Pfälzisches Urgestein: Karin Bruns "Reisezeichnungen" zum 100. Geburtstag ausgestellt
Von Heide Seele
Heidelberg. Sie ist nicht vergessen. Viele Heidelberger erinnern sich noch lebhaft an das pfälzische Urgestein. Sie konnte deftig-unverblümt und kämpferisch auftreten, vor allem dann, wenn es um Belange der Heidelberger Altstadt ging, um Veränderungen und Neuerungen, die sie nicht mittragen wollte und dies auch deutlich und einfallsreich zum Ausdruck brachte. Da verfiel Karin Bruns auf temperamentvolle Weise in ihr pfälzisches Idiom. Da die streitbare Künstlerin 1918 geboren wurde, widmen Tochter Nane und ihr Ehemann ihr anlässlich des 100. Geburtstags eine feine Ausstellung in der Galerie Muelder-Bruns in Heidelberg.
Es sind sensibel gezeichnete Impressionen aus Spanien und Italien, die hier zu sehen sind. Dazu ist zu sagen, dass das Reisen in den 1950er und 60er Jahren ein Luxus war, zumal, wenn man das Ausland besuchte. Bevor die Malerin 1957 mit einigen Freunden an die Costa Brava fuhr, hatte sie eine schwere Zeit erlebt, denn 1953 war ihr Mann Johnny gestorben, ein traumatisches Erlebnis, das sie in eine tiefe Krise stürzte. In Spanien lernte sie dann Tossa, Cadaque und San Feliù kennen und fühlte sich durch die Schönheit der Region dazu animiert, die einzelnen Orte in Skizzenbüchern festzuhalten und auch zu kommentieren.
An diesen Erfahrungen kann jetzt der Besucher der Heidelberger Galerie Muelder-Bruns teilhaben. Wer neben den Bildern auch die Anmerkungen beachtet, bemerkt die gegenüber allem Schönen aufgeschlossene Künstlerin auch als schreibgewandt, denn sie verstand ihre tiefen Empfindungen auch verbal zu artikulieren: "Dieser unvergessliche Abend an der rosigen Bucht. Der Glanz der eben versinkenden Sonne überzieht im Licht des Mondes die Wasserfläche mit opalisierendem Schimmer..." Ihre verbale Hommage an die herrliche Natur unterstrich sie durch aussagekräftige Bilder, die selbst im kleinen Format eine intensive Wirkung entfalten. Besonders eindrucksvoll gelangen ihr auch Motive von Bari oder Pompeji.
Bei der Vernissage erinnerte Tochter Nane Muelder-Bruns an ihre Mutter, indem sie aus deren Skizzenbuch zitierte. Darin hatte die Malerin festgestellt, dass Spanien zwar nicht teuer sei, aber doch kaum preiswert genug, um sich dort auch nur eine Hütte kaufen zu können. In ihren Reiseimpressionen setzte sie sämtliche ihrer zahlreichen Techniken ein, um das Erlebte wirkungsvoll umzusetzen. Sie benutzte neben Bleistift, Buntstift und Kugelschreiber auch Vogelfedern und lavierte ihre Arbeiten mit Tusche. Deshalb sollte der Betrachter seine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Motive richten, sondern auch auf die künstlerische Umsetzung.
Info: Galerie Muelder-Bruns, Plöck 25 (Innenhof links), 69117 Heidelberg. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 18. November.