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Altersvorsorgedepot: So gefährlich sind 1 Prozent Kosten

Mehr Geld vom Staat fürs Alter? Klingt gut, kann aber nach hinten losgehen. Warum Gebühren von einem Prozent Sparer Tausende Euro kosten können. Kurz bevor der Bundestag Ende März über die Reform der privaten Altersvorsorge entscheiden sollte , wurde noch einmal am Gesetzentwurf geschraubt: Sowohl Bundesrat als auch Verbraucherschützer störten sich an den maximal möglichen Kosten, die der Gesetzentwurf aus dem Finanzministerium für den Nachfolger der Riester-Rente vorsah. Schließlich galt Riester unter anderem deshalb als gescheitert, weil hohe Gebühren die Rendite und damit auch die spätere Rente von Millionen Sparern auffraßen. Ein Debakel, das sich nicht wiederholen sollte. Der zunächst geplante Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr sank daher kurzfristig auf 1,0 Prozent. Mehr jährliche Gebühren dürfen die sogenannten Standardprodukte nicht verursachen, die Banken, Neobroker und Versicherungen für jene Sparer anbieten müssen, die sich nicht zutrauen, selbst eines der neuen Altersvorsorgedepots mit ETFs oder Fonds zu bestücken. Stimmt auch der Bundesrat zu, können Sparer ab Januar 2027 auf diese neue Art fürs Alter vorsorgen. Doch wer sich für die Standardvariante entscheidet, ist auch mit dem niedrigeren Kostendeckel keineswegs auf der sicheren Seite. Riester-Reform beschlossen: Das ändert sich jetzt bei der Altersvorsorge Wird der gesetzliche Deckel nämlich voll ausgereizt, können Sie mit dem geförderten Altersvorsorgedepot sogar schlechter abschneiden als mit einem kostenfreien Depot ganz ohne jede staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Kostet das geförderte Sparen hingegen ebenfalls nichts, winkt bis zur Rente deutlich mehr Geld als ohne die staatlichen Zuschüsse. Das zeigen Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox . Bis zu 149.000 Euro mehr dank staatlicher Förderung Rund 496.000 Euro Vermögen könnte ein heute 25-jähriger Sparer bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren ansparen, wenn er jeden Monat 150 Euro in einen ETF-Sparplan mit 7,5 Prozent Jahresrendite investiert. Voraussetzung ist, dass für den Sparplan ein Wertpapierdepot ohne jährliche Gebühren verwendet wird, bei dem auch die monatlichen Sparplanausführungen kostenfrei sind. Bei einer Anlage im neuen geförderten Altersvorsorgedepot könnten die monatlichen Sparbeträge durch die staatlichen Zuschüsse noch 45 Euro höher ausfallen. Ohne Berücksichtigung jedweder Kosten beliefe sich der Depotwert bei Rentenbeginn in diesem Fall auf rund 645.000 Euro. Durch die staatlichen Zuschüsse hätten Anleger 149.000 Euro mehr als beim Sparen ohne Förderung. Ein heute 45-Jähriger käme beim Sparplan ohne Förderung bis zur Rente auf rund 98.000 Euro. Dank der staatlichen Zuschüsse könnte zu Beginn des Ruhestands mit 67 Jahren ein Vermögen von 127.000 Euro zu Buche stehen. Der Haken: Kosten können alles zunichtemachen Entscheiden sich Sparer allerdings für ein Produkt mit jährlichen Kosten in Höhe von einem Prozent, schmälert das die Rente erheblich. Ein 45-Jähriger hätte am Ende nur noch rund 111.000 Euro. Fast 17.000 Euro würden allein für die Gebühren draufgehen. Noch gravierender ist der Effekt bei jüngeren Sparern: Ein 25-Jähriger käme trotz Förderung und langer Laufzeit nur auf rund 480.000 Euro. Damit läge das Ergebnis sogar unter dem eines kostenfreien Depots ohne jede Förderung. Der Grund ist der Zinseszinseffekt – nur diesmal negativ. Laufende Kosten schmälern nicht nur das angesparte Kapital, sondern auch die zukünftigen Erträge darauf. Über Jahrzehnte summiert sich das zu erheblichen Beträgen. Monatliche Sparrate 25-Jähriger (42 Jahre bis zur Rente) 45-Jähriger (22 Jahre bis zur Rente) Ungefördertes Sparen im kostenfreien Depot 150 Euro 495.813 Euro 97.625 Euro Gefördertes Sparen (ohne Kosten) 195 Euro 644.557 Euro 126.913 Euro Gefördertes Sparen (1 % jährliche Kosten) 195 Euro 480.268 Euro 111.241 Euro Wichtig zu wissen: Bei der Berechnung hat Verivox noch keine Steuern berücksichtigt. Allerdings unterscheidet sich die Art der Besteuerung zwischen privatem ETF-Sparplan und gefördertem Altersvorsorgedepot. Das Altersvorsorgedepot bleibt in der Ansparphase komplett steuerfrei, Auszahlungen werden aber mit dem persönlichen Grenzsteuersatz bei der Einkommensteuer versteuert. Bei einem normalen ETF-Sparplan werden 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig . Zudem werden dort nur die Erträge besteuert, nicht die kompletten Auszahlungen – und das bei Aktien-ETFs auch nur zu 70 Prozent (sogenannte Teilfreistellung). Einen Vergleich zwischen Altersvorsorgedepot und ETF-Sparplan, bei dem Steuern berücksichtigt wurden, finden Sie hier. "Bei der Auswahl ihres Altersvorsorgedepots sollten Verbraucher die Kosten sehr genau im Blick haben. Es ist wichtig, ein Produkt zu wählen, das den gesetzlichen Deckel nicht voll ausreizt", sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier. Zwar klängen Gebühren in Höhe von einem Prozent überschaubar, doch über die Jahrzehnte fließe so viel Vermögen ab, dass es die gesamte staatliche Förderung mehr als aufzehren könne. Staatlich organisiertes Produkt als Alternative Eine Alternative zu den Standarddepots der privaten Anbieter könnte das staatlich organisierte Standardprodukt sein. Dieses muss den gleichen Kriterien entsprechen wie die privat angebotenen Standardprodukte, könnte nach Ansicht von Verbraucherschützern aber günstiger ausfallen. "Idealerweise gibt es ein einfaches Produkt mit wenigen Optionen. Ausreichend wäre eine Mischung aus einem breit gestreuten Aktien- und einem Anleihenfonds ", erklärt Niels Nauhauser, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Interview mit t-online . "Der Sparer legt entweder die Aufteilung selbst fest oder belässt es bei einer Voreinstellung, etwa über ein Lebenszyklusmodell: in jungen Jahren mehr Aktien, später weniger Risiko. Wichtig sind breite Streuung, niedrige Kosten und Transparenz." Wie genau das staatlich organisierte Produkt gestaltet wird, ist aktuell aber noch offen.


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