Bürgerstiftung Weinheim: Wenn 104 Kinder ins Schlaraffenland reisen
Von Günther Grosch
Weinheim. Na ja, ein "bisschen Lampenfieber und Herzklopfen" hätten sie schon, gaben einige zu. Aber nein, "total aufgeregt" seien sie überhaupt nicht, widersprach die Mehrzahl der selbstbewussten Jung-Schauspieler einigen Erwachsenen, die ihnen vor dem "großen Auftritt" noch einmal Mut zusprechen wollten. Denn: "Wir haben gut geübt."
Drei Vormittage lang hatten sich 104 Schüler aus den zweiten bis vierten Klassen der Friedrich- und Pestalozzischule, der Grundschule Rippenweier sowie der Waldschule und der Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule vorbereitet. Die Anleitung hatten Theaterpädagogen, Schauspieler, Autoren, Dramaturgen und Film- und Theatermacher übernommen, sodass die inzwischen fünften "Weinheimer Theatertage für Grundschulen" steigen konnten.
Eine (Theater-)Reise ins Schlaraffenland solle es diesmal werden, lautete die auf eigenen Ideen, Kreativität und Fantasiereichtum aufbauende Vorgabe des Projekts, das Monika Endriß entwickelt und geleitetet hatte.
Was schon die Jüngsten aus der zweiten Klasse der Friedrichschule eindrucksvoll umsetzten. Sie hatten sich in den "Palast der (Alb-)Träume" gewagt und ausprobiert, wie viele Ausdrucksmöglichkeiten es gibt, sich zu bewegen.
"Alles ist möglich, wenn eure Träume fliegenlernen", war ihnen von dem Theaterpädagogen und Regisseur Eric Haug beim Gang durch die Räume des "Palasts" eingeimpft worden. Denn: "Ein Leben ohne Träume ist wie ein Garten ohne Blumen."
Mit Hilfe von "Schlaraffen-Zaubermarmelade" eigene Wünsche wahrwerden zu lassen, das hatten sich die Pestalozzischüler unter der Leitung von Rob Doornbos auf ihren Theaterzettel geschrieben. Und so galt es, gleich ein halbes Dutzend verzauberte Märchenfrösche zu küssen, als Cowboys im Wilden Westen für Furore zu sorgen und sich in einer Welt voller Zuckerstangen zu behaupten. Nach einigem daraus resultierendem Bauchweh wieder an den heimischen Frühstückstisch zurückgekehrt, folgt aber die Erkenntnis: "Keine noch so schöne Traumwelt ist durch ein Frühstück mit der eigenen Familie zu ersetzen." Selbst wenn dort keine Nutella auf dem Tisch steht.
"Den ganzen Tag Videospielen", "auf den Betten herumspringen", "sich mit Dreck bewerfen", "in Limo duschen" und "Lolli-Blumen pflücken": Dass es auch in einem Kinderland ohne Regeln und Vorschriften, in dem man tun und lassen kann, was man will, schnell langweilig werden kann, machten die Dritt- und Viertklässler aus Rippenweier unter der Regie von Holger Metzner deutlich.
Ausgerechnet die Waldschüler kamen bei ihrem Waldspaziergang vom Weg ab und verliefen sich ins Schlaraffenland mit seinem Honigfluss, Nutella-See, Schokobrunnen und Marshmallows-Schaum-Zucker-Wolken. Was dazu führte, dass sie dick und dicker wurden. Theaterpädagogin Maria Winter-Wolters hatte das Geschehen zum Vergnügen der Zuschauer mit Schattenspielereien angereichert.
Hier früh aufstehen, in die Schule gehen und lernen - dort in den Tag hineinleben und faulenzen. Da Sporttreiben und sich musikalisch betätigen - und andernorts "sich wie Schweine benehmen dürfen": Die DBS-Schüler schließlich hatten sich gemeinsam mit der Schauspielerin Fee Vajna Gedanken darüber gemacht, "was die normale Welt vom Schlaraffenland unterscheidet".
Am Ende gelang es beiden Seiten, die symbolische Trennwand einzureißen und sich mit Hilfe einer mit viel Rasierschaum angereicherten Tortenschlacht zu versöhnen. Worüber sich auch "Schirmfrau" und Krimi-Erfolgsautorin Ingrid Noll köstlich amüsierte - die Bezeichnung "Schirmherrin" hatte sie kategorisch abgelehnt. Theater sei, "weil live", viel besser als Kino und "manchmal" sogar schöner als Bücherlesen. Dass alle schon beim Einüben "sehr viel Spaß gehabt" hätten, sei jedem anzusehen gewesen.
Katja Hoger als Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Weinheim hatte die kurzweiligen zwei Premierenstunden moderiert. Als großzügige Sponsoren rückte der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, Adalbert Knapp, neben Noll die "Volksbank Weinheim Stiftung", den Verein der "Freunde und Förderer der Kultur in Weinheim" sowie die "Stiftungs- und Fördergemeinschaft Modellprojekte" ins Rampenlicht.