Filmreihe zu Homosexualität im Gloria-Kino: Sie wollen endlich Farbe bekennen
Von Philipp Neumayr
Heidelberg. Für die einen war es höchste Zeit, für die anderen ein Affront. Als der Bundestag im vergangenen Sommer die "Ehe für alle" beschloss, gab es von vielen Seiten Beifall. Nicht aus jeder Ecke kam dieser aber gleichermaßen lautstark, gerade in der katholischen Kirche sorgte das neue Gesetz mitunter für Kritik. Dass es auch anders geht, zeigen nun Vertreter katholischer Institutionen in Heidelberg. Unter dem Titel "Respekt: Ehe für alle! Das Leben ist bunt" haben das Bildungszentrum, die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Stadtkirche und die Citypastoral gemeinsam mit dem Gloria-Kino eine eigene Filmreihe auf die Beine gestellt. Zu deren Auftakt lief am Donnerstagabend der Hollywood-Streifen "Milk". Anschließend stellte sich Bürgermeister Wolfgang Erichson den Fragen der Besucher.
"Mit der Reihe möchten wir Diskussionen anregen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen", erklärt Almuth Rumstadt, die Leiterin des Heidelberger Bildungszentrums. Die Idee dazu hatte ursprünglich Hermann Bunse, Personalreferent der Heidelberger Citypastoral. Er sagt: "In der katholischen Kirche haben wir zu lange die Augen vor der gesellschaftlichen Wirklichkeit verschlossen." Auch deshalb sei er, animiert von der Entscheidung des Bundestages, auf die Idee gekommen, eine Filmreihe zum Thema Homosexualität zu organisieren. "Ich finde, wir müssen uns als Kirche in der Öffentlichkeit stärker diesem Thema zuwenden und Farbe bekennen."
Dass längst nicht alle Vertreter der katholischen Kirche dieser Meinung sind, zeigte etwa die Kritik von Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, an der "Ehe für alle". Gleichzeitig gibt es Gegenstimmen wie die des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode. Er sprach sich jüngst dafür aus, homosexuelle Paare nicht von der Segnung auszuschließen. "Die katholische Kirche befindet sich im Wandel und muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen", meint daher Rosemarie Pfriem-Vogt, die Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle. Schließlich sei es gerade das bestimmende Merkmal der Kirche, für alle Menschen und Gruppierungen da zu sein - auch für Schwule und Lesben.
Für deren Rechte machte sich in den 1970er Jahren Harvey Milk stark, der erste offen schwule Politiker der USA. Die 2008 erschienene Verfilmung seiner Biografie beleuchtet den Kampf der Homosexuellen auf dem Weg zu Gleichberechtigung und Teilhabe. Eine Geschichte, die auch Bürgermeister Wolfgang Erichson verändert hat. Durch Milk und dessen Engagement sei er gewissermaßen erst politisiert worden, erklärte Erichson im Gloria-Kino. "Milk ist ein Vorbild für mich." Der amerikanische Bürgerrechtler musste für sein Engagement einst mit dem Leben bezahlen. Mittlerweile sei man in der Geschichte glücklicherweise weiter. Dennoch sieht Erichson die Errungenschaften der Homosexuellen alles andere als in Stein gemeißelt. "Gerade die Rhetorik und die Vorstellungen der AfD machen mir Sorgen."
Und die katholische Kirche? Der bescheinigte Erichson noch immer unterschwellige Vorbehalte gegenüber Homosexuellen. Dabei wären die nach Meinung des Bürgermeisters spätestens seit der "Ehe für alle" nicht mehr nötig, denn: "Etwas Konservativeres, als zu heiraten, gibt es doch gar nicht."
Info: Die Reihe wird am Montag, 22. Januar, um 18 Uhr mit dem Film "La mala educación" fortgesetzt. Anschließend folgt ein Filmgespräch mit dem Pastoralreferenten Hermann Bunse.