Völkerkundemuseum Heidelberg: Persische Miniaturen aus feinsten Pinselstrichen
Von Ingeborg Salomon
Was könnte besser zur Advents- und Weihnachtszeit passen, als die großen zeitlosen Themen der Menschheit: Schönheit und Liebe? "Yusuf und Zulaikha" heißt eine Ausstellung persischer Miniaturen, die am Sonntag im Völkerkundemuseum der Portheim-Stiftung in Heidelberg eröffnet wird. Die 33 etwa Postkarten großen Bilder zeigen Szenen aus der Josefsgeschichte. Christen kennen sie aus dem Alten Testament, Juden aus der Thora und im Koran gilt sie als eine der schönsten Erzählungen.
"Die Miniaturen sind Buchseiten und stammen aus unserem Fundus. Museumsgründer Victor Goldschmidt hat sich ja immer sehr für Buchkunst interessiert", erklärte Museumsdirektorin Margareta Pavaloi im Gespräch mit der RNZ. Entstanden sind die Zeichnungen Ende des 17. / Anfang des 18. Jahrhunderts als Buchillustrationen, die Vorlagen für die Miniaturen sind aber etliche Jahrhunderte älter.
Erzählt wird die Geschichte von Jakobs Lieblingssohn Josef (Yusuf) und seiner großen Liebe Zulaikha, der Gemahlin des Potiphar, die mehr als ein Auge auf ihn geworfen hat. Während in der jüdisch-christlichen Tradition der Schwerpunkt auf Josefs Träumen und den zwölf Stämmen Israels liegt, steht im Islam die Figur des Yusuf als Allegorie für die göttliche Schönheit im Mittelpunkt. Auf den Miniaturen ist seine Gestalt stets gut zu erkennen an der Gloriole über seinem Haupt. Zulaikha ist die große Liebende, und in der persischen Literatur hat die Erzählung ein Happy End, dank dem Dichter Dschami (1414 bis 1492), der dem Werk seine klassische Form gegeben hat. So zeigt eine der Miniaturen das Paar nicht etwa realistisch gealtert, sondern jung und schön endlich vereint.
Der Besucher sollte etwas Zeit mitbringen, sonst könnten ihm feine Details entgehen, etwa Yusufs zarter Bartflaum, gemalt offenbar mit einem Ein-Haar-Pinsel, wie Margareta Pavaloi erklärt. Auch die Felle von Hunden, Schafen und Kühen sind sehr sorgsam strukturiert. Für alle, die die komplizierte Josefsgeschichte nicht im Kopf haben und die persischen Schriftzüge auf den Bildern nicht lesen können, gibt es zu jeder Miniatur eine deutsche Erläuterung. Ausdrücklich erwünscht und erlaubt ist, ganz nah an die (verglasten) Bilder heranzutreten, um die feinen Details zu würdigen. "Wir werden auch Lupen bereitstellen", lächelt Margareta Pavaloi.
Eine erste positive Rückmeldung hat Pavaloi schon vor Eröffnung der Ausstellung bekommen: Die persische Community zeigte sich auf Facebook begeistert von der Idee.
FiInfo: Die Ausstellung "Yusuf und Zulaikha" wird am Sonntag, 17. Dezember, um 14.30 Uhr im Völkerkundemuseum Heidelberg, Hauptstr. 235, eröffnet und bis 11. März gezeigt.