Korruptionsprozess: Drogeninfo gegen Geld? - Wende im Prozess gegen Staatsanwalt
Ein Staatsanwalt steht vor Gericht, weil er für Ermittlungsinterna Geld von Kokain-Händlern kassiert haben soll. In einem der aufsehenerregendsten Prozesse des Landes kommt plötzlich Bewegung.
Im Prozess gegen einen inhaftierten Staatsanwalt, der Kokain-Händlern Informationen verkauft haben soll, gibt es eine überraschende Entwicklung. "Die Kammer wird in der kommenden Woche einen Verständigungsvorschlag machen", sagte Landgerichtssprecher Eike Kassebaum auf Anfrage. Zuvor hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" über die unerwartete Wendung berichtet.
Verständigungsvorschlag am Dienstag möglich
Für den Vorschlag sei derzeit der kommende Dienstag anvisiert, sagte Kassebaum weiter. Bisher hatten sich die Prozessbeteiligten auf eine lange Verfahrensdauer mit Terminen bis Ende Mai 2026 eingestellt. Aber: "Es haben Erörterungsgespräche zwischen Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigern stattgefunden, und diese Gespräche sind abgeschlossen", sagte der Gerichtssprecher.
Der in Untersuchungshaft sitzende Jurist soll zwischen Juni 2020 und März 2021 gegen Geld Interna aus Ermittlungsverfahren preisgegeben und eine internationale Drogenbande vor einer Razzia gewarnt haben. Sie hing mit dem Fund von 16 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen zusammen.
Prozess um 14 Fälle von besonders schwerer Bestechlichkeit
Schon 2022 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den angeklagten Staatsanwalt eingeleitet, seine Wohnung und seine Diensträume wurden durchsucht. Dieses Verfahren wurde im Oktober 2023 eingestellt, weil sich der Verdacht zunächst nicht erhärtete.
Konkret werden dem Mann im aktuellen Prozess 14 Fälle von besonders schwerer Bestechlichkeit zur Last gelegt. Zudem ist er wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und Strafvereitelung im Amt angeklagt. Der Jurist bestritt die Vorwürfe zuletzt.