Literatur | Mit 55 Jahren schafft Judith Hermann es, endlich über ihren SS-Großvater zu schreiben
Es gibt keine Zufälle, sagt der Psychoanalytiker. Und dieser Blick auf die Welt ist vielleicht etwas selbstzentriert, denn so komme ich zum Beispiel auf die Idee, dass es kein Zufall sein kann, dass mich Judith Hermanns neues Buch fast an der Gurgel packt. Es handelt nämlich von ihrem Großvater, der im Zweiten Weltkrieg bei der SS war und in Polen ein Ghetto „auflöste“ (schönes Wort).
Auch mein Großvater war als Soldat im Zweiten Weltkrieg an schwer beschreibbaren Verbrechen beteiligt. Dann muss diese Ähnlichkeit in der Biografie doch der Grund sein, warum mich Hermanns Texte so bewegen, warum sie mich schon immer mit einem kurzen Satz zu Tränen rühren kann, wie es sonst nur der Therapeut mit einer Nachfrage tut. Oder?
In Ich möch
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