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Studie zu Rentenlücke im Ruhestand: So viel fehlt Rentnern monatlich

Ruheständler müssen oft ihre Ersparnisse anzapfen. Neue Studienergebnisse zeigen, wie groß die Lücke zwischen Ausgaben und Einkünften ist. Viele Menschen verlassen sich im Alter vor allem auf die gesetzliche Rente . Doch diese reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu finanzieren. Das zeigt der neue "Vorsorgekompass 2026", eine Studie des Centers für Intergenerative Finanzwissenschaft an der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment. Die Untersuchung analysiert, wie Haushalte in Deutschland ihre Ausgaben im Ruhestand tatsächlich decken und welche Rolle private Vorsorge, Vermögen und Wohneigentum dabei spielen. Die Studie umfasst alle gesetzlichen Versorgungssysteme – neben der gesetzlichen Rente also etwa auch Pensionen und Renten aus Versorgungswerken. Bundesbank: Weniger vermögende Haushalte sparen sich noch ärmer So viel Geld fehlt im Ruhestand pro Monat Im Durchschnitt geben deutsche Ruheständler demnach 3.148 Euro pro Monat aus. Ihre laufenden Einnahmen liegen dagegen bei 2.988 Euro. Studienleiter Professor Christian Hagist warnt: "Die Lücke von rund 160 Euro wird aktuell durch Vermögensentnahmen ausgeglichen – eine Strategie, die angesichts sinkender Rentenleistungen und steigender Kosten künftig nicht mehr für alle tragfähig sein wird." Die Differenz zwischen Einkommen und Ausgaben variiert zudem mit zunehmendem Alter und je nach Lebensstil deutlich. So geben die 60- bis 69-Jährigen im Schnitt 2.900 Euro monatlich aus, während ihre laufenden Einnahmen nur etwa 2.600 Euro betragen. Ihre Versorgungslücke ist mit knapp 300 Euro am größten. Bei den 70- bis 79-Jährigen steigen die Ausgaben auf durchschnittlich rund 3.300 Euro im Monat, die Einnahmen aber auch: Sie liegen bei etwa 3.200 Euro, sodass die Lücke auf 100 Euro schrumpft. Etwas mehr als die Hälfte dieser Haushalte verfügt über Wohneigentum, was neben der gesetzlichen Rente wesentlich zum Einkommen beiträgt. Das gilt auch für die Gruppe ab 80 Jahren, deren Ausgaben rund 3.200 Euro im Monat betragen. Die Einnahmen belaufen sich auf etwa 3.100 Euro. Nur 60 Prozent der Ausgaben gedeckt Schaut man sich allein die Bezüge aus den gesetzlichen Versorgungssystemen an, wird schnell deutlich, wofür diese gedacht sind: als Basisversorgung, aber nicht als auskömmliches einziges Einkommen im Ruhestand. Das gilt besonders für die gesetzliche Rente, da die ebenfalls in der Untersuchung enthaltenen Beamtenpensionen den Schnitt nach oben ziehen . So decken die gesetzlichen Versorgungssysteme aktuell nur rund 60 Prozent der monatlichen Ausgaben. "Für viele bedeutet das, dass sie auf private Vorsorge, betriebliche Altersversorgung oder Vermögensentnahmen angewiesen sind, um den gewohnten Lebensstandard zu halten", sagt Hagist. Das gelte umso mehr, weil der Lebensabend im Schnitt immer länger dauert. "Unter Adenauer waren die Menschen etwa zehn Jahre im Ruhestand. Heute hat sich das mehr als verdoppelt. Wer diese Zeit nach seinen Vorstellungen gestalten möchte, muss vorsorgen." Bauen Haushalte hingegen gar keine ergänzende Vorsorge auf, wird die finanzielle Lage schnell dramatisch: Statt einer durchschnittlichen Lücke von 160 Euro im Monat würde ein Loch von mehr als 1.000 Euro klaffen. Lebensstil entscheidet über Finanzbedarf Die Forschenden haben auch analysiert, wofür die Menschen im Alter ihr Geld ausgeben. Ein besonders großer Posten im Ruhestand sind die Wohnkosten. Fast 50 Prozent der monatlichen Ausgaben entfallen laut Studie darauf. Daneben spielen vor allem Lebensmittel, Mobilität