Im Januar trennte sich Real Madrid von Xabi Alonso, Álvaro Arbeloa übernahm die Mannschaft. Vor dem Duell mit dem FC Bayern stellt sich die Frage: Hat sich der Wechsel gelohnt? Es ist nicht lange her, da galt Xabi Alonso als der begehrteste Fußballtrainer auf dem Markt. Nach dem sensationellen Doublesieg mit Bayer Leverkusen umwarben zahlreiche Topklubs den Spanier – darunter auch der FC Bayern und Real Madrid . Alonso entschied sich für eine weitere Saison in Leverkusen, gab den Königlichen aber schließlich im Sommer 2025 das Jawort. Der stets elegant auftretende Trainer-Shootingstar zurück bei dem Verein, mit dem er als Spieler große Erfolge gefeiert hatte. Bei dem Verein, der sich als der weltweit beste und glanzvollste versteht. Es schien eine logische Wiedervereinigung zu sein, ein Versprechen des Titelhortens, der Beginn einer Ära. Doch die rosarote Brille fiel schnell, die Beziehung endete nach gerade einmal sieben Monaten. Mitte Januar musste Alonso nach der Niederlage gegen den Erzrivalen FC Barcelona im Finale der Supercopa gehen. Es übernahm ein Mann, der als Spieler an der Seite des geschassten Coaches ebenfalls Titel abgeräumt hatte: Álvaro Arbeloa. Er war zuvor jahrelang als Nachwuchstrainer bei den Königlichen aktiv gewesen, vor seiner Beförderung als Übungsleiter der zweiten Mannschaft. Unter Arbeloa spielt Real Madrid einen einfacheren Fußball Es war ein klarer Stilbruch: vom weltweit geschätzten Fußballgourmet Alonso zum früher limitierten, schroff agierenden Außenverteidiger Arbeloa. Wie sein ehemaliger Mannschaftskollege gehört zwar auch er zur Gilde der jungen, aufstrebenden Trainer, muss aber weitestgehend ohne Lobby auskommen. Alejandro Diago, als Spanien-Redakteur von "Onefootball" auf das Geschehen bei den Königlichen spezialisiert, sieht genau darin einen ersten Unterschied zwischen den beiden Trainern. "Arbeloa war nie mit den Medien befreundet, das Stigma aus seiner Spielerzeit hat auch nicht geholfen", erklärt er im Gespräch mit t-online. Es ist nicht der einzige Punkt, in dem er sich merklich von seinem Vorgänger differenziert. Bei der Wahl der Grundformation variiert Arbeloa weniger, setzt zumeist auf ein 4-4-2. Er lässt konservativer spielen, mit langen Bällen dürfen die flinken Offensivspieler situativ in Szene gesetzt werden. Dazu passt ein stärkerer Fokus aufs Gegenpressing, also auch bei zweiten Bällen nach langen Schlägen. Die Real-Stars bekommen in ihren Rollen insgesamt mehr Freiheiten, weniger vorgegebene Abläufe. Dass der Fußball dabei nicht immer schön anzusehen ist, stört ihn weniger. "In diesem Klub geht es darum, erfolgreich zu sein", erklärte Arbeloa beim Amtsantritt und sprach von einer "Obsession", Titel zu gewinnen. Da passt auch die Wahl seines Vorbilds: "Für mich war es ein Privileg, von José Mourinho trainiert zu werden. Er hat mich sehr beeinflusst." Von seinem unmittelbaren Vorgänger grenzt ihn unterdessen auch ein stärkerer Fokus auf Eigengewächse ab. Thiago Pitarch und Manuel Ángel haben eine Chance erhalten, Gonzalo García darf wieder häufiger ran. Andere Profis wie Vinícius Júnior oder Fran Garcia baute Arbeloa nach schwierigen Phasen wieder auf. Ohnehin gilt es als eine seiner Stärken, auf einzelne Spieler zuzugehen und deren individuelle Qualitäten auf dem Feld hervorzuheben. Den Grundstein dafür hat er in einem Bereich gelegt, in dem Alonso sein größtes Problem hatte: in der Kabine. Unter dem vormaligen Leverkusener gab es immer wieder Berichte über interne Widerstände. Vor allem einflussreiche Stars wie Kylian Mbappé und Jude Bellingham sollen unzufrieden gewesen sein, bei Vinícius Júnior zeigte sich dies wiederholt auf dem Rasen oder bei Auswechslungen. "Arbeloas Priorität lag vom ersten Tag an auf dem Umgang mit der Kabine. Er hat nicht die Aura von Carlo Ancelotti oder Zinédine Zidane, aber er kennt die Eigenheiten dieses Vereins", erklärt Diago. Das Vorgehen hat gefruchtet: "Die Spieler stehen geschlossen hinter ihm. Sie lieben ihn." Von Alonso degradiert: Arbeloa holt Fitnesscoach zurück ins Team Das zeigt vor allem Vinícius Júnior, der nach einer enttäuschenden