Odyssee eines Sandhäusers: Er radelte vom Nordkap nach Athen
Von Werner Popanda
Sandhausen. 7000 Kilometer durch 16 europäische Länder: Diese Strecke hat Klaus Hausmann auf dem Fahrrad zurückgelegt. Viereinhalb Monate war der Sandhäuser unterwegs - und was er in dieser Zeit zwischen dem Nordkap und Athen alles erlebt hat, berichtete er nun vor über 100 Zuhörern in der Gemeindebibliothek.
Folglich wollte denn auch Bibliotheksleiterin Ute Machauer bei der Eröffnung des Abends vom Publikum prompt wissen, wer sich ebenfalls eine solche Tour vorstellen könnte. Die Reaktionen fielen eher verhalten aus. Kein Wunder: Um das zu leisten, was Klaus Hausmann geschafft hat, braucht es mehr als nur stramme Waden. Wer etwa in einem festen Arbeitsverhältnis steckt, kann sich meistens unmöglich so lange freinehmen.
Für Klaus Hausmann war dies auch nur möglich, weil der gebürtige Hesse seine Brötchen als selbstständiger Elektronik-Ingenieur verdient. Durch seinen Beruf hat er noch einen weiteren Vorteil: Mit elektronischen Helferlein auf der Reise kennt er sich bestens aus. "Ich fahre grundsätzlich mit GPS-Gerät", sagt der 61-Jährige. "Aber ich überlege mir auch vorher schon, wohin ich fahre." Konkret bedeutet dies, dass er auf seinem Display eine rote Linie habe, der er "nur noch folgen muss". So sei er nicht auf Beschilderungen angewiesen. Denn die dürften auf seiner Route wohl eher rudimentär gewesen sein.
Seine Radreise führte ihn entlang des "Iron Curtain Trail". Sprich: entlang des einstigen West- und Ostblock trennenden "Eisernen Vorhangs" von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer. Doch so ganz hielt er sich nicht an die Strecke, die in der Liste der "Euro-Velo"-Touren die Nummer 13 einnimmt. So kürzte er zum einen den "Iron Curtain Trail" aus puren Zeitgründen ab. Und zum anderen zog es ihn nicht nach Istanbul. "Wegen des Attentats", wie er sagte. Stattdessen führte seine Tour in die griechische Hauptstadt Athen. Dort, so hatte es Hausmann ursprünglich geplant, sollte seine Reise enden. Doch der 61-Jährige entschied sich um: Er setzte mit der Fähre nach Italien über und fuhr von dort aus mit seinem Fahrrad über die Alpen zurück nach Sandhausen, wo er seit 1990 lebt. So kamen 1500 Kilometer hinzu.
Wer sich dafür interessierte, wie es beispielsweise ist, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mutterseelenallein in einem kleinen Zelt in den Weiten der skandinavischen Waldlandschaften zu übernachten, oder aber bei 40 Plusgraden durch Hellas zu radeln, war jedenfalls bei Klaus Hausmanns Multimedia-Reportage mit tollen Bildern und Videos an der haargenau richtigen Adresse.
Doch wie ist der Sandhäuser überhaupt auf die Idee gekommen, eine solche Reise zu unternehmen? "Das ist nicht meine erste Tour", erklärt er im Gespräch mit der RNZ. "Angefangen mit dem Radfahren habe ich im Jahr 2000, zuerst mit dem Mountainbike." Danach habe er unter anderem eine Alpenüberquerung und eine Tour "Rund um die Nordsee" absolviert. Das seien allerdings organisierte Radreisen gewesen - und deshalb konnte er sich nicht ganz so wie gewünscht seiner zweiten Leidenschaft widmen: Als da wären das Fotografieren und das Aufnehmen von Videos.
Auf der Nordkap-Athen-Reise war Hausmann dann sein eigener Herr. So konnte er anhalten, wo, wann und wie lange er auch immer wollte. Wie hervorragend Klaus Hausmann diese Stopps genutzt hat, kann sowohl in einem Buch als auch auf einer DVD nachvollzogen werden, die beide von ihm vertrieben werden.