Als Elon Musk verkündete, Tesla solle jetzt Roboter bauen, hatte er die weltweite Aufmerksamkeit einmal mehr auf seiner Seite. Doch seine Überlegungen reichen viel weiter. Bis in den Weltraum. Was will der Unternehmer wirklich? Schaut man sich den Aktienkurs von Tesla der vergangenen zehn Jahre an, dann ist er der Beweis dafür, dass Visionen Realität werden können: Die Aktie ist trotz aller Kapriolen rund 3.645 Prozent gestiegen. Und das, obwohl das Autogeschäft schwächelt. Es gibt massenweise Konkurrenz. Und jetzt will Tesla-Chef Musk auch noch Roboter bauen und Rechenzentren im All. Was davon klingt realistisch? Elon Musk ist ein Visionär, das muss man ihm lassen. Dass er einen Autohersteller zum Robotik-Unternehmen umbaut, das können viele womöglich noch nachvollziehen. Dass er ins All expandiert, um dort Rechenzentren zu bauen, scheint vielen schon weniger realistisch. Aber denken wir mal darüber nach. Mit Tesla war es noch vergleichsweise einfach ... Als Musk mit Tesla anfing, war das ein weitgehend unbestelltes Feld: Es gab im Bereich der E-Mobilität kaum ernsthafte Konkurrenz. Doch das ist inzwischen völlig anders: E-Auto-Hersteller gibt es in Massen. Die günstigsten in China . Und allein dort schon sehr viele. Wir stecken mitten in einem Preiskampf, den nach Einschätzung von Automobil-Experten nur wenige Anbieter überleben können. Auf dem Markt für Roboter sieht es hingegen völlig anders aus: Unternehmen, die humanoide Roboter bauen, gibt es zwar auch und gerade in China viele. Selbst auf dem für Musk heimischen Markt, den USA , gibt es Hersteller-Konkurrenz. So will zum Beispiel Apptronik zusammen mit Mercedes-Benz Roboter bauen. Die Vernetzung ist die Vision Ein Unternehmen, das humanoide Roboter baut und Autos, die robotergleich ebenfalls autonom sind – das ist durchaus machbar, denn Elon Musk hat das Kapital und die Vision dazu. Doch der wirklich entscheidende Punkt ist, was Musk tatsächlich vorschwebt: nämlich die Vernetzung all seiner Visionen. Tesla, SpaceX und xAI – ein Autohersteller, ein Raumfahrtunternehmen, ein KI-Start-up. Drei Unternehmen – eine Gemeinsamkeit: Sie nutzen die Möglichkeiten von KI . Und haben die gleichen Hürden zu nehmen: den Energieverbrauch und die Kosten. Die Umsetzung hat begonnen Davon ließ sich Elon Musk bis dato ja nicht abhalten. Die Umsetzung der Vision scheint begonnen zu haben. Künstliche Intelligenzen, die als Roboter arbeiten und nicht mehr nur Fragen am Bildschirm beantworten, sind eine realistische Entwicklung. Autos, die autonom fahren, sind schon Realität. Satelliten-Internetverbindungen überallhin in die Welt sind es auch. Damit zeigt sich: KI wird greifbar, alltagstauglich, zieht in die reale Welt von heute ein. Der Energiebedarf dafür ist allerdings exorbitant. Und teuer. Für praktikable Anwendungen von KI ist unfassbar viel Energie nötig. Die zu erzeugen, ist hier auf der Erde teuer und oft noch umweltschädlich. Woanders aber nicht. Und deswegen ist die Idee schon genial: Musk will KI-Rechenzentren im All bauen, um den Strombedarf zu decken. Dafür hat Musk sein Weltraumunternehmen SpaceX und seinen KI-Entwickler xAI zusammengelegt. Demnächst soll SpaceX an die Börse gehen. Und danach – in zwei bis drei Jahren – soll das Unternehmen im All aufschlagen und dort Rechenzentren bauen. Der Weltraum bietet unbegrenzt kostengünstige Solarenergie. Andere haben auch Ideen Dort zu investieren, ist folglich eine Idee, die Musk nicht exklusiv hat. China arbeitet an KI-Technik fürs All, Google will dort auch Rechenzentren bauen. Und alle sind ausgestattet mit Geld, Know-how, Visionen und dem Willen, es zu schaffen. Am besten als Erster. Ein neuer Wettlauf ins All hat begonnen. Nur in eine neue Richtung. Elon Musk hat aber einen wichtigen Vorteil bei diesem Rennen: Er besitzt das wertvollste Weltraumunternehmen, die Nummer eins auf dem Markt sowie ein ganzes System drumherum – das jetzt verzahnt wird. Denn das gibt Spielraum, zum Beispiel um überhaupt mit viel Equipment und Aufwand ins All zu kommen. Mit seiner Großrakete Starship könnte er tatsächlich diese unfassbar großen Lasten transportieren. Das Raumschiff ist zwar erst in der Testphase – der nächste Testflug ist im März – doch wenn es eines Tages verlässlich funktioniert, dann können die Transportkosten ins All erheblich sinken. Ein Vorsprung vor vielen anderen, die auch ins All aufbrechen wollen. Ein eigenes Ökosystem entsteht Denken wir weiter. Musks Starship ist das Transportmittel der Zukunft. Der Satellitendienst Starlink liefert die Datenverbindungen überallhin, und Tesla liefert die Batteriesysteme. Im All, auf dem Mond, wo auch immer, können Teslas Roboter auch unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Kurz: Musk schafft ein eigenes Ökosystem aus einer – seiner – Hand. Ein eigenes System ohne Zugang durch andere, letztlich ohne Konkurrenten. Bis es so weit ist, kosten diese Entwicklungen unfassbar viel Geld. Heute weiß noch keiner, wie viel. Auch das verbindet die drei Musk-Unternehmen: der Kapitalbedarf. Deshalb soll SpaceX möglichst schnell an die Börse. Das ist der nächste Schritt. Kapital ist kein Hinderungsgrund. Wie viel Macht in einer Hand? Die Fragen auf diesem Weg sind zahlreich – nicht nur zur praktischen Umsetzung, sondern vor allem auch: Wenn ein einziges Unternehmen dann Daten und Kommunikation, Logistik und Infrastruktur allein in der Hand hat, wie viel wirtschaftliche, aber auch politische Macht vereint es dann auf sich? Und wer hält dagegen, kann eingreifen, regulieren, mitbestimmen? Andererseits funktioniert Wirtschaft so: Eine Idee, eine Vision wird groß, wird eine Macht, die – wenn sie aufgeht – irgendwann monetarisiert wird. Dann sind auch angebliche Börsenwerte von einer Billion US-Dollar für SpaceX vielleicht gar keine Spinnerei, kein Wahnsinn, keine Übertreibung, sondern womöglich irgendwann real. Man braucht viel Fantasie, ja. Aber derjenige, der diese Fantasie hat, hat auch das Know-how, das Kapital und die passenden Unternehmen dafür: Elon Musk. Man weiß nur nicht, ob man ihm Erfolg wünschen soll oder lieber nicht.