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Bill Clinton vor Kongress: Plötzlich springt ihm Trump zur Seite

Nach seiner Frau Hillary Clinton hat sich Bill Clinton den Fragen des US-Kongresses über seine Verbindung zu Jeffrey Epstein gestellt. Doch statt der groß angekündigten Erkenntnisse wurde die Befragung des Ehepaares ein Erfühlen im Ungefähren. David Schafbuch berichtet aus New York Für Bill Clinton ist die Sache klar: "Ich habe nichts gesehen und ich habe nichts falsch gemacht", teilte der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten am Freitagmorgen in einer Stellungnahme mit. Daher könne er zu der Aufklärung der Verbrechen rund um den verurteilten Menschenhändler Jeffrey Epstein wenig beitragen. Er lasse sich allerdings in seinem Wohnort Chappaqua befragen, weil er sein Land liebe und weil niemand in den USA über dem Gesetz stehe, "auch keine Präsidenten – vor allem keine Präsidenten", so Clinton. Hillary Clinton im Kongress: Sie schaltet auf Angriff Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Nach seiner Ehefrau Hillary stand also an diesem Tag auch der ehemalige Präsident dem Aufsichtsausschuss des US-Kongresses Rede und Antwort, der unter anderem für die Kontrolle von Bundesbehörden und -beamten zuständig ist. Da er unter Eid stehe, könne er nicht sagen, dass er sich auf die Fragen freue, so der 79-Jährige. Er werde sich bemühen, alle Fragen nach bestem Gewissen zu beantworten, aber er werde "nach 24 Jahren nicht mehr Detektiv spielen" und Gerüchte oder Mutmaßungen äußern. Knapp sechs Stunden später wurde Clinton tatsächlich sowohl von Abgeordneten der Demokraten als auch der Republikaner für seine Kooperation gelobt. Doch für Außenstehende stellt sich der Erkenntnisgewinn nach den Befragungen der Clintons nicht so leicht ein: Denn was genau an diesem Tag gesprochen wurde, war wie bei der Befragung von Hillary Clinton bislang noch nicht veröffentlicht worden. Lange Bekanntschaft mit Epstein Im Gegensatz zu Hillary Clinton ist es bei Bill Clinton erwiesen, dass er über persönliche Kontakte zu Jeffrey Epstein verfügte. Der Ex-Präsident hat das nie bestritten. In den jüngst veröffentlichten Epstein-Dokumenten sind etwa mehrere Fotos enthalten, auf denen er mit dem Sexualstraftäter und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell zu sehen ist. Ein anderes Foto zeigt den ehemaligen US-Präsidenten, während eine junge Frau auf seinem Schoß sitzt. Mehrere Bilder zeigen Clinton auch in einem Pool mit einer Frau. In allen Bildern wurden die Gesichter der Frauen unkenntlich gemacht. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass Clinton nicht wisse, wer die Frauen auf den Fotos im Pool seien. Die Frage, ob er mit einer der Frauen Sex gehabt habe, soll Clinton bei der Anhörung verneint haben. "Haben sich wegen mir getroffen" Bislang wurde dem Ex-Präsidenten keinerlei juristisches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein nachgewiesen. Die Bekanntschaft der beiden reicht bis in die Neunzigerjahre zurück. Epstein soll damals mehrfach für ihn gespendet haben. 17 Mal soll er zudem im Weißen Haus zu Besuch gewesen sein, sagte der Ausschussvorsitzende James Comer. Ob es dort aber direkte Treffen zwischen beiden Personen gab, ist unklar. Epstein soll unter anderem als ein Gast von vielen in Delegationen den Amtssitz des Präsidenten besucht haben. Im vergangenen Jahr gab Ghislaine Maxwell an, dass sie das Bindeglied zwischen Clinton und Epstein gewesen sei. "Sie haben sich wegen mir getroffen", heißt es von Maxwell zu der Beziehung der beiden Männer aus Vernehmungsprotokollen des US-Justizministeriums. Aus den jüngst veröffentlichten Daten ging bislang auch nicht hervor, dass Clinton und Epstein direkten Mailkontakt hatten. Die Kommunikation lief laut den Papieren über Maxwell und Doug Band, einen der wichtigsten Berater Clintons. "Kurze Bekanntschaft" Der Kontakt zwischen Epstein und Clinton hielt auch nach Ende der Amtszeit des Präsidenten im Jahr 2001 an. Clinton baute zu diesem Zeitpunkt eine Stiftung auf und kümmerte sich um Wohltätigkeitsveranstaltungen. Dafür nutzte er mehrmals das Privatflugzeug von Epstein. Über die Häufigkeit gibt es unterschiedliche