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Grönland-Krise: Wie die Finanzmärkte Trump zum Rückzug zwangen

Eine Offenbarung in Davos, ein Börsenbeben in New York und ein ungewohnt geschlossenes Europa: Trumps Grönland-Eskalation zeigt erstmals, wo die wahren Grenzen seiner Macht liegen. Bastian Brauns berichtet aus Washington Als Donald Trump am Mittwoch in Davos vor der globalen Elite stand, wäre ein Satz beinahe untergegangen. Der US-Präsident klagte: "Unser Aktienmarkt hat gestern wegen Island einen ersten Einbruch erlebt. Island hat uns also schon sehr viel Geld gekostet." Diese Verluste aber seien "Peanuts" im Vergleich dazu, was wegen eines vermeintlichen Deals nun an Gewinnen winken würde. Natürlich verwechselte Trump in diesem Moment Island mit Grönland . Aber es ging ihm da auch nicht mehr um Geografie. Es ging um die Reaktion der Märkte infolge der wohl schwersten diplomatischen Krise zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten in der jüngeren Geschichte. Noch ist diese Krise nicht ausgestanden, aber der amerikanische Präsident sah sich offensichtlich gezwungen, vorerst abzurüsten. Aber welche Lehren lassen sich aus dieser rund zwei Wochen langen, politisch und wirtschaftlich kostspieligen Dauererregung ziehen Trumps bewährtes Eskalationsmuster Trumps Grönland-Vorstoß folgte einem bekannten Muster. Er eskalierte rhetorisch, drohte europäischen Verbündeten mit Strafzöllen und verknüpfte offen die Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten mit territorialen Zugeständnissen. Mit diesem Schritt wollte der Präsident Stärke demonstrieren. Doch stattdessen löste Trump etwas aus, das er offenkundig unterschätzt hatte. Dänemark verweigerte jede Verhandlung über seine Souveränität. Deutschland und sieben weitere Staaten entsandten, auf Einladung von Dänemark, kleine Truppen-Kontingente nach Grönland, was den US-Präsidenten offenbar erst recht provozierte. Er drohte daraufhin den acht europäischen Staaten neue Zölle an. Spätestens in diesem Moment war klar: Der Zeitpunkt war gekommen, an dem der Trump-Regierung die Konsequenzen für ihre Aggression aufgezeigt werden mussten. Diplomaten in Washington , Berlin und Brüssel erklärten einheitlich: Es reicht. Die europäische Antwort war geeint und entschlossen genug, um empfindliche wirtschaftliche Konsequenzen zu erzeugen. Rhetorisch aber blieb man maßvoll, um Trump einen gesichtswahrenden Ausweg zu eröffnen. Die Europäische Union reagierte nicht panisch, sondern bereitete offen umfangreiche Gegenmaßnahmen im Handelsbereich vor. Gleichzeitig rückten die Nato-Staaten diplomatisch enger zusammen und wiesen Trumps Argumentation geschlossen zurück. Diese Einigkeit scheint entscheidend gewesen zu sein. Denn Trumps politische Methode, gerade in Bezug auf Europa, beruht darauf, seine Gegenüber zu spalten. Doch das gelang ihm nicht. Der Wendepunkt an den Finanzmärkten Die Folgen dieser Dynamik zeigten sich umgehend an den Finanzmärkten. US-Aktien erlebten einen der heftigsten "Sell-America"-Tage seit Monaten. Investoren begannen, ein ganz reales Risiko einzupreisen: nicht nur Strafzölle, sondern einen möglichen Bruch des transatlantischen Bündnisses selbst. Anleihen gerieten unter Druck, der Dollar schwächte sich ab und selbst traditionell geduldige ausländische Käufer von US-Staatsanleihen begannen, ihre Engagements zu überdenken. So kündigte etwa der dänische Rentenfonds an, seine US-Staatsanleihen zu verkaufen. Der Schritt stehe allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit den anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Europa, sondern vielmehr mit der hohen Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten. Diese hätten