Neckar-Odenwald-Kreis: Wilde Müllablagerungen bleiben ein Problem
Von Stephanie Kern
Neckar-Odenwald-Kreis. Er ist immer wieder Thema, in den Kommunen wie auch in der Rhein-Neckar-Zeitung. Immer wieder beschäftigt wild abgelagerter Müll Behören und Bauhofmitarbeiter in der Region, ebenso die RNZ-Leser. Während der Weihnachtsferien hat sich an einigen Stellen wieder viel Abfall gesammelt – die Entsorgung dieser Müllsünden bezahlen übrigens alle.
In Obrigheim wurden rund um die Glascontainer am Neckar und an den Altkleidercontainern beim Penny-Markt allerlei unerwünschte Dinge entsorgt – wobei das Wort "entsorgt" hier eigentlich nicht passend ist. "Ja, die Probleme sind uns bekannt", sagt Obrigheims Bürgermeister Achim Walter. Am Dienstag kamen die Bauhof-Mitarbeiter aus dem Weihnachtsurlaub zurück, und waren zuerst mit der Müllrunde beschäftigt. Zwei- bis dreimal pro Woche schickt das Rathaus die Mitarbeiter los, um für Ordnung zu sorgen.
"Im Endeffekt ist es so, dass wir einen Teil der Stunden unserer Mitarbeiter für diese Aufgaben abzweigen", erklärt Walter. Die Entsorgung (diesmal passt das Wort) übernimmt dann die Gemeinde, die Kosten trägt die Gemeindeverwaltung und damit am Schluss jeder Steuerzahler. "Appellieren bringt leider nur bedingt etwas", meint Walter. Die Müllsünder zu erwischen, gestalte sich als überaus schwierig.
Diese Erfahrung macht man auch in Haßmersheim. Dort wurde ein Ordnungsdienstmitarbeiter eingestellt, der sich auch um wilde Müllablagerungen kümmert. Man versuche, dem Problem auch mit anderen Maßnahmen zu begegnen, etwa indem Container an gut einsehbare Stellen umgestellt werden.
Es gibt aber auch Menschen, die der Müll in der Natur oder am Straßenrad nicht kalt lässt. So etwa ein Teil der Mountainbike-Gruppe des Sportvereins Muckental, der sich zu einer Waldsäuberungsaktion traf. "Auf unseren regelmäßigen Ausfahrten wurden in den Wäldern von Elztal schon einige Abschnitte mit verstärkter Verunreinigung gesichtet, was letztendlich den Ausschlag für diese Aktion gegeben hat", berichtet Nico Englert. Schon nach einer guten Stunde waren die Ladeflächen der beiden Einsatzfahrzeuge mit allerhand Unrat bedeckt.
Darunter waren auch ein halber Rasenmäher, mehrere Auto- und Traktor-Reifen, ein Sammelsurium aus Fahrradteilen und allen voran Unmengen an Flaschen. Des Weiteren eine Autobatterie, Überbleibsel einer Partynacht, eine Ölwanne, eine Pkw-Rücksitzbank, Fast-Food-Tüten und vieles mehr. Zwei weitere Fuhren mit zum Teil kuriosem Müll wurden dann noch eingesammelt und im Bauhof deponiert.
"Es ist erschreckend, wie gedankenlos manche unserer Zeitgenossen mit unserem Planet umgehen", meint Englert. "Ich denke das sollten wir einmal jährlich organisieren, die Notwendigkeit steht ja nach diesem Tag außer Frage", zieht Andreas Kratky, der einen der zwei Trupps koordinierte, Bilanz.
Auch Helga Diemer aus Mosbach macht sich immer mit einem Eimer bewaffnet auf den Weg zum Waldspaziergang. "Im Wald liegt alles mögliche: Gutselpapiere, Dosen, Mülltüten, Fast-Food-Tüten, Zigarettenstummel, und vieles mehr. An manchen Stellen sieht es so aus, als hätte jemand eine ganze Mülltonne ausgeleert. Da waren sogar Windelpackungen dabei. Ich sammle dann ein, was in meinen Eimer passt", berichtet Diemer.
Die Mosbacherin unternimmt oft Spaziergänge rund um den Hardhof – und ärgert sich eigentlich täglich über die Verschmutzung. Diemer: "Selbst ein Bonbonpapier braucht etwa 400 Jahre bis es sich aufgelöst hat. Vorher zersetzt es sich dann in Mikroplastik, dass wir – zynisch gesagt: als ausgleichende Gerechtigkeit – wieder einatmen."
Norbert Ehrmann aus Binau beobachtet immer wieder Müllablagerungen, besonders am Neckar, gegenüber der Einfahrt Binau-Siedlung. "Da alles vom Umweltschutz spricht, sollte man hier mal anfangen", schreibt Ehrmann in einer E-Mail an die RNZ-Redaktion. Auf Nachfrage erklärt Christine Klotz von der Gemeindeverwaltung: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sofort wieder Müll abgelagert wird, wenn wir die Verunreinigungen zu schnell entfernen."
Zwischenzeitlich war an der betreffenden Stelle ein Schild mit der Warnung vor Videoüberwachung. "Da war etwas mehr Ruhe." Das Schild sei aber inzwischen verschwunden und damit auch immer wieder Müll zu finden. Auch in Binau erledigt dann der Bauhof die Entsorgung. "Wir müssen das übrigens genauso bezahlen wie jeder andere auch", fügt Christine Klotz noch hinzu. Kosten die wiederum jeder Bürger der Gemeinde Binau trägt.
Aufgrund der Feiertage, zwei Krankheits- und einem Urlaubsfall sind die für die Straßenreinigung zuständigen Kollegen der Stadtverwaltung Mosbach derzeit nur zu dritt "und mit ihrem Pensum hintendran", erklärt Meike Wendt, Sprecherin der Stadt Mosbach. "Die Rückstände können nur Stück für Stück abgearbeitet werden. Aber nicht nur in der Heilbronner Straße in Neckarelz, sondern eigentlich rund um alle Glascontainer sieht es schlimm aus. Es gibt doch leider einige Mosbacher, die ihren Müll über die Feiertage illegal abgelagert haben. Auch am Neckarvorland haben unsere Bürger nach Silvester scheinbar alles stehen und liegen lassen."
Grundsätzlich stelle sich die Frage, wie man mit Müllsündern umgehen solle. Es gebe zwei Möglichkeiten, meint Wendt: "Immer schnell alles wegräumen mit dem Lerneffekt, dass es ok ist, wenn man seinen privaten Müll auf öffentlichen Flächen entsorgt. Oder den Müll für einige Zeit liegen lassen. Hier ist dann der Effekt zu bemerken, dass Bürger, die eigentlich Hemmungen haben, ihren Dreck in Nacht-und-Nebel-Aktionen zu entsorgen, denken, es sei in Ordnung, weil andere es ja auch machen", ergänzt Wendt. Hilfreich wären sicherlich Meldungen von Nachbarn, die entsprechende Beobachtungen machen und Müllsünder fotografieren und anzeigen.