Angaben. Der Republikaner Comer sprach am Freitagmorgen von "mindestens 27 Fällen". Clinton nannte sein Verhältnis zu Epstein am Freitag eine "kurze Bekanntschaft". In den "begrenzten Interaktionen" beider Männer habe Clinton nie etwas von Epsteins Straftaten gewusst. Hätte er davon erfahren, hätte er Epstein angezeigt. Ob in der Befragung weitere, bislang noch unbekannte Details öffentlich wurden, war am Freitagabend allerdings unklar. Wie schon am Donnerstag hatte Comer gegen den Willen der Clintons keine öffentliche Anhörung zugelassen. Der Republikaner hatte zuvor davon gesprochen, dass ein solches Verfahren nicht üblich sei und für die Clintons keine Sonderbehandlung gelte. Demokratische Ausschussmitglieder hatten daher erneut gefordert, dass innerhalb von 24 Stunden ein Videomitschnitt und ein vollständiges Transkript der Befragung veröffentlicht werden müsse. Comer sagte nach der Befragung, die Videos beider Anhörungen würden "hoffentlich" innerhalb dieses Zeitrahmens zugänglich sein. Unterschiedliche Versionen des Gesprächs Die fehlenden Aufzeichnungen hatten zur Folge, dass beide Parteien Teile der Befragung unterschiedlich wiedergaben: Comer sagte in einer Pause, dass Clinton gefragt wurde, ob man auch Trump vorladen müsse. Clinton habe darauf geantwortet, dass das Sache des Ausschusses sei. Laut Comer sagte Clinton zudem, dass er in Gesprächen mit Trump nie den Eindruck erlangt habe, dass der Präsident in die Machenschaften von Epstein involviert gewesen sei. Hat Clinton also in der Befragung Trump verteidigt? Als in der Pause die demokratischen Ausschussmitglieder darauf angesprochen wurden, schüttelten einige von ihnen ungläubig den Kopf: Was Comer gesagt habe, sei keine akkurate Beschreibung von Clintons Aussagen, antwortete der Abgeordnete Robert Garcia. Es sei daher weiter notwendig, die vollständigen Befragungsprotokolle zu veröffentlichen. "Sprechen mit dem falschen Präsidenten" Auch Trump hatte sich zu der Befragung Clintons geäußert: "Ich mag ihn und es gefällt mir nicht, ihn unter Eid aussagen zu sehen", sagte Trump vor Journalisten in Washington . Er beteuerte, er wisse selbst überhaupt nichts zu den Epstein-Akten . Gleichzeitig behauptete er, dass er selbst deutlich stärker unter Druck gesetzt worden sei. Geht es nach den Demokraten, dürfte sich dieser Druck weiter erhöhen: Wie bei der Befragung von Hillary Clinton wurden verschiedene Ausschussmitglieder nicht müde, auch eine Befragung des amtierenden Präsidenten zu fordern. "Wir sprechen heute mit dem falschen Präsidenten", sagte etwa der Abgeordnete Suhas Subramanyam. Die Mitglieder der Partei sprachen zudem weiter davon, dass mit der Vorladung Clintons ein Präzedenzfall geschaffen wurde: Da Clinton als ehemaliger Präsident ausgesagt habe, sei es auch legitim, Trump zu seinen Beziehungen zu Epstein zu befragen. Vonseiten der Republikaner war am Freitag allerdings kein Wille zu erkennen, ihren Präsidenten vorzuladen. Trump selbst sprach am Freitag davon, dass er bereits in dem Fall "freigesprochen" sei. Die Äußerungen griffen auch republikanische Ausschussteilnehmer auf. Muss Lutnick aussagen? Für die Demokraten könnte eine Befragung Trumps allerdings ab November dennoch möglich werden: Voraussetzung ist allerdings, dass die Partei bei den Zwischenwahlen im Kongress wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnt. Anders gestaltet sich der Fall offenbar bei Trumps Handelsminister Howard Lutnick. Von Abgeordneten beider Parteien war am Freitag zu hören, dass man sich eine Befragung des Ministers vorstellen könne. "Ich glaube, wir werden die nötigen Stimmen beisammen haben, um ihn vorzuladen", sagte der demokratische Abgeordnete Ro Khanna am Morgen. Trump hatte dagegen seinen Minister in Schutz genommen und nannte ihn einen "sehr unschuldigen Kerl". Zunächst hat der Ausschuss allerdings andere Personen vorgeladen: Laut James Comer müssen als Nächstes Jeffrey Epsteins Anwalt und sein Buchhalter die Fragen der Abgeordneten beantworten. Auch mit der Befragung der Clintons ist der Fall Epstein alles andere als abgeschlossen – weder für die Republikaner, noch die Demokraten.




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