Quallen im Beton: Russland plant kommerzielle Verwertung
Erstmals wurde 2021 über die Notwendigkeit gesprochen, Quallen im Asowschen und Schwarzen Meer gezielt zu fangen – damals war der Fischfang wegen des massenhaften Auftretens dieser Organismen um 28,6 Prozent zurückgegangen. Die explosionsartige Vermehrung der gallertartigen Tiere ist auf den stark gestiegenen Salzgehalt und die erhöhte Wassertemperatur zurückzuführen. In den letzten fünf Jahren hat sich die Lage weiter verschärft: Während der Salzgehalt des Asowschen Meeres 2006 noch bei 9,3 Promille lag, übersteigt er heute 15 Promille.
Wegen der riesigen Mengen an Quallen meiden Touristen die Region, und die Fischerei steht vor gravierenden Problemen. Die Quallen ernähren sich von Fischeiern und -larven, was die Bestände weiterer Arten dezimiert. Dies wirkt sich negativ auf die Fangmengen aus und erhöht zudem den Treibstoffverbrauch, da die Fischer länger auf See bleiben müssen.
Nicht nur Russland leidet unter dem Quallen-Überfluss: In vielen Ländern, wo Quallen früher kaum vorkamen, wurden inzwischen massive Ansammlungen gemeldet.
Derzeit laufen am Asowschen Meer Maßnahmen zur Eindämmung der Quallenpopulation. Dabei greifen die Experten auf Erfahrungen ihrer Kollegen aus dem russischen Fernen Osten zurück und setzen Schutznetze ein. Doch bereits in vier Jahren soll eine ganze Industrie zur Verwertung der Quallen entstehen: Geplant ist ihre Nutzung in der Lebensmittelindustrie – etwa für Nahrungsergänzungsmittel, Snacks und Bonbons –, in der Medizin und Kosmetik zur Gewinnung von Kollagen und zur Behandlung von Schädel-Hirn-Traumata sowie im Bauwesen als Zusatzstoff für Beton.
Xenija Melnikowa
Запись Quallen im Beton: Russland plant kommerzielle Verwertung впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.