Der Streit um die Straße von Hormus bestimmt den Krieg im Nahen Osten. Was braucht es, um die Meerenge zu öffnen? Diese Stützpunkte sind entscheidend. "So etwas hat es noch nie gegeben." Mit diesen Worten erneuerte Donald Trump am Sonntag seine Drohungen an den Iran : In wenigen Stunden läuft das Ultimatum ab, das der US-Präsident Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus gestellt hat. Falls das iranische Regime die Meerenge nicht bis Dienstagabend US-Ostküstenzeit (Mittwochnacht um 2 Uhr MESZ) öffnet, würden die USA mit der "völligen Zerstörung" aller iranischen Kraftwerke und Brücken reagieren. Teheran aber zeigte sich zuletzt unbeeindruckt. Ein Sprecher der iranischen Militärführung verspottete Trumps Äußerungen als "haltlose Drohungen" eines "wahnhaften" Präsidenten. Sollte es nicht in letzter Minute doch noch zur Einigung kommen, droht eine dramatische Eskalation des Kriegs mit unabsehbaren Folgen. Alles hängt also an der Straße von Hormus. Newsblog: Alle aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg Krieg im Nahen Osten: Iran lehnt Waffenruhe ab – Trump reagiert Der Schlüssel militärstrategischer Planungen liegt offenbar in einer Kurve, die durch die Meerenge und insgesamt sieben Inseln führt. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf die Erkenntnisse des iranischen Forschers Enayatollah Yazdani und seines chinesischen Kollegens Ma Yanzhe, die die beiden Wissenschaftler in einem Artikel aus dem Jahr 2022 für das Canadian Center of Science and Education präsentierten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf diesen sieben Inseln im Persischen Golf: Abu Musa, die beiden Tunb-Inseln, Hengam, Qeschm, Larak und Hormus. Hauptentscheidend für die iranische Kontrolle der Meerenge seien die westlich gelegenen Inseln Abu Masa sowie die Tunb-Inseln, so die beiden Forscher. Weil sie verhältnismäßig nah beieinander liegen und die Wassertiefe im ohnehin größtenteils flachen Persischen Golf gering ist, seien große Kriegsschiffe und Tanker gezwungen, an diesen drei Inseln vorbeizufahren. Für die Islamische Revolutionsgarde (IRGC), die von den Inseln aus operiert, würden die Schiffe damit zu einem leichten Ziel werden. Inseln als "unsinkbare Flugzeugträger" des Iran Der regimenahen Webseite "Javan Online" zufolge haben sich die Revolutionsgarden bereits vor Kriegsausbruch für mögliche Vergeltungsmaßnahmen auf jene drei Inseln konzentriert und sie militärisch aufgerüstet. Nicht namentlich genannte iranische Beamte hätten die Tunb-Inseln und Abu Masa zudem als Teherans "stationäre und unsinkbare Flugzeugträger" bezeichnet. CNN zitiert zudem den ehemaligen Direktor des nachrichtendienstlichen Zentrums (Joint Intelligence Center) des US-Pazifikkommandos Carl Schuster. Auch ihm zufolge seien die drei Inseln "strategisch günstig gelegen, um jeglichen Schiffsverkehr zu kontrollieren", der die Straße von Hormus passieren wolle. Damit die USA die Kontrolle über die Inseln erlangen können, bräuchte es nach seiner Einschätzung zwei Marineexpeditionseinheiten der US-Streitkräfte, die jeweils aus mehr als 2.000 Soldaten bestehen. Insbesondere die Insel Abu Musa ist aus seiner Sicht entscheidend: Würden die USA die Insel erobern, könnten sie dort die Aktivitäten in der Meerenge überwachen und dem Iran gleichzeitig einen Drohnenstützpunkt entziehen, so Schuster. Um bis dorthin vorzudringen, müssten die US-Soldaten allerdings zunächst die Insel Larak am östlichen Eingang der Meerenge passieren – eine Insel, von der aus es iranischen Streitkräften derzeit möglich ist, die Einfuhr in den Persischen Golf zu verhindern. Der CNN-Militärexperte Cedric Leighton sieht daher auch in der Kontrolle über diese Insel ein entscheidendes militärisches Ziel der USA. Angriffe auf Tunb-Insel in der Straße von Hormus Die US-amerikanische Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) meldete zuletzt unter Berufung auf Satellitenbilder vom 22. März, dass die US-Streitkräfte bereits einzelne Standorte der Revolutionsgarden auf den Inseln angegriffen haben. Demnach beschädigten oder zerstörten US-Angriffe Kommunikationsinfrastruktur, Treibstoffdepots, Wartungseinrichtungen, einen Flugzeughangar und Hafenanlagen auf Groß-Tunb. Laut Experten des ISW dürfte dies die Fähigkeit des iranischen Regimes beeinträchtigen, Marineoperationen von der Insel aus zu koordinieren und fortzuführen. Förderlich dürfte für die USA sein, dass der iranische Marinekommandeur der Revolutionsgarden, Aliresa Tangsiri, in der vergangenen Woche bei einem israelischen Raketenangriff getötet wurde. Israels Militär gab dies am 26. März bekannt, Teheran bestätigte wenig später dessen Tod. Tangsiri galt als einer der erfahrensten und bekanntesten Offiziere der iranischen Revolutionsgarden und war nach israelischen Angaben für die Blockade der Straße von Hormus verantwortlich. USA machen Öffnung der Straße von Hormus zur Bedingung Experten der US-amerikanischen Denkfabrik Soufan Center äußern jedoch auch Bedenken über Nachteile, die eine Kontrolle über die Inseln mit sich bringen würde: Dies würde erfordern, "dass die US-Streitkräfte Drohnen-, Raketen- und Artillerieangriffe vom iranischen Festland abwehren". Ein solcher Kampf um Groß-Tunb könnte die USA möglicherweise in einen längerfristigen, unpopulären Einsatz auf iranischem Territorium verwickeln, so die Experten weiter. Zudem sei in diesem Fall mit steigenden Verlusten auf US-Seite zu rechnen. Bislang hatten die USA vor allem die Öl-Insel Charg im Visier. Experten hielten es zuletzt für möglich, dass Elitekräfte die Insel bei einem möglichen Bodeneinsatz einnehmen könnten. Mitte März hatten die USA Charg aus der Luft angegriffen und laut Trump militärische Ziele "vollständig ausradiert". Die Energieanlagen blieben jedoch unangetastet. Über das Öl-Terminal auf der Insel wird fast der gesamte iranische Rohölexport abgewickelt. Nach dem Ausbruch des von Israel und den USA am 28. Februar begonnenen Iran-Kriegs hatte Teheran die Schifffahrt durch die Straße von Hormus mit Angriffen und Drohungen quasi zum Erliegen gebracht. Weil die Meerenge für den globalen Öl- und Gashandel zentral ist, schossen die Energiepreise nach oben. Für die USA stellt die Öffnung der Meerenge inzwischen eine grundlegende Bedingung für Verhandlungen mit Teheran dar. Vor mehreren Wochen hatte Trump erstmals versucht, den Iran mit einem Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus zu bewegen. Die Frist dafür verschob er jedoch mehrfach. Nun sind alle Augen auf den Ablauf des neuesten Ultimatums gerichtet: Dienstag, 20 Uhr US-Ostküstenzeit.