Mobilfunk in Heidelberg: Offline in der Innenstadt
Von Denis Schnur
Heidelberg. Das mobile Internet auf Smartphones ist in Heidelberg aktuell eine Katastrophe - zumindest für Kunden des größten deutschen Mobilfunkanbieters O2 und all jener Anbieter, die dessen Netz nutzen (etwa Blau, Drillisch oder Aldi-Talk). Die RNZ hat ihre Leser um deren Erfahrungen gebeten - mehr als 150 Betroffene meldeten sich. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
> Was ist das Problem? Die mobilen Daten von O2 funktionieren in weiten Teilen der Stadt kaum - vor allem an Werktagen. Das zeigen die Rückmeldungen unserer Leser: "Über den Daumen gepeilt geht 90 Prozent der Zeit nichts", schreibt eine O2-Kundin. Das hält nicht nur Leute vom Twittern ab, sondern hat auch ernstere Konsequenzen: Mehrere Nutzer schreiben etwa, dass sie die VRN-Ticket-App nicht mehr nutzen können, um mit Bussen und Bahnen zu fahren. Andere hatten Schwierigkeiten, sich zu verabreden, und Altstadtbewohner bekommen ihre TANs für Online-Überweisungen nicht zugeschickt. Neben Problemen mit dem Internet berichten einige auch von schlechtem Empfang beim Telefonieren und SMS-Schreiben.
> Wo funktioniert das Internet nicht? Die meisten Leser beziehen sich konkret auf den Bereich zwischen Universitätsplatz und dem "Alten Hallenbad" in Bergheim - und damit den größten Teil der Innenstadt. Zuschriften kamen jedoch aus fast allen Stadtteilen: Mit weitem Abstand belegt Ziegelhausen Rang Drei hinter der Altstadt und Bergheim.
> Warum gibt es die Beeinträchtigungen? Das haben viele Leser auch direkt bei O2 gefragt und verschiedene Antworten bekommen: Mal hieß es, es liege kein technisches Problem vor, mal, ein Funkmast sei beschädigt, und mal, die Zusammenlegung der Netze von E-Plus und O2 sei der Grund. Diese Erklärung kommt nun auch von der Pressestelle: Der Grund seien "Optimierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der technischen Zusammenführung der Netze von E-Plus und O2". In der Regel seien die damit einhergehenden Einschränkungen jedoch "räumlich und zeitlich sehr begrenzt". Eine Sprecherin des O2-Mutterkonzerns Telefónica wiederum bestätigte auf RNZ-Anfrage auch konkret, dass es derzeit bei zwei von fünf UMTS-Mobilfunkstationen in der Altstadt zu Einschränkungen der Versorgung komme.
> Wie lange dauert die Optimierung? Die RNZ-Leser beobachten die Beeinträchtigung seit Monaten. Einige haben erst durch die Berichterstattung bemerkt, dass der Fehler nicht an ihrem Handy, sondern am Netzbetreiber liegt. Erste Fälle gab es demnach vor etwa einem Jahr; seitdem gab es Phasen, in denen das Internet meistens funktionierte, und welche, in denen gar nichts ging. Und wahrscheinlich bleibt es erst mal so: Im ersten Quartal 2018 sollen die Arbeiten in Heidelberg abgeschlossen sein. Bundesweit werde die Zusammenfügung der Netze bis Ende 2018 dauern.
> Wie reagiert O2 auf die Beschwerden? Viele Leser haben sich beim Konzern beschwert, manche erfolgreich - sie haben etwa Gutschriften bekommen -, manche weniger: "Wenn man Stunden in Warteschleifen hängt und erhält dann unverschämte Antworten, kommt man sich echt verarscht vor", schreibt ein verärgerter Leser. Auf RNZ-Anfrage bestreitet Telefónica ein Anrecht auf Entschädigungen: "Grundsätzlich steht unseren Kunden unser Mobilfunknetz bundesweit zur Verfügung, ein rechtlicher Anspruch auf die Erteilung von Gutschriften besteht somit gemäß unserer Geschäftsbedingungen nicht."
> Welche Rechte haben Betroffene? Oliver Buttler, Abteilungsleiter für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sieht das anders: Zwar beinhalten Verträge oft gewisse Zeiten, in denen das Netz ausfallen dürfe - etwa damit der Anbieter Updates durchführen kann -, in der Regel verspreche der Netzbetreiber jedoch eine Erreichbarkeit von etwa 97 Prozent. Wenn also das mobile Netz für mehrere Monate flächendeckend kaum verfügbar sei, hätten Kunden sehr wohl "gewisse Rechte", schließlich gelte Internetversorgung heute als "lebensimmanentes Gut", so Buttler. Denkbar seien daher ein Sonderkündigungsrecht oder eine Kostenminderung - in diesem Fall seien 30 bis 50 Prozent plausibel.
Dazu sollten die Nutzer ein Schreiben an ihren Anbieter aufsetzen, indem sie die Problematik erläutern. Darin sollten sie das Unternehmen zudem auffordern, innerhalb einer angemessenen Frist - Buttler empfiehlt 14 bis 21 Tage - vertragsgemäß eine entsprechende Versorgung herzustellen. Für den Fall, dass dies nicht geschehe, sollte man Konsequenzen ankündigen: die Vertragskündigung oder eine vorübergehende Minderung der monatlichen Kosten.