Carambolage-Festival im Karlstorbahnhof: Alles für die KazZ
Von Franz Schneider
Heidelberg. Angenommen, der derzeitige Comedy-Boom sei wie ein großer Bär, dann ist KazZ, was Kabarett und Jazz bedeutet, eine kleine freche Maus. Diese bittet den Bären zum Tanz, der Bär dreht sich und fällt geräuschvoll auf den Bärenhintern. Die Maus scheint zunächst verschwunden. Nach zwei Stunden taucht sie wieder auf, sie sitzt auf der Nasenspitze des Bären: Katapulteffekt, sprunghaft dorthin, wo es kitzelt.
Dazwischen war KazZ für Carambolage im Karlstorbahnhof zu dritt. Maren Kips gesellte sich dazu, eine junge, hoch begabte Jazzsängerin und mehr, demnächst sogar mit eigenem Tonträger. Mehr heißt Entertainerin, eigene Songs und ein Repertoire bis hin zu Stevie Wonder, vor allem eine Präsenz auf der Bühne, durch die sie nicht nur ergänzt, sondern mitgestaltet.
Denn KazZ besteht eigentlich einerseits aus Paata Demurishvili - ihn lediglich Virtuosen zu nennen wäre schon beleidigend, wenn er im Programm seine Jazz-Standards interpretiert, herrscht jäh eine erhabene Stille höchst konzentrierten Lauschens.
Dazu gesellt sich Volker Doberstein, wegen der Qualität seiner Texte muss man ihn zu den wichtigen Heidelberger Autoren zählen, der wunderbar inspiriert verschiedenste literarische Tonarten beherrscht. Wenn er auch thematisch besondere Vorlieben nicht leugnet. So entfloh auf die Bühne ein quasi pervertiertes Bestiarium. Zur Sprache nämlich kamen Kreaturen wie reinkarnierte Tsetsefliegen, zerquetsche Hamster, vorher betäubt, Bakterien auf dem kleinen Finger von Fernsehköchen, Ökokühe aus Indien, alle heilig, manche blöd, oder französische Froschprinzen ohne Schenkel. Unweigerlich beschenkte KazZ den Zuhörer mit seinen "Everblacks", dazu Texte über Angies Ausschnitt und Biomütter aus der Weststadt.
Aber es geht bei KazZ auch einfühlsam, vor allem wieder mit Maren Kips. Wenn sie von Paata Demurishvili sanft begleitet Volker Dobersteins Texte über das Flüchtlingsmädchen Zahira oder den Liebenden am Gleis 4 ins Mikro haucht, werden diese endgültig zu Poesie. Generell beeindruckte KazZ an diesem Abend vor allem zu dritt, einer der Höhepunkte war die dramatisch-jazzige Schilderung eines Duschvorgangs nach Hitchcocks "Psycho".
Wer KazZ vor einem Jahr erlebt hatte, war hingerissen von deren Können und neugierig auf deren Entwicklungspotenzial. Mit einem oft neuen Programm wurde es jetzt konsequent genutzt, besonders was die performativen Qualitäten betrifft. Ungemein spannend ist darum sich vorzustellen, wie es mit diesem Projekt, so Niveau besessen wie dynamisch, weitergeht. Das Publikum dankte darum mit betont zustimmendem Applaus.