Fahrrad-Unfälle in Heidelberg-Schlierbach: Markierungen und Leuchtschilder sollen die Kölner Teller ersetzen (plus Videos)
Von Micha Hörnle
Heidelberg. Sechs Wochen nach dem tödlichen Fahrradunfall sollen die Kölner Teller in der Schlierbacher Wolfsbrunnensteige rasch entfernt werden. "In den nächsten Tagen werden sie abmontiert", sagte am gestrigen Mittwoch ein Stadtsprecher der RNZ. Aber es gibt Ersatz: Die Stadt denkt vor allem an Rüttelmarkierungen - also aufgeraute Streifen, die man im Auto beim Überfahren hört - und an ein Dialogdisplay, also ein Leuchtschild bei zu hoher Geschwindigkeit.
Damit insbesondere die Fußgänger in der engen Straße besser geschützt sind, sollen spezielle Warnzeichen auf die Fahrbahn gemalt werden, außerdem soll der abmarkierte Bereich direkt an einem Hauseingang, über den gern die Autos fahren, mit Pollern gesichert werden. Und für das spezielle Problem des Begegnungsverkehrs soll es drei Ausweichstellen geben. Das alles soll in Angriff genommen werden, wenn es die Witterung zulässt, so ein Stadtsprecher. Außerdem wollen die Stadtwerke prüfen, ob sie nicht noch ein paar Straßenlampen aufstellen können, damit gerade die Fußgänger besser zu sehen sind.
Damit folgt die Stadt den Empfehlungen eines unabhängigen Experten, Jens Leven, Geschäftsführer des Büros für Forschung, Entwicklung und Evaluation (Bueffee). Leven ist auch mit dem stadtweiten Sicherheitsaudit beauftragt, das seit dem Unfalltod eines Jungen vor knapp zwei Jahren in der Theaterstraße potenzielle Gefahrenstellen im Straßenverkehr identifizieren soll. "Wenn sich eine neue Lage ergibt, dann sollte man auch darauf reagieren", sagt Leven und verweist auf die sich häufenden Unfälle, gerade bei Radfahrern in den letzten Wochen.
Die Kölner Teller waren aber bereits im April montiert worden - dem war ein zweijähriger Diskussions- und Planungsprozess vorausgegangen. Leven meint: "Die Kölner Teller sind nicht die optimale Maßnahme in einer Straße mit viel Radverkehr." Damit gibt er vor allem den Kritikern dieser Metallnoppen, wie dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, recht, der immer wieder deren Demontage gefordert hat, weil sie für Radfahrer schlicht zu gefährlich seien. Solche Probleme sind von den geplanten Rüttelmarkierungen bisher nicht bekannt.
Doch das, was die Stadt (und er selbst) als Ersatz empfohlen hat, wird das Tempo der Autos nicht ähnlich effektiv reduzieren: "Die Rüttelmarkierung ist eher ein optischer und akustischer Hinweis. Von ihr kann man nicht erwarten, dass sie eine geschwindigkeitsreduzierende Wirkung hat. Was man aber durchaus von Dialogdisplays sagen kann. Auf die reagieren die meisten Autofahrer."
Zumal man mit diesen Leuchtschildern auch die tatsächliche Geschwindigkeit der Autos messen kann. Sollte die dauerhaft zu hoch sein - also schneller als die hier erlaubten 20 Stundenkilometer -, dann könnte sich Leven noch mehr in dieser Straße vorstellen: "Schwellen, Aufpflasterungen oder Berliner Kissen." Bisher hatte die Stadt dies mit dem Verweis auf das Hangwasser abgelehnt, aber vielleicht würde das dann neu bewertet.
Auch wenn Leven es für "eine gute Lösung" hält, dass die Kölner Teller nun wegkommen, weiß er doch, dass sie auf ihre Art und Weise effektiv waren: "Sie greifen schon massiv in die Geschwindigkeit der Autos ein. Und das lässt sich nur sehr schwer durch andere Maßnahmen erreichen." Und damit stehen die direkten Anwohner der Wolfsbrunnensteige vor dem alten Problem, dass bald die Autos wieder zu schnell durch die enge Straße brausen werden - weil sie nun kaum etwas mehr aufhält.
Immerhin versprach gestern die Stadt, häufiger als bisher die Geschwindigkeit in der Wolfsbrunnensteige kontrollieren zu wollen. Außerdem will sie verstärkt gegen Falschparker vorgehen, die den Verkehr behindern. Das geht sogar ganz unabhängig vom Wetter.