Nahverkehr: Verdi kündigt Streiks für mindestens sechs Bundesländer an
Die Gewerkschaft Verdi hat erneut in mehreren Bundesländern zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) aufgerufen. In Bayern, dem Saarland, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg sollen am Donnerstag Busse und Bahnen ganztägig stillstehen, wie die Gewerkschaft mitteilte.
In Hessen entscheide sich im Laufe des Montags nach den aktuellen Verhandlungen, ob die Gewerkschaft dort ebenfalls zum Arbeitskampf aufrufen werde, hieß es. In Bremen soll laut ntv die Entscheidung am Mittwoch fallen.
Es ist der dritte großflächig koordinierte "Arbeitskampf" in den laufenden Tarifverhandlungen im ÖPNV, die Verdi parallel in allen Bundesländern führt."In vielen Ländern stehen wir – im vierten Monat der Tarifrunde – leider immer noch am Anfang", teilte die Vize-Vorsitzende von Verdi, Christine Behle, mit. Er betont:
"Die Zeiten seien schwierig, heißt es von den Arbeitgebern. Allerdings können wir uns Zögerlichkeit am Verhandlungstisch nicht leisten, es müssen dringend Lösungen her."
Wie zuletzt dürfte es regionale Unterschiede bezüglich Streikdauer und -beginn geben. In den Tarifverhandlungen mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden und Verkehrsunternehmen geht es in den meisten Bundesländern um bessere Arbeitsbedingungen im Rahmen der sogenannten Manteltarifverträge. Diese regeln etwa Arbeitszeit, Pausenlänge und freie Zeit zwischen den Schichten. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW sticht einmal mehr durch besonders heftige Streiks, die bereits am Montag beginnen, hervor und droht im Chaos zu versinken: Wie das Portal Der Westen berichtet, startete die Warnstreikwelle bereits am Montag (16. März) in den Verwaltungen und Kundenzentren. Am Dienstag (17. März) weitet sich der Verdi-Streik auf den Fahrdienst aus, sodass viele Busse und Bahnen in den Depots bleiben. Und am Mittwoch (18. März) stehen vor allem Werkstätten im Fokus der Arbeitsniederlegungen. Dann folgt am Donnerstag (19. März) der große "Höhepunkt": In NRW sind dann sämtliche Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen. Der Streik soll von der frühen Morgen- bis zur späten Spätschicht für einen fast vollständigen Stillstand bei Bussen und Stadtbahnen sorgen.
Auch Sachsen streikt bereits ab Montag: Wie der mdr berichtet, sind zum Wochenstart die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Regiobus Mittelsachsen und des Regionalverkehrs Westsachsen mit Sitz in Zwickau aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die betroffenen Unternehmen erwarten nach eigenen Angaben großflächige Ausfälle in Döbeln und Freiberg. Zu Einschränkungen und Fahrtausfällen kommt es außerdem auf Linien im Bereich Chemnitz, Limbach-Oberfrohna, Hohenstein-Ernstthal und Lichtenstein. Ab Dienstag sollen dann große Teile Ostsachsens bestreikt werden.
Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch die "Arbeitskämpfe" dürfte wieder in die Milliardenhöhe gehen. Pendler und vor allem Eltern schulpflichtiger Kinder, sind zunehmend frustriert – ohnehin ist bereits ohne Streiks auf den Bahnverkehr in Deutschland zunehmend kaum Verlass. Der Umstieg aufs Auto dürfte bei Betroffenen mit Blick auf die aktuellen Spritpreise auch nicht für mehr Verständnis für die Forderungen der Verdi-Mitglieder sorgen.
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