Krise in Nahost: Mainzerin und Familie aus NRW unter den Opfern des Flugzeugabsturzes im Iran
Die militärische Konfrontation zwischen dem Iran und den USA könnte verheerende Folgen für Flugpassagiere gehabt haben. Immer mehr deutet darauf hin, dass ein Flugzeug der Ukraine International Airlines mit 176 Insassen nach dem Start in Teheran von einer Rakete getroffen wurde, dabei sind wohl auch drei Menschen aus Deutschland ums Leben gekommen. Experten von Boeing sollen die Absturzursache mit untersuchen. Indes gehen die diplomatischen Bemühungen um eine Entschärfung der Krise im Nahen Osten weiter.
Die aktuellen Entwicklungen zum Flugzeugabsturz im Iran und zur Krise in Nahost im stern-Ticker:
Bundesregierung fordert lückenlose Aufklärung von Absturz im Iran
Die Bundesregierung hat den Iran zu einer lückenlosen Aufklärung des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran aufgefordert. "Eigene Erkenntnisse über die mögliche Absturzursache haben wir nicht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.
Iran: Untersuchung der Absturzursache hat begonnen
Die Ermittlung der Ursache des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran hat begonnen. Iranische und ukrainische Experten hätten ihre Arbeit in einem Labor am Flughafen Mehrabad in der Hauptstadt Teheran aufgenommen, gab der Leiter der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, im iranischen Fernsehen bekannt. Ihr Ziel sei die Auswertung der beiden schwer beschädigten Flugschreiber. Laut Abedsadeh hat der Iran die technischen Möglichkeiten, die Informationen aus den Flugschreibern auszuwerten. Doch sei mit der ukrainischen Seite vereinbart worden, bei Bedarf weitere Software und Geräte aus dem Ausland zu besorgen. Auch sollte die Option nicht ausgeschlossen werden, die Flugschreiber im Ausland auszuwerten. Regierungssprecher Ali Rabiei erklärte am Freitag, dass der Iran die Unterstützung aller relevanten Länder bei der Aufklärung des Absturzes begrüßen würde.
Außenminister Maas: Einladung Irans an USA "wichtiges Signal"
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs über dem Iran größtmögliche Transparenz bei der Aufklärung gefordert. Den iranischen Verantwortlichen sei mitgeteilt worden, dass Kanada und die Ukraine bei der Aufklärung beteiligt werden sollten, sagte Maas im Interview des Fernsehsenders RTL/ntv in Berlin. Es sollte nichts unter den Tisch gekehrt werden, erklärte er weiter. Maas lobte zudem die Einladung des Irans an die Amerikaner zu Gesprächen als "wichtiges Signal" und ebenso die Reaktion des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf den Absturz: Der Präsident habe sehr zurückhaltend reagiert und darauf hingewiesen, dass es sich um eine Tragödie im Sinne eines Versehens handele.
Stand: Abschuss-Vermutungen Flugzeug Iran 7.25Absturz im Iran: Mainzer Doktorandin und Familie aus NRW unter Opfern
Beim Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs bei Teheran sind auch eine Doktorandin aus Mainz und eine Asylbewerberin aus Nordrhein-Westfalen mit ihren beiden Kindern umgekommen. Das Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI) in Mainz schrieb am Freitag im Internet, man trauere um eine 29 Jahre alte Kollegin, die "bei einem tragischen Zwischenfall in der Nähe ihrer Heimatstadt Teheran verstorben ist". Das MPI bestätigte, dass es sich dabei um den Absturz handelte. Zuvor hatte die "Allgemeine Zeitung" über das Thema berichtet. Bei den weiteren Opfern, die in Deutschland gelebt hatten, handelt es sich um eine 30 Jahre alte anerkannte Asylbewerberin aus Afghanistan und ihre Tochter (8) sowie ihren Sohn (5). Sie hatten seit mehreren Jahren in Werl bei Soest gelebt, wie der Bürgermeister der Stadt, Michael Grossmann (CDU), der Nachrichtenagentur sagte. Er berief sich auf den in Werl lebenden Bruder der Frau. Zuvor hatte der "Soester Anzeiger" darüber berichtet. Frau und Kinder hatten nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
Lufthansa hält vorerst an Flugstopp in den Iran fest
Die Lufthansa fliegt nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine vorerst nicht in den Iran. "Auch für heute wird der Flug von und nach Teheran vorsorglich gestrichen", sagte eine Sprecherin in Frankfurt. Sobald Detailinformationen vorlägen, werde man entscheiden, wann die Iran-Flüge wieder erfolgen könnten. Am Donnerstag hatte die Lufthansa ein Flugzeug umkehren lassen. Der Flug LH 600 auf dem Weg von Frankfurt nach Teheran sei nach rund einer Stunde Flugzeit rein vorsorglich nach Frankfurt zurückkehrt, erklärte die Sprecherin. Hintergrund sei eine veränderte Einschätzung der Sicherheitslage für den Luftraum rund um den Flughafen in Teheran gewesen.