die Entscheidung aber natürlich nicht erschwert, sagte Investment-Direktor Anders Schelde. Dennoch war dies offenbar die Sprache, die Trump am besten versteht und die er nicht einfach ignorieren kann. Die Märkte erreichten damit, was diplomatische Appelle allein nicht vermocht hatten. An der US-Börse zeigte sich: Für seine außenpolitische Eskalation zahlte Trump umgehend einen innenpolitischen Preis. Politischer Druck aus Washington selbst Dieser Druck wurde durch Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Staaten zusätzlich verstärkt. Republikanische Senatoren warnten offen davor, dass Drohungen gegen Nato-Partner wegen Grönland zentrale Sicherheitsinteressen der USA gefährdeten. Laut US-Medienberichten drohten die eigenen Leute dem Präsidenten sogar mit einem möglichen Amtsenthebungsverfahren, sollte er mit etwaigen militärischen Schritten gegen Grönland das jahrzehntealte Verteidigungsbündnis zerstören. Umfragen zeigten zudem, dass rund 70 Prozent der Amerikaner dagegen sind, staatliche Mittel für den Erwerb Grönlands einzusetzen. Sogar 86 Prozent lehnen den Einsatz militärischer Gewalt ab. Diese Werte dürften sich im Falle eines Handelskriegs mit Europa, dessen Kosten überwiegend amerikanische Verbraucher tragen müssten, weiter verschlechtern. Trumps Zustimmungswerte sind in den vergangenen Tagen immer weiter abgerutscht, gerade beim Thema Wirtschaftskompetenz. Selbst innerhalb der Regierung soll die Sorge gewachsen sein, Trumps Fixierung auf Grönland untergrabe andere außenpolitische Ziele und isoliere die USA zunehmend. Die beschwichtigenden Äußerungen von Trumps Finanzminister Scott Bessent, der schon einen Tag vorher in Davos angekommen war, ließen das erkennen. "Tief durchatmen. Ergreifen Sie keine Vergeltungsmaßnahmen", bat er die Europäer bei einem öffentlichen Gesprächsformat. Die juristische Sollbruchstelle Hinzu kommt eine noch immer ausstehende Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichts in Bezug auf Trumps Zollpolitik. Es ist möglich, dass die Richter am Supreme Court der Argumentation der Regierung nicht folgen werden. Trump behauptet, er dürfe wegen einer nationalen Bedrohungslage am Kongress vorbei Zölle erheben, wie er es für richtig halte. Sollte der Präsident diesen Fall verlieren, würde der Hauptpfeiler seiner ungewöhnlichen Wirtschaftspolitik einfach in sich zusammenbrechen. Mit einer Entscheidung dazu wird Ende Februar gerechnet. Die zentrale Lehre aus diesem Chaos ist eindeutig. Trump hat seine Grönland-Ambitionen zwar nicht aufgegeben. Aber er muss sie nun vorerst zurückstellen. Nicht, weil er sie politisch oder strategisch neu bewertet hätte. Er ist zurückgewichen, weil eine geschlossene europäische Antwort wirtschaftliche Konsequenzen auslöste, die seinen Handlungsspielraum einengten. Gewonnen hat Trump zwar nichts. Aber zugleich ließ man ihm die Bühne, in Davos eine prahlerische Rede voller neuer Attacken und Drohungen gegen die Europäer zu halten . Es ist ein Angebot, das Trump zu nutzen weiß. Für seine eigene Anhängerschaft verkaufte er eine angebliche Einigung schließlich als seinen Erfolg. Fragen zu Details des noch gar nicht verhandelten Grönland-Deals ignoriert er seitdem beharrlich. Es zeigt sich: Europa war in dieser Situation nicht hilflos. Indem man standhaft blieb, die Politik koordinierte und den Märkten erlaubte, eine disziplinierende Wirkung zu entfalten, trug man entscheidend dazu bei, die Eskalationsspirale vorerst zu beenden. Strategische Geschlossenheit, kombiniert mit wirtschaftlicher Hebelwirkung, kann gerade einen vielfach transaktional handelnden US-Präsidenten offenbar zum Einlenken zwingen.


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