Masterplan: Mehr Platz für Familien in der Heidelberger Bahnstadt
Von Timo Teufert
Heidelberg. Für das letzte Grundstück, das im ersten Bauabschnitt der Bahnstadt noch bebaut werden kann, gibt es eine konkrete Planung: Auf dem Baufeld Z 4 an der Kreuzung Langer Anger und Max-Jarecki-Straße sollen 160 Wohnungen gebaut werden. Das Problem: Bislang ist das Areal für eine gewerbliche Campus-Nutzung vorgesehen. Deshalb muss der Gemeinderat am heutigen Donnerstag um 16 Uhr (Alter Rathaussaal, Marktplatz 10) darüber entscheiden, ob er für das Baufeld den Masterplan Bahnstadt ändert - und eine Wohnbebauung zulässt. Der Bezirksbeirat hatte bereits einstimmig dafür votiert, im Bauausschuss gab es nur eine Gegenstimme.
Für das Grundstück hat die Max-Jarecki-Stiftung, die gleich nebenan die "Skylabs" betreibt und gegenüber gerade "Skyangle" baut, eine Kaufoption. Diese will sie auch wahrnehmen und zusammen mit der Deutschen Wohnwerte, denen das Grundstück in Erbpacht überlassen wird, das Areal entwickeln. Geplant ist eine Blockrandbebauung mit unterschiedlichen Wohnungstypen: Wohnungen über zwei Etagen, Etagenwohnungen mit zwei bis vier Zimmern und Penthousewohnungen. Zudem sollen im Erdgeschoss Gewerbeeinheiten entstehen. "Über 70 Prozent der Wohnungen besitzen drei bis fünf Zimmer und eignen sich somit für Familien", heißt es in der Vorlage.
"Man muss diese Umwidmung im Gesamtzusammenhang der Umwandlung von Wirtschafts- zu Wohnflächen sehen", ärgerte sich Wolfgang Lachenauer (Die Heidelberger) im Bauausschuss über den Vorstoß der Verwaltung. Diese Tendenz in Heidelberg widerspreche eklatant dem Wirtschaftsflächenentwicklungsplan. "Wir haben eine Wohnnutzung auf dem Patton-Areal abgelehnt und ich bitte auch hier darum, es abzulehnen", sagte Lachenauer zu den anderen Stadträten. Er könne außerdem nicht erkennen, dass an dieser Stelle preisgünstiger Wohnraum entstehe.
Baubürgermeister Jürgen Odszuck verwies in diesem Zusammenhang auf die sogenannte Subjektförderung in der Bahnstadt: Mieter können dort einkommensabhängig einen Zuschuss für ihre Mietwohnung beantragen. Es soll vor allem familienfreundlicher Wohnraum gefördert werden. "Wir haben aber auch den Auftrag vom Gemeinderat, mehr Wohnflächen zu schaffen", sagte Annette Friedrich, die Leiterin des Stadtplanungsamtes. Erst im Februar hatte der Gemeinderat ein Handlungsprogramm Wohnen und ein Wirtschaftsentwicklungskonzept beschlossen. Darin wird die Stadtverwaltung beauftragt, "Vorschläge für die angesichts der absehbaren Einwohner- und Wirtschaftsentwicklung erforderlichen Maßnahmen zu machen".