchengestalten, Vampire, Weihnachtsmänner, Musketiere, Fahnenschwinger und Piraten: Der Eberbacher Umzug hatte wieder einiges zu bieten. Dazu trugen auch die Karnevalisten aus dem Umland bei. Die Neckargemünder KG kam mit Sternchen, Prinzessin und einem großen Narrenschiff. Die Hirschhorner Ritter brachten neben zahlreichen Gruppen ihr Prinzenpaar mit. Auch der Club Eulenspiegel und die KG Kuckuck als Veranstalter waren mit etlichen Gruppen und Garden vertreten.
Rotkäppchen und den Wolf gab es, seit der Wolf wieder im Odenwald unterwegs ist, zweimal auf Motivwagen zu sehen: einmal von der Hesselbacher Jugend, einmal von den Wilden aus dem Ittertal. Märchenhaft ging es auch bei den Lindachern zu. Die Pleutersbacher kamen als Piraten. Aus Igelsbach marschierten Mecki-Igel durch die Stadt.
Aus Sensbachtal brachten die Landfrauen einen der Hingucker des Umzugs mit: Ken und mehrere Barbies, handlich verpackt in rosa Kartons. Die Wimmersbacher Ratze brachen mit Teufel und Dämonen aus der Hölle aus. Weihnachtszauber zeigten hingegen die Odewäller Fastnachtsfreunde.
Auch an Lokalkolorit gab es einiges: Die Abiturienten kamen in Anspielung auf die Fernsehserie "Grey’s Anatomy" als Ärzte in weißen und grünen Kitteln mit aus medizinischer Sicht eher fragwürdigen Einläufen und Spritzenkuren. Das Team des VfB Eberbach setzte sich als Nummer Eins der Stadt selbst auf den Thron - gegen eine Fusion.
Dass eine Fusion durchaus gelingen kann und Dörfler dadurch zu Städtern werden können, zeigten hingegen die Sensbachtaler in Anspielung auf den Zusammenschluss der Oberzent.
Den Eberbacher Handballern ist das alles noch eine Nummer zu klein: Sie wählten in Anspielung auf den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump "HGEmerica! Make HGE great again!" als Motto. Einen kleinen lokalpolitischen Seitenhieb - sonst beim Eberbacher Umzug eher selten - brachten die Altgedienten der KG Kuckuck: Sie deklarierten die im Gemeinderat gescheiterte Landesgartenschau zu einer bunten Gartenschau um.
Dazwischen qualmte und dampfte es: Die Rasselbande rollte ihre qualmende Dampfmaschine durch die Stadt. Teilweise in Millimetermeterarbeit wälzte sich als einer der Höhepunkte des Umzugs der gewaltige Schaufelraddampfer der Karnevalfreunde Haidebow durchs Narrenmeer. Die Ranzengarde schoss Böller aus ihren Kanonenrohren.
Alles harmlose Fastnachtsspäße - und für den Fall, dass es doch brenzlig werden sollte, hielten sich die KG Urmel mit ihrem Durstlöschzug als "Freiwillische Feuerwehr" und die Helfer des THW bereit.
Für ordentlich Getöse neben der Partymusik von etlichen der Umzugswagen sorgten die drei Guggemusiken Neckarfurzer, Binemer Schnoogebadscher und Feuerschnegge sowie der Eberbacher Fanfarenzug und die Feuerwehrkapelle Waldkatzenbach. Knapp zwei Stunden lang rollte der Umzug durch die Stadt zum Leopoldsplatz, wo die Gruppen von Ralph Brenneis und Benjamin Müller den Zuschauern noch einmal vorgestellt wurden. Dort wurde im Anschluss noch bis in den Abend gefeiert.