Lufthansa-Maschine auf dem Weg nach Teheran kehrt wieder um 22.40
Flugzeug im Iran abgeschossen? – Ukraine will Beweise dafür
Nach Hinweisen auf einen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs im Iran verlangt die Ukraine Beweise dafür. "Unser Ziel ist es, die unstrittige Wahrheit herauszufinden", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj.. Das sei auch die internationale Gemeinschaft den Familien der Opfer schuldig. "Der Wert eines Menschenlebens ist höher als jegliche politische Motive." Vor allem an die Regierungen von Kanada, Großbritannien und den USA gerichtet sagte das Staatsoberhaupt weiter: "Wir rufen alle internationalen Partner (...) dazu auf, der Ermittlungskommission Daten und Beweise zu vorzulegen, die die Katastrophe betreffen."
SPD-Politiker werben für Fortsetzung von Irak-Einsatz der Bundeswehr
Mehrere SPD-Politiker haben sich für eine Fortsetzung des Irak-Einsatzes der Bundeswehr ausgesprochen. "Politisch entscheidend ist, dass wir der irakischen Regierung und dem irakischen Volk signalisieren, dass wir uns nicht von unserem Engagement verabschieden wollen", sagte Außen-Staatsminister Niels Annen (SPD) der "Rhein-Neckar-Zeitung". "Der Eindruck, dass wir das Land allein lassen, wäre fatal", warnte er. Letztlich liege die Entscheidung aber bei der irakischen Regierung, stellte Annen klar. Auch der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Hans-Peter Bartels (SPD), wandte sich im "Focus" dagegen, den Einsatz abzubrechen. Das irakische Parlament hatte sich als Reaktion auf die Tötung eines iranischen und eines irakischen Generals durch das US-Militär für einen Abzug aller ausländischen Soldaten aus dem Land ausgesprochen. Die Resolution wird von der Bundesregierung aber als rechtlich nicht bindend eingestuft.
Krisentreffen: EU-Außenminister beraten Lage in Nahost und Libyen
Die EU-Außenminister beraten am Freitagnachmittag bei einem Sondertreffen in Brüssel über die Krisenherde in Nahost und Libyen. Von dem Treffen soll vor allem ein Signal der Geschlossenheit ausgehen. Die Staatengemeinschaft hatte in beiden Konflikten jüngst versucht, ihre diplomatischen Kanäle zu nutzen. Für Deutschland wird Bundesaußenminister Heiko Maas in Brüssel erwartet.
Abschuss von Flugzeug im Iran vermutet – Untersuchungen laufen weiter
Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran verdichten sich die Hinweise auf einen versehentlichen Raketenbeschuss durch den Iran als Ursache. Die Regierungen in Kanada und Großbritannien haben nach eigenen Angaben Informationen, die auf den Abschuss durch eine iranische Rakete hinweisen. Diese Theorie wird US-Medienberichten (u.a. "New York Times") zufolge auch in den USA verfolgt. Offiziell wird die Ursache für den Absturz weiter untersucht.
Trump: Getöteter Top-General hatte US-Botschaften im Visier
US-Präsident Donald Trump hat die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani erneut verteidigt. "Soleimani hat aktiv neue Angriffe geplant und hatte sehr ernsthaft unsere Botschaften im Blick und nicht nur die Botschaft in Bagdad. Aber wir haben ihn gestoppt", sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Toledo im US-Bundesstaat Ohio. "Der sadistische Massenmörder Ghassem Soleimani plante und führte Attacken auf amerikanische Ziele aus und tötete und verwundete Tausende US-Militärangehörige und viele, viele Tausende und sogar Hunderttausende andere Leute." Die gezielte Tötung durch einen US-Drohnenangriff im Irak vor einer Woche hatte die Spannungen zwischen den USA und dem Iran extrem verschärft. Der Iran griff daraufhin am Mittwoch von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak an.
US-Behörde beteiligt sich an iranischer Untersuchung zu Flugzeugabsturz
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB wird sich an der iranischen Untersuchung zu dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs beteiligen. Die Behörde teilte mit, sie habe vom Iran eine Einladung zur Teilnahme an der Untersuchung erhalten und werde dieser Einladung nachkommen.
Iran verlangt von Kanada Übergabe von Informationen zu Flugzeugabsturz
Der Iran hat von Kanada die Übergabe von Geheimdienstformationen verlangt, wonach der Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs nahe Teheran durch den Einschlag einer iranischen Rakete verursacht worden sein könnte. Die kanadische Regierung solle diese Informationen mit einer vom Iran eingesetzten Untersuchungskommission "teilen", erklärte das Außenministerium in Teheran. Es bezeichnete den von verschiedenen Seiten geäußerten Verdacht, Raketenbeschuss könnte den Absturz verursacht haben, als "zweifelhafte Szenarien".Die iranischen Behörden luden nach Angaben des Ministeriums den US-Flugzeughersteller Boeing ein, sich an der iranischen Untersuchung zu beteiligen. Der Iran sei zudem bereit, Behörden aus allen Ländern, aus denen Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen, an der Untersuchung teilnehmen zu lassen.
US-Repräsentantenhaus stimmt gegen militärisches Vorgehen gegen Iran
Das US-Repräsentantenhaus hat für eine Resolution gestimmt, die im Konflikt mit dem Iran die militärischen Vollmachten von US-Präsident Donald Trump beschränken soll. Der mit der Mehrheit der oppositionellen Demokraten beschlossene Text fordert Trump zu einem Ende des militärischen Vorgehens gegen Teheran auf. Die Resolution hat aber keine Gesetzeskraft und ist deswegen in erster Linie symbolisch.