Bülent Ceylan im Mannheimer Capitol: Vor dem Witz sind alle Menschen gleich
Von Peter Wiest
Mannheim. Lachen und lachen lassen - fast um jeden Preis: Das ist heute mehr denn je sein Motto und seine Medizin. Wer dabei wie, wann, wo und vor allem auch weshalb lacht, ist (beinahe) zweitrangig. Hauptsache, es geht so richtig ab: Bis sich aber auch der Letzte schief, schepp, krank oder sogar - bewahre! - tot lacht. Und das tut das Publikum garantiert bei "Lassmalache", wie Bülent Ceylans neues Programm heißt. Die Vorpremiere im Mannheimer Capitol war ein Heimspiel für den Comedian. Und das genoss er vom ersten bis zum letzten Moment.
So richtig viel Neues ist dabei gar nicht drin in "Lassmalache", eher Altbewährtes. Und das ist gut so - denn deswegen kennt und liebt nicht nur Mannheim "seinen Türk". Inhaltlich hat das Programm seine Stärken vor allem in der ersten Hälfte. Besonders, wenn Bülent Ceylan monologisiert und dabei immer wieder improvisiert, reiht sich im Publikum Lacher an Lacher - das kann fast keiner der großen Comedians so gut wie er. Die Zuschauer werden bereits im Prolog über das Lachen an sich mit einbezogen, und das bleibt die ganze Show über so.
Der Comedian bildet Kategorien für diverse Lachtypen; erklärt die Unterschiede zwischen bayrischen, schwäbischen oder sächsischen Lachern und geht der Frage nach, wie Türken, Deutsche, Italiener, Polen oder Russen lachen. "Vor dem Witz sind schließlich alle gleich", weiß der Comedian. Dann schlüpft Bülent Ceylan in seine Kunstfiguren Harald, der sich im Dauerstress befindet, und Hasan, der mit einer abstrusen türkischen Version von "Hänsel und Gretel" aufwartet. Seine Mutter erwähnt Bülent Ceylan fast in jeder Show, doch diesmal erfährt das Publikum auch etwas über seinen deutschen Onkel ("Der hieß tatsächlich Heinrich Merkel - was ein Glück, dass Angela trotzdem nicht meine Tante ist") und dessen Auseinandersetzungen mit seinem türkischen Vater: Es muss oft heiter bis wolkig zugegangen sein, damals im Hause Ceylan.
Nach der Pause flacht das Ganze vorübergehend ein bisschen ab. Dabei ist die Idee mit den vier anonymen Cholerikern Putin, Erdogan, Trump und Kim Jong-un per se durchaus originell und ansprechend - aber die Vorstellung von einer Heirat Jong-uns mit Bülents Ex-Freundin Andra ("Die schreckt schließlich mehr ab als jede Atomrakete") dann doch ein bisschen arg abstrus. Auch Annelieses Ausflug in die Welt der Wellness- und Abnehm-Kuren ("Frauen mit Übergewicht leben meist länger als Männer, die es beanstanden") zieht sich - wird aber aufgewogen durch Hausmeister Mompfreed und dessen Auseinandersetzung mit Wotan, einem Nazi-Hund, der beim Wort "Heil" das Pfötchen hebt und dafür am Schluss nicht "Heim ins Reich", sondern wieder ab ins Heim kommt.
Es wird immer wieder politisch bei "Lassmalache". Und dann spricht Bülent Ceylan auch eine ganz klare Sprache gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus - was ihm mit den meisten Applaus bringt. Bei der nächsten Bundestagswahl will er sogar selbst antreten, kündigt er da nassforsch an: Mit dem Slogan "Halber Türk - volles Programm". Und dass er sein Publikum mindestens so sehr liebt, wie es ihn, stellt er am Ende ungewohnt sentimental sogar mit einem eigens dafür komponierten balladesken Schmachtlied unter Beweis: "An Euch" heißt es und ist ein ganz persönliches Dankeschön. Da muss dann doch noch mal was Deftiges folgen: Bei "Lassmalache" als typisch Bülent’schem Hardrock-Song hält es am Schluss keinen mehr auf seinem Platz.