Hubertusmesse in Leimen: Kulturereignis oder "gewaltverherrlichende Messe"?
Leimen. (aham) Peta hat etwas gegen den Gottesdienst am morgigen Samstag. Die Tierrechtsorganisation versandte vor Kurzem eine Mitteilung, in der sie die um 18 Uhr geplante Hubertusmesse in der katholischen Herz-Jesu-Kirche im Graben 20 anprangert. In dem Schreiben ist von einer "gewaltverherrlichenden Messe" die Rede, die "nicht mit der christlichen Ethik der Achtung vor dem Leben vereinbar" sei. Der Grund: Hubertusmessen würden vornehmlich von Jägern verantwortet und besucht werden. Und die Jagd als solche verurteilt die Tierrechtsorganisation aufs Schärfste.
In Leimen ist man ob dieser Kritik und dieser Vorwürfe völlig perplex. "Ich verstehe die Aufregung nicht", sagt Stadtsprecher Michael Ullrich auf RNZ-Nachfrage. Er betont, dass es sich bei der Hubertusmesse um "ein Kulturereignis" handle. Dabei würden der Jagdhornbläserkreis Heidelberg unter der Leitung von Herbert Maier aus St. Leon-Rot auftreten und der Bläserkreis von den Jagdhornbläsern aus Neibsheim und Odenheim unter der Leitung des Leimener Försters Markus Reinhard. Sie bilden an Stelle der sonst üblichen Orgel die musikalische Umrahmung. Die hierzu benutzten Parforcehörner, die ursprünglich bei der Jagd zu Pferd verwendet wurden, wurden zu Konzertwaldhörnern weiterentwickelt und können so nun aufgrund des weicheren Tons bei Konzerten und der Liturgie eingesetzt werden.
"Das ist ein Konzert, da werden keine Tiere geschlachtet", betont Michael Ullrich. Die Kirche sei zwar entsprechend geschmückt - aber mit Bäumen, Laub und einem Geweih aus Plastik. "Das ist ein Gottesdienst mit Jagdhörnern, das wird in ganz Deutschland gemacht", so der Stadtsprecher weiter.
Was die Kritik an den Jägern und ihrem Tun angeht, so ist Ullrich der Meinung, dass Jäger dringend gebraucht werden: "Peta soll mal mit einem Bauern reden, dem ein Wildschwein gerade das Feld umgepflügt hat."
Der katholische Pfarrer Arul Lourdu, der den Gottesdienst halten wird, erklärt: "Es ist nicht so einfach, wie Peta schreibt." Die Tierrechtsorganisation spreche nur eine "Teilwahrheit" an. "Nicht alle Jäger sind Verbrecher", so Lourdu. Er kenne einige Weidmänner, das seien "tolle Menschen". Außerdem würden sie wissen, wie das Fleisch in den Kühlschrank kommt. "Viele Kinder denken heute, das kommt einfach aus dem Supermarkt", meint Lourdu. Mit ihrem Dienst würden Jäger etwas Gutes tun: Zum einen sorgen sie für Nahrung, zum anderen wehren sie Schaden an Pflanzen und Feldern ab, wenn sie etwa eine unkontrollierte Verbreitung von Wildschweinen stoppen.
Über die Messe selbst freut sich der Pfarrer ebenfalls. Es ist die erste dieser Art in Leimen. "Es geht darum, dankbar für die Schöpfung zu sein und achtsam mit ihr umzugehen", sagt Lourdu.