Heidelberger Südstadt: Klangvoller Start für den Südstadt-Treff
Heidelberg. (scher) Zusammenklang fängt bereits in der Nachbarschaft an. Genau aus dem Grund unterstützt das Benefizkonzert des SAP-Sinfonieorchesters in seiner neunten Auflage das "Chapel"-Projekt in der Südstadt, wo mit Spenden die Einrichtung eines Nachbarschaftscafés finanziert wird. Für Veranstalter Ingo Franz ist dieses musikalische Großereignis längst zu einer Metapher für eine vitale inklusive Stadtgemeinschaft geworden, wo sich bei freiem Eintritt alljährlich eine bunte Menschenmenge in der Stadthalle zusammenfindet. Genauso vielfältig ist auch die Bewohnerschaft der Südstadt, da sich durch die Konversion die Einwohnerzahl bereits verdoppelt hat, wie die Vorsitzende vom dortigen Stadtteilverein Ursula Röper berichtet. Im Nachbarschaftscafé soll nun mit zahlreichen Angeboten diese Gemeinschaft neu entstehen, schließlich ist solch ein Zusammenhalt die Basis für ein demokratisches Zusammenleben, wie Bernd Welz von der SAP betont.
Zusammenhalt ist auch Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines Sinfonieorchesters, besonders wenn man sich für den Samstagabend solch einen schweren Brocken wie Brahms’ erste Sinfonie vorgenommen hat, die das SAP-Orchester aber bravourös meisterte. So konnten die unablässig nach vorne peitschenden Paukenschläge oder das einsam vor sich hin lebende Oboen-Solo die Zuhörerschaft augenblicklich gefangen nehmen. Indem Dirigentin Johanna Weitkamp den Orchesterklang noch kompakter bündelte, erzielte das Allegro drastische Wirkung.
Im Adagio kehrte Weitkamp besonders die sentimentale Seite hervor. Im Schlusssatz wurde mit dramatischer Schwere zuerst noch Erwartungshaltung aufgebaut, bevor das berühmte Hauptthema alle wieder versöhnte. Zu Hochtouren liefen die Musiker für ein markantes Sinfonie-Ende auf, das nicht feierlicher hätte erschallen können. Neben Brahms wurde Niels Wilhelm Gades Ouvertüre "In the Highlands" präsentiert, wo ein malerischer Klarinettenklang sofort behagliche Wohlfühl-Atmosphäre schuf. Als homogen agierender Klangkörper unternahm das Orchester jedes Auf und Ab als geschlossenes Ganzes. Eine geruhsame Version wählte auch Geiger Alexander Galushkin für Dvoráks Violinkonzert, da er oft nicht als Solist herausstach. Einen Schwerpunkt legte er auf Momente der Sehnsucht und Intimität, als er vor allem in melancholischer Stille brillierte. Gut in der Hand lagen ihm die Ausflüge in volkstümliche Weisen.
Noch romantischer verwöhnt wurde man in den Zugaben aus Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" und der "Cavalleria rusticana" von Mascagni. Ein wunderbarer Start für ein vitales Zusammenspiel im Südstädter Nachbarschaftscafé.