Zwölf Kriterien statt Geheimformel: Die Schufa zeigt, wie Ihr Score wirklich entsteht. Die Frage ist nur: Wissen Sie, wie Sie ihn gezielt verbessern können? Seit 2008 galt der Schufa-Basisscore als zentraler Maßstab für die Kreditwürdigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Doch wie dieser Wert zustande kam und welcher Score tatsächlich bei Banken oder Unternehmen ankam, blieb lange unklar. Der Score war eine Blackbox. Intransparent, schwer nachvollziehbar und immer wieder Anlass für Beschwerden. Sogar Gerichte beschäftigten sich damit. In einem Fall klagte ein Verbraucher auf Schadenersatz , weil seine Bonität trotz beglichener Rechnungen weiterhin als "sehr kritisch" bewertet wurde. Nach mehreren Jahren Arbeit hat die Auskunftei ihr System grundlegend überarbeitet. Seit dem 17. März 2026 gilt ein neues Modell. Es soll verständlicher, transparenter und für alle gleich sein. Die zentrale Idee: Wer weiß, wie sein Score entsteht, kann ihn gezielt verbessern. Warum die Schufa ihr Modell ändern musste Nach Angaben der Schufa waren vor allem zwei Entwicklungen ausschlaggebend. Zum einen wächst in einer digitalen Welt der Wunsch nach Transparenz und Kontrolle über eigene Daten. Viele Menschen wollen wissen, welche Informationen gespeichert werden und wie daraus ein Score entsteht. Zum anderen hat sich das Konsumverhalten verändert. Statt großer Einzelkredite nutzen viele Verbraucher heute mehrere kleinere Finanzierungen, etwa Ratenkäufe oder flexible Kreditlinien. Auch diese Entwicklung soll der neue Score besser abbilden. Das Ziel der Auskunftei: ein nachvollziehbares System, das jederzeit einsehbar ist und ohne Fachwissen verstanden werden kann. So wird der neue Score berechnet Der neue Schufa-Score reicht von 100 bis 999 Punkten. Laut Schufa basiert er auf zwölf klar definierten Kriterien, die jeweils mit Punkten bewertet und anschließend addiert werden. Wichtig: Erst das Zusammenspiel aller Kriterien ergibt den Score – nicht einzelne Daten allein. Die Berechnung erfolgt laut Angaben des Unternehmens mithilfe eines statistischen Verfahrens, der sogenannten logistischen Regression. Dabei wird analysiert, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand seine Zahlungsverpflichtungen erfüllt. Zu den zwölf Kriterien gehören: Zahlungsstörungen (zum Beispiel nicht bezahlte Rechnungen) Alter des ältesten Bankvertrags Alter der ältesten Kreditkarte Alter der aktuellen Adresse Alter des jüngsten Rahmenkredits Anzahl Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten Anzahl Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen 12 Monaten Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite Kreditstatus Immobilienkredit Vorliegen einer Identitätsprüfung Einfach gesagt: Der Score bewertet, wie stabil und verlässlich Ihr Finanzverhalten wirkt. Neue Score-Klassen: So wird Ihr Wert eingeordnet Damit Sie Ihren Score leichter verstehen, ordnet die Schufa ihn in Klassen ein: Hervorragend: 999–776 Punkte Gut: 775–709 Punkte Akzeptabel: 708–642 Punkte Ausreichend: 641–100 Punkte Ungenügend: kein Score (bei offenen Zahlungsstörungen) Wichtig: Die Schufa entscheidet nicht über Kredite oder Verträge. Banken und Unternehmen nutzen den Score lediglich als Grundlage, treffen die Entscheidung aber selbst und nach eigenen Kriterien. Warum ein Vergleich mit dem alten Score nicht funktioniert Der neue Score lässt sich nicht direkt mit dem alten Basisscore vergleichen. Prozentwerte und Punktzahlen sind nicht umrechenbar. Die Folge: Laut Schufa rutschen rund acht Prozent der Verbraucher in eine schlechtere Klasse, neun Prozent verbessern sich. Für die große Mehrheit – etwa 83 Prozent – bleibt die Einstufung unverändert. Ein Score für alle: Mehr Transparenz für Verbraucher Eine zentrale Neuerung: Verbraucher sehen jetzt denselben Score wie Banken, Händler oder Telekommunikationsanbieter. Nach Angaben der Schufa soll das zu mehr Fairness führen. Sie können nun nachvollziehen, auf welcher Grundlage Unternehmen Entscheidungen treffen und besser einschätzen, wie sie wirken. Zudem reagiert der Score schneller auf positives Verhalten. Wer zuverlässig zahlt, verbessert seinen Wert schneller. Das soll besonders jungen Menschen helfen, die noch wenig Datenhistorie haben. So können Sie Ihren Schufa-Score einsehen Ihre Daten und Ihren Score können Sie kostenlos abrufen: im Schufa-Account über die Bonify-App per Datenkopie nach Art. 15 DSGVO Die Registrierung erfolgt online, etwa über die Web-App oder eine Smartphone-App. Zur Sicherheit müssen Sie sich identifizieren, zum Beispiel mit dem Online-Ausweis (eID) oder per PIN-Brief. Neu ist: Sie sehen auch, wie genau Ihr persönlicher Score zustande kommt. Zusätzlich gibt es kostenpflichtige Angebote wie "meineSCHUFA.de", die vor allem mehr Komfort und Zusatzfunktionen wie Updates, E-Mail-Benachrichtigungen oder das Monitoring Ihrer persönlichen Daten im Internet bieten. Verbraucherschützer raten allerdings zur Zurückhaltung. Für die meisten Menschen reiche die kostenlose Datenkopie völlig aus. Ein dauerhaftes Abo sei nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei konkretem Verdacht auf Identitätsdiebstahl, sinnvoll, so die Experten. Wie Sie Ihre Kreditwürdigkeit gezielt verbessern Der neue Score macht erstmals klar, welche Faktoren Ihre Bonität beeinflussen – und welche nicht. Ein hohes Einkommen spielt zum Beispiel keine Rolle. Was Sie konkret tun können: Rechnungen immer pünktlich bezahlen Lieber einen größeren Kredit statt vieler kleiner aufnehmen Langfristige Verträge pflegen (zum Beispiel Mobilfunk, Strom) Denn stabile Geschäftsbeziehungen zeigen laut Schufa, dass Sie zuverlässig zahlen. Auch wichtig: Stellen Sie mehrere Anfragen für Konten oder Kreditkarten möglichst innerhalb kurzer Zeit. Innerhalb von 28 Tagen zählt die Schufa diese laut eigenen Angaben nur einmal. Fazit: Mehr Klarheit – aber auch mehr Eigenverantwortung Der neue Schufa-Score soll deutlich mehr Transparenz bringen. Verbraucherinnen und Verbraucher sehen, was bislang verborgen war, und können ihre Bonität aktiv beeinflussen. Doch genau darin liegt auch die Herausforderung: Wer die Score-Regeln kennt, trägt mehr Verantwortung.