Nichts von außen: neuer Angriff auf VPN-Dienste
Der Kampf gegen VPN-Dienste wird nicht erst seit gestern geführt. Genauer gesagt handelt es sich um einen Kampf gegen die Möglichkeit, Informationen und Inhalte von Quellen zu beziehen, die der russische Staat als unerwünscht oder gar extremistisch einstuft. Ein VPN-Dienst an sich ist nicht bedrohlich – etwa wenn er in Unternehmensnetzwerken zur Absicherung der Kommunikation zwischen Niederlassungen genutzt wird. Doch ohne die Beseitigung eines Hindernisses wie VPN wird es schwierig sein, die Russen ausschließlich auf inländische Informationsquellen zu beschränken.
Innerhalb eines Tages kündigten die Behörden gleich mehrere restriktive Maßnahmen gegen VPN-Nutzer an. Der Leiter des Ministeriums für Digitalentwicklung, Maksut Schadajew, habe ein geschlossenes Treffen mit Vertretern von Telekommunikationsbetreibern und digitalen Plattformen abgehalten, berichtet das Magazin „Forbes“ unter Berufung auf Branchenquellen. Thema der Zusammenkunft sei die Bekämpfung der Umgehung von Sperrmaßnahmen durch russische Nutzer. Wie die Quellen des Magazins vermuten, stehen die vom Ministerium vorgeschlagenen Maßnahmen im Zusammenhang mit einer geheimen Anweisung Putins.
Als Maßnahme gegen die Suche nach Informationen „von außen“ bat Schadajew die Mobilfunkbetreiber, bei Nutzung von mehr als 15 GB internationalem Datenverkehr pro Monat eine Gebühr zu erheben. Grundsätzlich sollten 15 GB zum Lesen verschiedener Quellen ausreichen, doch für das Anschauen von Videos ist das bereits knapp. Eine Quelle von Forbes nannte auch das voraussichtliche Datum für die Einführung dieser Maßnahme: Der Stichtag sei der 1. Mai.
Darüber hinaus sollen inländische Internet-Plattformen die Nutzung ihrer Dienste für Kunden einschränken, die sich über VPN einwählen. Hierbei ist anzumerken, dass einige Dienste der laut Forbes an dem Treffen mit dem Minister teilnehmenden Unternehmen – darunter VK, Ozon, Avito, Wildberries und Yandex – über VPN ohnehin bereits deutlich schlechter funktionieren als ohne. Dies betrifft zumindest den Zugriff vom Computer aus. Für Plattformen, die solche Beschränkungen nicht einführen, ist eine Sanktion vorgesehen: der Ausschluss aus den „Whitelists“.
Bislang ist die Nutzung von VPN für Privatpersonen legal, doch Schadajew schloss administrative Sanktionen für die Nutzung von Umgehungstechnologien nicht aus. Allerdings äußerte er die Hoffnung, dass es nicht so weit kommen werde.
Die Offensive richtet sich auch gegen die VPN-Dienste selbst. Am Vortag verschwanden Dutzende Apps aus dem russischen App-Store-Katalog, darunter Streisand, V2Box und v2RayTun. Die Entwickler von v2RayTun gaben an, das Entfernen sei auf Anordnung von Roskomnadzor erfolgt. Doch selbst wenn ein russischer Nutzer in diesem Katalog eine VPN-App findet, wird die Bezahlung schwieriger: Seit dem 1. April müssen russische Mobilfunkbetreiber die Möglichkeit abschalten, das Apple-ID-Guthaben über die Mobilfunkrechnung aufzuladen. Dies ist eine Anweisung des Ministeriums für Digitalentwicklung. Nach der Verhängung von Sanktionen konnten Nutzer keine russische Bankkarte mehr mit ihrer Apple-ID verknüpfen, doch iPhone-Besitzern blieb die Option, ihr Apple-Guthaben aufzuladen und Abonnements über die Mobilfunkrechnung zu bezahlen.
Werden es das Ministerium für Digitalentwicklung, Roskomnadzor und andere Behörden schaffen, den Zugang zu Informationen „von außen“ vollständig zu sperren? Nein. Wird dies die Zahl derer verringern, die als unerwünscht eingestufte Ressourcen aufrufen? Möglich. Werden solche Maßnahmen für viele russische Nutzer zu einem weiteren Ärgernis? Mit absoluter Sicherheit: ja.
Sascha Paraponow
Запись Nichts von außen: neuer Angriff auf VPN-Dienste впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.