Rod Stewart in Mannheim: Er ist und bleibt "Rod the Mod"
Von Peter Wiest
Mannheim. Es sind nur drei von zahlreichen beeindruckenden Fakten: Er ist der älteste männliche Rock-Star, der jemals in England auf Platz 1 der Album-Charts kam – und das erst im zurückliegenden Jahr mit der Song-Kollektion "You’re in my Heart". Er ist der Künstler, der das größte Open-Air-Konzert aller Zeiten bestritt, als er 1994 vor sage und schreibe dreieinhalb Millionen Menschen am Strand von Rio de Janeiro auftrat. Und er ist seit gut drei Jahren ein echter "Sir", nachdem er im Oktober 2016 von Prinz William im Londoner Buckingham-Palast zum Ritter geschlagen wurde. Bei all dem ist er jedoch immer er selbst und genau derjenige geblieben, als der er längst in die Annalen der Rock-Musik eingegangen ist: Rod Stewart, der am heutigen Freitag 75 Jahre alt wird, ist nach wie vor "Rod the Mod".
In den zurückliegenden Jahrzehnten hat der in London geborene schottisch-stämmige Sänger über 100 Millionen Tonträger verkauft und dabei Hits am laufenden Band produziert. "Sailing", "Maggie May", "Some Guys have all the Luck", "Baby Jane", "Young Turks", "Hot Legs" oder "This old Heart of Mine" sind nur einige der bekanntesten. "Da Ya think I’m sexy" ist vielleicht der archetypischste, denn Rod Stewart war – und ist es bis heute geblieben – zu allen Zeiten nicht nur ein erfolgreicher Sänger, sondern galt auch von Anfang an als eine Art männliches Rock ’n’ Roll-Sexsymbol. Neben Mick Jagger dürfte er zurückblickend wohl derjenige gewesen sein, der in dieser Szene die meisten Mädchen- und Frauenherzen höher schlagen ließ – und damit natürlich auch immer wieder für zusätzliche Schlagzeilen sorgte.
Begonnen hatte seine beispielhafte Karriere bereits Mitte der 60er Jahre, als im "Swingin’ London" die beiden damals angesagten Szene-Gruppen der Rockers und Mods miteinander konkurrierten. Rod Stewart war eindeutig Mod und bekannte sich dazu äußerlich und innerlich. Als solcher legte er ausgesprochen großen Wert auf ein adrettes und für die damalige Zeit flottes, leicht dandyhaftes Äußeres – was er im Übrigen als "Rod the Mod" bis heute tut.
Mit Pilzkopffrisur veröffentlichte er 1964 seine erste Single "Good Morning little Schoolgirl"; von da an ging es stetig bergauf. Seine bereits in jungen Jahren unverkennbare rauchige Bluesstimme brachte ihm Engagements zunächst bei der Band Steampacket mit Julie Dris-coll und Brian Auger; danach sang er vorübergehend mit Peter Green und Mick Fleetwood, die kurz darauf Fleetwood Mac gründeten; dann längere Zeit bei der Jeff Beck Group – alles heute längst legendäre Namen.
1969 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album. Kurz darauf suchte die damals angesagte Gruppe Small Faces einen neuen Sänger und wurde – ohne das "Small" im Namen – als Faces mit Rod Stewart als Frontmann noch berühmter als zuvor.
Nach der Auflösung der Faces startete er endgültig eine Solo-Karriere und reihte über Jahre hinweg Hit an Hit. Bis heute hat der Sänger nicht weniger als 28 Solo-Alben veröffentlicht und gewann praktisch alle in der Szene verliehenen großen Preise, vom Grammy bis zum Brit Award. Seit 1994 ist er Mitglied der "Rock and Roll Hall of Fame", in die er sogar im Jahr 2002 zum zweiten Mal als Mitglied der Faces aufgenommen wurde.
Im Privatleben ist Rod Stewart zum dritten Mal verheiratet und lebt mit seiner Frau Penny Lancaster und den beiden 2005 und 2011 geborenen Söhnen in Beverly Hills in Kalifornien. Aus früheren Beziehungen hat er sechs weitere Kinder. Schlagzeilen machte er in letzter Zeit nicht so sehr mit seiner Musik und auch nicht mehr als Dandy; dafür jedoch mit seinem Hobby: Auf dem Dachboden seiner Villa hat er über Jahre hinweg eine monumentale Eisenbahn-Anlage erbaut, die das Philadelphia der 40er Jahre wiedergibt – inklusive Wolkenkratzer und anderer zeitgemäßer Gebäude.
Dass "Rod the Mod" auch im fortgeschrittenen Alter nach wie vor bei Live-Konzerten ausgesprochen sexy rüberkommt, inklusive Reibeisenstimme, Wuschelkopf und adretter Jacketts, hat er hierzulande letztmals im zurückliegenden Mai bei einem Auftritt in der Mannheimer SAP-Arena bewiesen.
Auf der Bühne stehen wird er auch noch nach seinem heutigen 75. Geburtstag – wobei ein Ende noch lange nicht abzusehen ist. Ab Ende Februar tritt Rod Stewart zunächst bei mehreren Konzerten in Las Vegas auf, danach geht es im kommenden Sommer quer durch die USA und im Herbst nach Australien. Auch nach Deutschland wird er sicher wieder gelegentlich kommen – wovon zumindest getrost ausgegangen werden darf.