und Alltagskosten eine große Rolle. Wie stark welche Posten die finanzielle Lage beeinflussen, ist dabei abhängig vom Lebensstil. Aktive und reisefreudige Senioren geben naturgemäß mehr aus als Menschen, die ihren Alltag eher zu Hause verbringen. Der Unterschied in den Ausgaben kann sich dabei schnell auf bis zu 1.500 Euro im Monat belaufen. "Oft stellen wir Rentner als einen homogenen Block dar – als ob es nur Omas und Opas gäbe, die alle das Gleiche machen. Das ist aber nicht so", sagt Hagist. "Menschen haben unterschiedliche Lebensentwürfe für den Ruhestand. Wenn jemand sagt: 'Ich stelle mir meinen Lebensabend aktiv vor und möchte andere Länder sehen', dann braucht er zusätzliche Mittel. Und wenn jemand sagt: 'Mir reicht der Harz', dann ist der finanzielle Bedarf ein anderer." Gesetzliche Rente nur "Teilkasko-Lösung" Ein positives Ergebnis der Studie: Die Zahlen zeigen, dass durchaus weiteres Vermögen vorhanden ist, um die Lücken zu schließen. "Die gesetzliche Rentenversicherung hat weiterhin einen großen Stellenwert im Altersvorsorgemix. Aber viele Bürger haben schon heute erkannt: Sie ist nur eine Teilkasko-Lösung – so, wie es ökonomisch immer gedacht war", betont der Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik. Um diese Einstellung zu stärken, wünscht sich Hagist mehr Ehrlichkeit vonseiten der Politik. Sie müsse der Bevölkerung reinen Wein einschenken und stärker zur Eigenverantwortung aufrufen, statt Leistungsausweitungen zu versprechen, die langfristig nicht finanzierbar seien. Das jüngste Rentenpaket der schwarz-roten Koalition sieht er entsprechend kritisch. Vor allem die sogenannte Haltelinie beim Rentenniveau sei ein großes Problem. Zwar habe die Regierung den Druck auf den Beitragssatz genommen, indem sie das stabile Rentenniveau über Steuerzuschüsse finanziert, aber vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft sei damit nichts gewonnen. "Da, wo der künftige Beitragszahler nicht geboren wurde, ist auch der künftige Steuerzahler nicht geboren", sagt Hagist. "Rentner werden verzichten müssen" Berechnungen seines Teams zufolge wird der Bundeszuschuss an die Rentenversicherung absehbar von 25 auf mehr als 30 Prozent steigen. In einer Zeit, in der Deutschland Steuereinnahmen für Verteidigung, Infrastruktur und Bildung verwenden müsse, sei das hochproblematisch. "Der Generationenvertrag muss immer wieder neu unterschrieben werden. Wenn das Verhältnis nicht ausgewogen ist, riskieren wir, dass die jüngere Generation ihn, etwa durch Auswanderung, faktisch kündigt", warnt Hagist. "Das bedeutet auch: Rentnergenerationen werden auf Rentensteigerungen verzichten müssen." Sein Appell lautet daher: Wer zusätzlich vorsorgen kann, sollte das auch tun – selbst, wenn er sich dafür vielleicht schon zu alt vorkommt . "Natürlich gilt, je früher man anfängt, desto besser. Aber auch mit 55 Jahren bietet sich zum Beispiel noch ein Wertpapier- oder Banksparplan an", sagt der Rentenexperte. Welchen Vorsorgeweg man genau gehe, sei eine individuelle Entscheidung, "ein Patentrezept gibt es nicht." Grundsätzlich wünscht sich Hagist aber, dass die Bürger beim Investieren "etwas aus dem Deutschsein herauskommen", wie er es nennt. Weg vom Sparbuch-Mindset, hin zu einer risikofreudigeren Anlagestrategie mit Aktienfonds oder günstigen ETFs . Gerade die jüngere Generation scheint bereits auf diesem Weg zu sein. So meldete das Deutsche Aktieninstitut kürzlich eine Rekordzahl an Aktionären in Deutschland . Der Boom sei insbesondere von Menschen unter 40 Jahren getrieben, die mit ETF-Sparplänen fürs Alter vorsorgen.



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