Nach der Landtagswahl: Was Kurt Beck zu den laufenden Sondierungsgesprächen sagt
Wenige sind so erfahren wie der Ex-Ministerpräsident. An den aktuellen Gesprächen ist er zwar nicht beteiligt. Aber er kann Auskunft geben: über Vertrauen, Strategie - und über die Rolle von Alkohol.
Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat Verständnis für den nicht öffentlichen Charakter der laufenden Sondierungsgespräche zwischen CDU und SPD. "Unendlich kann man es sicher nicht treiben, aber ich halte es für vernünftig. Sonst wird zu viel zerredet", sagte Beck der Deutschen Presse-Agentur. Nötig seien zunächst vertrauliche Runden. "Um sich einschätzen zu lernen und zu sehen: Wie können wir auf einen grünen Zweig kommen", erklärte der SPD-Politiker.
In Rheinland-Pfalz läuft nach der Landtagswahl am 22. März alles auf eine Koalition unter CDU-Führung mit Gordon Schnieder als Ministerpräsident hinaus. Union und Sozialdemokraten führen bereits Sondierungsgespräche.
Kleine Triumphe können sich rächen
Er selbst sei mit einer zusammenfassenden, vergleichenden Übersicht des eigenen Wahlprogramms und den Schwerpunkten des potenziellen Koalitionspartners in Gespräche gegangen, schilderte Beck. "Man macht eine Prioritätenliste der eigenen Ziele, um die Spielräume vorab zu klären." Zu Beginn sollten beide Seiten leichtere Themen erörtern. "So dass eine Vertrauensbasis entsteht für die dann schwierigeren Punkte."
Aus seiner Erfahrung sei wichtig, dass jeder sich in Gesprächen auch in die Rolle des jeweils anderen versetzt. "Es geht ja nicht nur darum, ein Papier zustande zu bringen, sondern fünf Jahre vernünftig miteinander zu regieren. Da hilft es gar nichts, kleine Triumphe einzuheimsen. Das holt einen alles wieder ein im Laufe der Zeit", sagte der 77-Jährige.
Was ein Kaffee bewirken kann
Am Mythos, dass in Rauchpausen auf dem Flur oft mehr Einigungen erzielt würden als am Verhandlungstisch, sei etwas dran, betonte Beck. "Die klassischen Rauchpausen gibt es nicht mehr. Aber ab und zu innezuhalten und auf der Terrasse einen Kaffee miteinander zu trinken und bei einem Vieraugengespräch ein Teilthema zu besprechen, macht schon Sinn."
Sogar Alkohol - in Maßen - könne manchmal helfen. "Während solcher Gespräche habe ich nie erlebt, dass Alkohol getrunken wurde. Aber wenn man durch ist, dann ein Glas Wein zusammen zu trinken, das kann durchaus etwas Befreiendes haben", erzählte der frühere SPD-Vorsitzende.