Bad Rappenau: Abschiedsfeier für Oberbürgermeister Blättgen (plus Fotogalerie)
Bad Rappenau. (guz) Wäre er Künstler, er hätte eine Zugabe kaum verweigern können: Minutenlanger Applaus von mehr als 600 Menschen, keiner blieb sitzen, das Kurhaus wurde zum Mikrokosmos, bewegt vom Rhythmus einheitlich klatschender Hände. Doch Hans Heribert Blättgen stand, kunstsinnig zwar, als scheidender Oberbürgermeister auf der Bühne, und eine Zugabe hätte sich damit über acht Jahre erstreckt. Der 62-Jährige hatte dies bereits vor Monaten ausgeschlossen und nicht mehr kandidiert. Der Dank der Bürger für die letzten 16 Jahre wäre allerdings auch schwer zu toppen gewesen. "Ein Stück meines Lebens bleibt zurück", verabschiedete sich Blättgen, als der Applaus abebbte. "Es ist ein gutes Stück!"
Mehr als zwei Stunden zuvor hatte eine Feier begonnen, die so ganz nach dem Geschmack des scheidenden Oberbürgermeisters gewesen sein dürfte: Mit Rockmusik, Schauspiel, vielen Bonmots, Bildern aus der 16-jährigen Ära, mit Humor und Leichtigkeit, und mit Lob und Dank von vielen Seiten. Schon die Zahl der Gäste war eine augenfällige Würdigung: Die Feier musste in den Kleinen Saal des Kurhauses übertragen werden, weil der Große die Menge nicht fassen konnte.
Als "krasser Außenseiter, aber mit langem Atem" habe Blättgen den Wahlkampf 2002 für sich entschieden, blickte CDU-Stadtrat Klaus Hocher zurück. Die Steuereinnahmen damals verhalten, der Kurbetrieb kurz vor der Insolvenz. "Von Anfang an waren mehr als 100 Prozent Einsatz nötig", erinnerte Hocher, der dem Sozialdemokraten Blättgen "eine fast übermenschliche Geduld" und ein ausgeprägtes kommunikatives Talent bescheinigte: "Sie waren ein hervorragender Repräsentant der Stadt zum Anfassen." Und: "Du hast nie geholzt", lobte er den leidenschaftlichen Fußballer.
Cleverness, Fairness und "ein großes Geschick im Anzapfen von Fördertöpfen", nicht zuletzt bei der Realisierung der Landesgartenschau 2008, erwähnte Regierungspräsident Wolfgang Reimer, und hob Blättgens Aufbauleistung im Schulbereich besonders hervor: "Dafür werden Ihnen noch die kommenden Generationen dankbar sein!"
Als "ruhig, aber in der Sache mit klaren Standpunkten und wohlüberlegten Worten", beschrieb Eppingens OB Klaus Holaschke Blättgens "äußerst erfolgreiche" Amtsführung. "Wir haben unheimlich gerne mit dir zusammengearbeitet", bescheinigte er auch im Namen der "kommunalen Familie" und sparte Blättgens Einsatz für den Kinderhilfefonds Kraichgau nicht aus. Immer wieder habe Blättgen dort "seine soziale Stimme" erhoben.
Die Bediensteten der Stadt standen nicht hintan. Sie hatten prägnante Momente in einer Bilder-Schau zusammengefasst, musikalisch unterlegt mit "Arrivederci Hans". Weggefährten aus der "Humor im Schloss"-Zeit des studierten Germanisten spielten Ephraim Kishons Schreckensrotkäppchen, vor der Tür stand eine Rikscha, die ein Bürger gebaut hatte, und zwischen den Reden ließ es die Schulband der Verbundschule immer wieder krachen.
Dann Blättgens letzte Rede. "Man glaubt gar nicht, wie viel Lob ein Mensch aushalten kann", zitierte er den Stuttgarter Alt-OB Manfred Rommel.
Und lobte und dankte dann seinerseits: Dem Gemeinderat für ein tolles Miteinander, seinem "väterlichen Freund" Reinhard Künzel, der ihm damals das OB-Amt Bad Rappenau schmackhaft gemacht hatte, dem Rathaus-, Kur- und Klinikteam, den Bürgern ("Sie haben es meiner Familie und mir leicht gemacht, uns hier wohlzufühlen"), vor allem aber seiner Familie und seiner Frau Maike: "Ohne euch hätte ich das nicht geschafft!" Gerne blicke er auf die Gartenschau zurück, aber auch auf die Entwicklung der Verbundschule, die "heute in der Bildungslandschaft Baden-Württembergs ein Begriff ist. Ich setze schwer auf die Belohnung ’gymnasiale Oberstufe’", betonte Blättgen, bevor er sich mit Hermann Hesses Gedicht "Stufen" verabschiedete. Er hatte es bereits zu Beginn seiner ersten Amtszeit vorgetragen.
Am Ende der Feier stand der gesamte Gemeinderat auf der Bühne und sang gemeinsam mit dem scheidenden Sympathieträger "Niemals geht man so ganz" von Trude Herr - "Ich hab’ den Gemeinderat noch niemals so schön singen hören", schmunzelte Blättgen danach.