Neue Laternen in Heidelberg: Kaltes Licht lässt die meisten kalt
Von Micha Hörnle
Heidelberg. Den Neuenheimern und Handschuhsheimern geht ein Licht auf - oder vielmehr ein anderes. Zumindest dann, wenn sie in einer Straße wohnen, in denen die Stadtwerke in den letzten Wochen die Straßenbeleuchtung ausgetauscht haben. Das war zugleich auch der Startschuss für eine umfangreiche Modernisierung der Laternen in der Stadt. Fast die Hälfte der heute 14.000 Lampen sollen nach und nach bis Ende 2020 ausgetauscht werden - vor allem aus Energiespargründen.
Denn die neuen Modelle haben keine Birnen mehr, sondern LEDs und sparen so bis zu 60 Prozent an Strom. Deswegen gehen die Stadtwerke auch davon aus, dass sich die Investitionskosten von drei Millionen Euro auch nach sechs bis sieben Jahren rentiert haben - und außerdem sieht man das Straßenleuchtenmodernisierungsprogramm auch als einen Baustein in der städtischen Langzeitstrategie "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz", mit dem Heidelberg bis 2050 fast klimaneutral werden will. Insgesamt rechnet man damit, dass nach dem Austausch 2,2 Gigawattstunden Strom (und damit 1300 Tonnen des Klimakillers CO2) im Jahr eingespart werden - was etwas dem Stromverbrauch von 550 Vier-Personen-Haushalten entspricht.
Kleiner Nebeneffekt: Auch das Straßenbild wird einheitlicher: Gab es bisher in Heidelberg 35 unterschiedliche Laternenmodelle, sind es nach dem Austausch nur noch fünf. Über die Auswahl der neuen Leuchten berieten übrigens Fachleute - vor allem ging es um ein möglichst zeitloses Design, das gut zur Architektur in den Straßen passt.
Aber auch das Licht ist anders, es wirkt kühler - und strahlt nicht mehr wahllos in den Nachthimmel, was wiederum gerade die Insekten schützt. Bisher hat es, so sagt Stadtwerke-Sprecherin Ellen Frings, noch keine massiven Klagen gegeben - anders als in Dilsberg, wo sich viele Anwohner beschwerten, dass die neuen Laternen deutlich dunkler seien als die alten und dass man sich deswegen vor Einbrechern fürchte (RNZ vom 16. November). Das liegt auch daran, dass im Neckargemünder Stadtteil ein anderes Modell aufgestellt wurde - und offenbar stehen in Neuenheim und Handschuhsheim die Laternenmasten nicht so weit voneinander weg.
Zumindest gab es in Heidelberg nur insgesamt vier Rückmeldungen aus der Bevölkerung: "Das ist sehr wenig", meint Frings. Eine Lampe funktionierte nicht - das war ein Schaltfehler, der schnell behoben wurde. Ein anderer Anwohner fragte nach dem Insektenschutz - der bei den neuen Lampen berücksichtigt wurde. Eine dritte Anfrage drehte sich um kaputte Leuchten am Olympia-Stützpunkt - aber das ist kein Areal, für das die Stadtwerke zuständig sind. Nur ein Elfjähriger trauerte den gewohnten Leuchten mit einem Schuss Nostalgie nach: "Die waren doch immer da!"
In den beiden nördlichen Stadtteilen werden bis zur Jahresmitte 1350 der insgesamt 1700 Leuchten ersetzt, momentan planen die Stadtwerke noch, welche Gebiete dann folgen werden.