Rückrunde aufblüht. In 18 Spielen unter Arbeloa hat er 15 direkte Torbeteiligungen gesammelt. Vor allem in den Champions-League-Spielen gegen Benfica Lissabon und Manchester City war er der entscheidende Mann. Einen weiteren entscheidenden Unterschied erkennen Beobachter in einer vermeintlichen Nebenrolle. Arbeloa holte Fitnesscoach Antonio Pintus zurück in den Trainerstab. Der Italiener arbeitete jahrelang für die Königlichen, war bei mehreren Triumphen in der Königsklasse ein wichtiger Teil des Staffs. Alonso hatte ihn im Sommer in eine Beraterrolle degradiert. Sein Nachfolger verkündete direkt auf seiner ersten Pressekonferenz das Comeback von Pintus. "Er hat fünf Champions-League-Titel im Rücken, ist ein hervorragender Fitnesstrainer, sicherlich einer der besten der Welt", schwärmte der Cheftrainer. "Er hat seine Methode, von der wir alle wissen, wie gut sie hier funktioniert hat." Real Madrid fehlt weiterhin die Konstanz Trotz der erkennbaren Unterschiede gehört aber auch zur Wahrheit, dass Arbeloa einen marginal schlechteren Punkteschnitt als Alonso hat. Der neue Coach holt pro Partie durchschnittlich 0,07 Zähler weniger und hat die Wahrscheinlichkeit auf die in Madrid so wichtigen Titel kaum erhöht. Im ersten Spiel unter Arbeloas Führung flog Real gegen Zweitligist Albacete aus dem Pokal, in der Liga liegt der Hauptstadtklub sieben Zähler hinter Barcelona. Zum Zeitpunkt des Trainerwechsels waren es vier Punkte. Einzig in der Champions League sind die Königlichen einem Triumph durch den Einzug ins Viertelfinale nähergekommen, mussten aber den Umweg über die Playoffs nehmen. Vor dem Trainerwechsel war der Rekordsieger noch auf direktem Wege in die K.-o.-Phase gewesen. Einer der größeren Kritikpunkte aus der Alonso-Zeit ist auch aktuell zu beobachten: die fehlende Konstanz. Überzeugenden Siegen gegen Benfica, Manchester City oder Atlético Madrid stehen Niederlagen gegen Getafe, Osasuna oder Mallorca gegenüber. Nur eines brachten die schwankenden Auftritte unter Arbeloa noch nicht hervor: ein Remis. Ob der 43-Jährige an der Seitenlinie Reals auch über den Sommer hinaus eine Perspektive hat, ist auch wegen der volatilen Auftritte offen. Die Königlichen stellten ihn offiziell zwar nicht als Interimslösung vor, Gerüchte über mögliche Nachfolger kursieren aber seit Langem. Der Coach selbst vermied schon bei seinem Amtsantritt, Ansprüche anzumelden. "Ich bin seit 20 Jahren in diesem Klub und werde so lange bleiben, wie Real Madrid es will. Das ist mein Zuhause, so wird es immer sein", sagte der 43-Jährige. Für ihn spricht, dass sich mehrere Kandidaten bereits öffentlich gegen ein Engagement in Madrid ausgesprochen haben. Jürgen Klopp tat sämtliche Real-Gerüchte um seine Person als "Blödsinn" ab. Milan-Trainer Massimiliano Allegri ist "glücklich" in Italien und verwies auf seinen Vertrag bis 2027. Spekulationen um Ex-Trainer Mourinho erscheinen zudem haltlos. Diago rechnet mit einer Weiterbeschäftigung von Arbeloa, "selbst wenn Real diese Saison keinen Titel gewinnt". Es wäre eine Rückendeckung, die ihresgleichen sucht. Nichts stört Klubboss Florentino Pérez mehr, als am Ende einer Saison keine neue Trophäe ins vereinseigene Museum zu stellen. Der Dienstag dürfte dahin gehend richtungsweisend sein. Die Königlichen empfangen im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals die Bayern (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online), die unter vielen Experten und Fans als größter Favorit auf den Turniersieg angesehen werden. Aber Real ist eben noch immer Real. In europäischen Nächten wächst der Klub seit Jahrzehnten regelmäßig über sich hinaus. "Es spielt keine Rolle, ob die Ligasaison schlecht läuft, ob sie mitten in der Saison den Trainer gewechselt haben oder ob die Spielweise nicht optimal ist", weiß Diago. "Madrid ist im Frühjahr immer zur Stelle." Die Bayern sollten gewarnt sein, in den vergangenen zwölf Jahren sind sie schließlich viermal an den Königlichen gescheitert. Das letzte Münchener Weiterkommen im direkten Duell datiert aus dem Jahr 2012. Arbeloa war auch damals dabei – als Rechtsverteidiger Reals.