Edingen-Neckarhausen: Das beherrschende Thema ist die Trinkwasserverunreinigung
Edingen-Neckarhausen. (nip) "Es war ein schwieriges Jahr für den Verband. Aber wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet", stellte Bürgermeister Simon Michler, zugleich Vorsitzender des Wasserversorgungsverbands Neckargruppe, vor den Verbandspartnern MVV RHE Mannheim und den Stadtbetrieben Heidelberg am Ende der jährlichen Versammlung fest.
Das Thema Trifluoracetat (TFA) im Trinkwasser beherrschte das Geschehen: Sofort nach der Benachrichtigung durch das Regierungspräsidium am 7. Oktober 2016 über einen unerwünschten Stoff im Wasser, musste der Verband reagieren: Seine Brunnen waren mit bis zu 20 Mikrogramm TFA pro Liter belastet, der Maßnahmenwert lag damals noch bei zehn Mikrogramm. Inzwischen hat ihn das Bundesumweltamt auf 30 Mikrogramm korrigiert; auch deshalb, weil das verursachende Unternehmen Solvay Fluor in Bad Wimpfen die Einleitung in den Neckar reduziert hat. Bis Mitte 2019 soll gemäß der Ergebnisse einer laufenden Tierversuchsreihe als toxikologische Studie ein neuer Leitwert gesetzt werden.
Für Edingen-Neckarhausen bedeutet die Korrektur nach oben, dass die Gemeinde ihre Pläne zum Wasserbezug aus Mannheim erst einmal aussetzen kann. Ob und wann Heidelberg wieder Wasser vom Verband ordert, blieb in der Sitzung aber offen. Sobald ein eigenes Strukturgutachten vorliege, sagte Günther Falk von den Stadtwerken Heidelberg, werde man sich zum künftigen "Bezugsverhalten" äußern. Klar sei, dass man Teil des Verbandes bleibe und Investitionen mittrage.
Gemeinderat Hans Stahl, auf drei Jahre wiedergewählter stellvertretender Verbandsvorsitzender, erhoffte sich aus dieser Versammlung ein "starkes Signal nach außen", um den Bürgern zu sagen: "Unser Wasser ist genießbar." Aus diesem Grund forderte er auch, das neue Wasserrecht "zeitnah" zu beantragen. Der Antrag hierzu liege entscheidungsreif in der Schublade beim Wasserrechtsamt, teilte Verbandsgeschäftsführerin Elke Hugo mit.
Die neue Genehmigung kostet rund 150.000 Euro, eine Summe, die der Verband nun in den Wirtschaftsplan 2019 einstellen will. Bis dahin wird der Verband wissen, welche Menge er künftig fördern wird. Günther Falk betonte, er plädiere dafür, das Wasserrecht auf 30 Jahre, nicht nur auf zehn Jahre zu beantragen. Dies sei ein "besseres Signal nach außen".
Vonseiten des Wasserechtsamts des Rhein-Neckar-Kreises stellte Christian Svenson fest, dass der Neckar der abwasserreichste Fluss Deutschlands sei; welche Stoffe er mitführe, müsse man in Zukunft beachten. Seine Information, dass vonseiten der Behörden geprüft werde, ob der alte TFA-Maßnahmenwert für besonders sensible Gruppen, zum Beispiel Kleinkinder und Senioren, weiterhin gelten solle, bestätigte Andreas Welker vom Landratsamt. Intern werde diskutiert, ob es Nutzungseinschränkungen geben könnte. Juristisch und wissenschaftlich sei das aber vermutlich schwer zu begründen.
Generell müsse man Gespräche über die Trinkwassersicherheit in der Region beginnen. "Was wir nicht kennen, messen wir nicht." Das heißt, ein unbekannter toxischer Stoff hätte ebenso schnell wie TFA in den Brunnen landen können. Welker sprach von einem "Sekundärsystem", das im Notfall die Bürger versorgen könne.
Bürgermeister Michler teilte mit, dass im Zusammenhang mit TFA Kosten von rund 110.000 Euro entstanden seien; eine Schadensersatzforderung gegen Solvay steht im Raum, ruhe derzeit aber noch. "Hier verjährt aber nichts", meinte Michler.