Nächtliche Ruhestörung?: Dielheims Glocken werden weiter läuten
Dielheim. (rö) Der Dielheimer Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Schreiben einer Bürgerin, die das nächtliche Läuten von Kirch- und Rathausturmuhr als extrem ruhestörend moniert hatte. Im Gemeinderat stieß dieses Anliegen allerdings auf weitgehend taube Ohren: Bei nur einer Gegenstimme (Jaric Krumpholz, SPD) wurde beschlossen, am Läuten nichts zu ändern und auch nicht, wie von Bürgermeister Thomas Glasbrenner vorgeschlagen, die Lärmemissionen prüfen zu lassen.
Die Bürgerin erklärte in ihrem Schreiben, die Gemeinde habe im Rahmen des Lärmaktionsplans bereits großen Aufwand zur Lärmminderung betrieben, Analysen und Maßnahmen beschränkten sich jedoch fast ausschließlich auf den Straßenverkehr. Dabei werde "die nächtliche Ruhe heftig durch das häufige Zeitläuten der Kirchen- und Gemeindeglocken durchbrochen". Das Geläut sei "durch den Talkessel Leimbachtal je nach Windrichtung an den Hanglagen Baiertaler Berg, Richtung Haierberg oder Eckertsberg lautstark präsent".
Zwar werde beim Thema Kirchengeläut im katholisch geprägten Dielheim "schnell sehr emotional reagiert", tatsächlich aber, so die Bürgerin, fühlten sich viele Menschen "vom durchdringenden nächtlichen Zeitsignal nicht unerheblich gestört", wollten dies aber nicht offen ansprechen, "um nicht anzuecken". Die Frau forderte eine Nachtabschaltung des Zeitläutens von 22 bis 7 Uhr oder zumindest Lärmschutzmessungen im Ortskern und an den drei hanglagigen Wohngebieten, um klären zu lassen, wie groß die nächtliche Lärmbelastung tatsächlich ausfalle und inwiefern dabei gesetzliche Lärmwerte überschritten würden.
"Wir sehen uns nicht in der Lage, der Kirchengemeinde etwas vorzuschreiben", wollte Bürgermeister Glasbrenner das Schreiben zumindest weiterleiten. Am Rathaus schlug er vor, zunächst alles zu belassen, aber "Messungen vorzunehmen".
Klaus Eberle (CDU) dagegen wollte "nichts ändern". Wenn jemand ein Problem mit dem Geläut habe, könne er gerne ein Gutachten erstellen lassen, "aber nicht auf Kosten der Gemeinde", sagte er. "Das würde umgekehrt laufen", zeigte sich der Bürgermeister skeptisch. "Dann warten wir ab", meinte Eberle. Laut Nico Wagenblaß (CDU) hat der Pfarrgemeinderat das Ansinnen bereits vor einem Jahr ebenfalls abgelehnt.
Harald Seib (CDU) ging davon, dass eine endgültige Entscheidung von der Diözese getroffen werde. Bis dahin "lassen wir es, wie es ist". Markus Knopf (CDU) fragte provokant: "Wie viel Prozent der Bevölkerung haben denn unterschrieben?"
Lediglich Jaric Krumpholz meinte, man könne zumindest überlegen, am Rathaus das viertelstündliche Läuten abzustellen. Dem wollte sich aber keiner seiner Ratskollegen anschließen.