Vorräte gingen aus, Waffen zurück: Das war vor 10 Jahren in der Region Mosbach los
Von Heiko Schattauer
Region Mosbach. Das alte Jahr ist Geschichte, die bewegendsten Geschichten daraus sind rückblickend ebenfalls schon verarbeitet. Dabei haben wir uns ja nicht nur von einem einzelnen Jahr verabschiedet, sondern gleich ein ganzes Jahrzehnt beschlossen. Deckel drauf und gut?
Nein, ganz so einfach wollen wir es uns nicht machen. Vor allem, weil der Blick zurück immer wieder erstaunlich ist: Hatten Sie etwa noch in Erinnerung, dass in Mosbach just zum Start des nun vollständig absolvierten Jahrzehnts das Salz ausgegangen ist? Ja, da war es tatsächlich über Wochen immer wieder so kalt und verschneit, dass Ende Januar 2010 die Taumittelreserven komplett zur Neige gingen – der gute Rutsch ins neue Jahr bekam da schnell eine ganz andere, ungeahnte Bedeutung.
Aber da war noch viel mehr: Wir haben den Staub von den alten Bänden geklopft und statt ganz neuer noch einmal die alten Seiten aufgezogen. Allein im Januar sind wir dabei mehrfach hängen geblieben, denn so Manches aus dieser Zeit überrascht und verblüfft – erst Recht mit zehn Jahren Abstand.
Jenen Abstand musste im Übrigen auch die Stadtverwaltung seinerzeit von einer noch Anfang Januar getroffenen Aussage machen: "Das Salz wird nicht knapp" hatte man da nämlich noch via RNZ verkündet – um zweieinhalb Wochen später zu merken, dass beim Taumittelvorrat aus ausreichend ganz schnell ungenügend werdend kann.
Befriedigend (zumindest final) war etwa zeitgleich hingegen der Ausgang zäher Verhandlung zwischen Mosbach, Heilbronn und Stuttgart in Bezug auf die Weiterentwicklung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach. Wie wenig sich innerhalb eines Jahrzehnts doch manchmal ändert: Ganz ähnliche Verhandlungen bildeten ja auch zum Ausgang der Dekade einen viel diskutierten Themenschwerpunkt an der Bildungseinrichtung. Im Januar vor zehn Jahren durfte man sich in Mosbach unterdessen über grünes Licht für den Neubau freuen, für den man zuvor so ausdauernd und leidensfähig gekämpft hatte. Heute zählt der moderne Baukörper am Lohrtalweg längst fest zum Campusbild, so selbstverständlich wie das Schwungrad am "alten" Hauptgebäude.
Ganz neu war in Mosbach und der Region auch die Weihnachtsaktion der RNZ. Die fand zum Ausgang des ersten 2000er-Jahrzehnts (also zu Weihnachten 2009) erstmals den direkten Weg zu hilfsbedürftigen Menschen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis fand. Im Januar 2010 stand das Ergebnis der ersten NOK-Hilfsaktion (in Kooperation mit Sparkasse, Caritasverband, Diakonie und Landratsamt ins Leben gerufen) fest: Stolze 33.000 Euro konnten dank der Hilfsbereitschaft der RNZ-Leser gesammelt – und später natürlich weitergegeben – werden.
Apropos sammeln: Nach der gesetzlich verordneten Verschärfung des Waffenrechts wurden zum Jahresbeginn 2010 mehr als 570 Waffen bei der zuständigen Behörde (Landratsamt) zurückgegeben. Fast 50 davon zählten gar zur Kategorie "illegal".
Diejenigen, die schon von Berufs wegen mit Waffen zu tun haben, liefen trotzdem Sturm: Die Gewerkschaft der Polizei nämlich beklagte den Stellenabbau bei den Ordnungshütern, der mit den organisatorischen Veränderungen bei der Polizei einherging. Wir erinnern uns: Auch in Mosbach gab es einst eine Polizeidirektion. Heute untersteht das Revier in der Großen Kreisstadt dem Polizeipräsidium Heilbronn. Weitestgehend sicher lebt es sich in der Region aber glücklicherweise auch nach der Polizeireform.
Veränderungen standen seinerzeit auch in Neckargerach und Hüffenhardt an: Nach 32 Jahren mit Bürgermeister Peter Kirchesch und vier unter seinem Nachfolger Ralf Schnörr stellten sich im Januar 2010 am Neckar vier Kandidaten zur Wahl für das Amt an der Gemeindespitze vor. Bei den Wahlen im Februar setzte sich der Jüngste durch, seither lenkt Norman Link die Geschicke Neckargerachs. In Hüffenhardt buhlten gar acht Bewerber um die Wählergunst, im zweiten Wahlgang entschied Walter Neff das Rennen für sich.
Überaus gut im Rennen lag da auch Verena Lichtenberger: Die junge Lohrbacherin wurde zur "Miss Süddeutschland" gewählt und repräsentierte beim Finale von "Miss Germany" im Europark in Rust den Neckar-Odenwald-Kreis von seiner schönsten Seite. Den Kreis selbst hatte da nach wie vor die Kälte fest im Griff, ordentlich Schnee sorgte vielerorts allerdings dafür, dass man sich beim Rodeln, Langlaufen oder Skifahren (ja, sogar das ging damals noch) trotzdem ganz gut amüsierte. Für Wintersport brauchte man ja auch kein Salz ...