Dumping-Klage: Warum Tchibo Aldi billigen Kaffee verbieten will
Ist der Aldi-Kaffee billiger, als das Gesetz erlaubt? Das findet Kaffeeröster Tchibo. Nun fällt das Urteil in der Kaffee-Klage.
Tchibo-Trinker müssen ab kommender Woche mehr bezahlen. Für den 16. Februar hat der Hamburger Kaffeeriese eine Preiserhöhung von bis zu einem Euro je Pfund Bohnen angekündigt. "In einem weiterhin angespannten Markt sind die Verkaufspreise für Kaffee im vergangenen Jahr deutlich angestiegen", erklärt Tchibo. "Wir haben lange gezögert, aber nun müssen auch wir reagieren."
Die Preiserhöhung beim Marktführer bestätigt einen Trend der letzten Jahre. Vor allem wegen höherer Rohstoffpreise ist Kaffee im Geschäft deutlich teurer geworden. Für Bohnenkaffee mussten Verbraucher zuletzt rund 50 Prozent mehr bezahlen als noch 2020, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.
Allerdings: Trotz aller Preissteigerungen locken Discounter Kaffeetrinker immer wieder mit erstaunlichen Niedrigpreisen. Bei Aldi Süd stellt sich aktuell die Frage: War der Kaffeepreis womöglich sogar illegal günstig? Dieser Ansicht ist Tchibo und hat Unterlassungsklage gegen den Discounter eingereicht. Am Dienstag wird das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf in dem Fall erwartet (Aktenzeichen VI-6 U 1/25).
Konkret wirft Tchibo dem Discounter vor, den Kaffee der Aldi-Eigenmarke Barissimo seit Ende 2023 regelmäßig für weniger Geld verkauft zu haben, als er in der Herstellung gekostet habe. Diese Art Preisdumping verstoße gegen das Gesetz, was dem Wettbewerb schade und somit letztlich den Verbrauchern, argumentiert Tchibo. Und fordert Aldi somit auf, den Kaffee zum angemessenen Preis zu verkaufen.
Tchibo droht, die Klage zu verlieren
Nach der mündlichen Verhandlung Anfang Dezember zeigte sich Tchibo allerdings wenig zuversichtlich. Das Gericht habe erkennen lassen, dass es in seinem noch ausstehenden Urteil die Entscheidung der Vorinstanz wohl bestätigen werde. "Wir bedauern, dass das Oberlandesgericht zu dieser Auffassung neigt", erklärte ein Tchibo-Sprecher.
Das Landgericht Düsseldorf hatte die Klage in erster Instanz als unbegründet abgewiesen, weil es weder das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen noch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verletzt sah (Az. 14 d O 14/24).
Die Preisgestaltung von Aldi sei kaufmännisch vertretbar, schrieben die Richter damals in der Begründung. Der Discounter verfolge den "dauerhaften, nachvollziehbaren Zweck der Förderung des eigenen Absatzes im Rahmen einer Mischkalkulation". Mit anderen Worten: Aldi kann es sich erlauben, den Kaffee mit Verlust zu verkaufen, wenn damit Kunden gelockt werden, die noch andere Sachen einkaufen.
Es sei zudem nicht ersichtlich, dass Aldi mit seiner Strategie kleine und mittlere Wettbewerber vom Markt dränge, um anschließend die Preise wieder anheben zu können. Den Preiswettbewerb beim Kaffee sah das Gericht nicht geschädigt, denn der finde weiter mit den anderen großen Lebensmittelhändlern statt. "Auf mich wirkte das Urteil des Landgerichts klar und sauber am Gesetz entlang begründet", sagt Rupprecht Podszun, Professor für Kartellrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Niedrige Preise seien schließlich "genau das, was Wettbewerb erreichen soll".
Haben Aldi und Co. zu viel Marktmacht?
Allerdings sieht der Kartellrechtsexperte die Frage als Beispiel für einen größeren Trend: die Verschiebung der Machtverhältnisse von den Herstellern zu den großen Handelsketten. "Die großen Lebensmittelhändler, die den Markt beherrschen, dringen immer tiefer in die Herstellung ein", sagt Podszun. Ketten wie Aldi seien längst keine reinen Verkäufer mehr, sondern übernähmen mit Eigenmarken und eigenen Produktionsstätten zunehmend größere Teile der Wertschöpfung.
Tatsächlich hat Aldi den umstrittenen Kaffee nicht eingekauft, sondern von der Tochterfirma New Coffee selbst produzieren lassen. Auch Lidl oder Kaufland haben eigene Werke, in denen sie Eigenmarken herstellen lassen.
Dass diese Entwicklung kein Problem für die Verbraucher ist, daran gibt es erhebliche Zweifel. Denn wenn die Marktmacht der Discounter und Supermärkte zu groß wird, können diese auch die Preise diktieren. Auffällig ist, dass die Lebensmittelpreise in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland deutlich stärker gestiegen sind als in anderen EU-Ländern.
Entgegen dem Image als Discount-Land liegen die Lebensmittelpreise hierzulande mittlerweile im europäischen Mittelfeld, wie Thomas Duso, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Vorsitzender der Monopolkommission, in einem Gastbeitrag für "Capital" betont. Die Monopolkommission forderte daher kürzlich in einem Sondergutachten, dass die Aufsicht gegen Machtmissbrauch im Lebensmittelhandel verstärkt werden müsse.
Der Artikel erschien erstmals am 2. Dezember 2025 und wurde aktualisiert