Abfall-Zwischenfall in Dielheim: Zehn Wehrleute nach Einsatz wegen Geruchsbelästigung in Klinik
Dielheim/Wiesloch. (oé) In der Nacht von Montag auf Dienstag waren die Feuerwehren in Dielheim und Wiesloch im Dauereinsatz. Schuld war eine intensive Geruchsbelästigung, die zunächst den Verdacht nährte, es könnte Gas ausgetreten sein. Der Polizei zufolge war der starke Gasgeruch gegen 20.30 Uhr zunächst von Anwohnern in Dielheim wahrgenommen worden, die per Notruf die Polizei alarmierten. Etwa eine Stunde später war der Gestank auch in Wiesloch zu riechen. Erste Messungen der Feuerwehren aus Dielheim und Wiesloch wie auch des Energieversorgers zeigten jedoch schnell, dass es sich nicht um ausgetretenes Gas handelte, so die Polizei weiter. Stattdessen stellten die Einsatzkräfte fest, dass der Gestank der Kanalisation entströmte.
Die Feuerwehr Dielheim konnte den Geruch schließlich bis zu einem Dielheimer Entsorgungsbetrieb zurückverfolgen. Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge waren dort Abfälle nach ihrer betrieblichen Aufarbeitung in die Kanalisation eingeleitet worden und flossen in Richtung Wiesloch und zur Kläranlage, von wo die Gerüche schließlich in die Innenstadt zurück wehten. Die noch in der Nacht alarmierte "Task Force" der Mannheimer Berufsfeuerwehr führte der Polizei zufolge erste Untersuchungen durch. Demnach besteht der Verdacht auf erhöhte Konzentration einer Kohlenwasserstoffverbindung. Weshalb es zu einer chemischen Reaktion kam und welche Verbindungen dabei wirkten, stand laut Mitteilung der Polizei gestern noch nicht fest. Die Untersuchungen dauerten an. Wasserproben wurden am Dienstag in einem Labor der Berufsfeuerwehr Mannheim analysiert. Die Ergebnisse stehen ebenfalls noch aus.
Wie von Polizeisprecher Norbert Schätzle zu erfahren war, war von der Verunreinigung ausschließlich die Kanalisation betroffen. In Bäche oder andere Gewässer ist offenbar nichts gelangt. Schätzle zufolge standen die Einsatzkräfte auch in ständiger Verbindung mit dem Klärwerk in Wiesloch, wo es infolge der Zuleitung keine Störung gegeben habe. Dies betonte am Dienstag auch Rainer Reißfelder, der Kaufmännische Geschäftsführer des Abwasser- und Hochwasserschutzverbandes (AHW), der das Klärwerk betreibt. "Ich kann bestätigen, dass es überhaupt keine negativen Auswirkungen gab. Wir haben die typischen Parameter überprüft. Sie lagen alle im grünen Bereich," teilte Reißfelder auf Anfrage mit. Die Reinigungsprozesse im Klärwerk hätten normal ablaufen können, es habe "keinerlei Beeinträchtigung" gegeben.
Laut Polizei hat die Abteilung Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums Mannheim inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Sie richteten sich zunächst gegen den Betriebsleiter der Entsorgungsfirma. Weitere Ermittlungsschritte würden folgen. Dabei geht es der Polizei zufolge um den Verdacht einer Umweltstraftat wie auch um Körperverletzung in mehreren Fällen. Denn bei der Reinigung der Kanalisation hatten zehn Feuerwehrleute in der Nacht über Schwindel und Übelkeit geklagt und waren deshalb vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Alle konnten die Klinik jedoch bis gestern Vormittag wieder verlassen. Offenbar hat es auch gestern noch vereinzelt Geruchsbelästigungen gegeben. Ob allerdings auch Anwohner unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen gelitten hätten, sei nicht bekannt, so Polizeisprecher Schätzle. Eventuelle Geschädigte könnten sich bei der Polizei melden.
Insgesamt waren die Feuerwehren aus Dielheim, Horrenberg und Wiesloch mit knapp 50 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen über Stunden im Einsatz. Die Berufsfeuerwehr Mannheim hatte drei Spezialisten nach Wiesloch gesandt. Wieslochs Stadtbrandmeister Peter Hecker teilte mit, dass die letzten Einsatzkräfte am Dienstag früh gegen 4.30 Uhr in die Feuerwachen zurückkehrten.