Albert Rafijew und seine einzigartigen Teppiche
(Foto: Aus dem Archiv von Albert Refijew)
Diese Fotos kennt jeder: Einzel- oder Gruppenporträts im Interieur einer sowjetischen Wohnung, mit einem Sofa und einem Teppich an der Wand. Solche Teppiche – aus synthetischen Stoffen, industriell gefertigt und mit standardisierten Mustern – wurden geradezu zur Visitenkarte jeder Stadtwohnung des riesigen Landes. Aber kaum hatten ihre Besitzer die Möglichkeit, ihr Zuhause im modernen europäischen Stil einzurichten (ein Dankeschön geht an dieser Stelle an IKEA), gehörten eben diese Teppiche zu den ersten Ausstattungsgegenständen, die aus den Innenräumen verschwanden.
Hergestellt in Aserbaidschan
Doch zum Glück ist die Geschichte des Teppichs in der Sowjetzeit nicht so traurig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Neben der Massenproduktion entstanden im Land auch ganz andere Teppiche. Über eines dieser speziellen Handwerke weiß der Moskauer Künstler Albert Rafijew bestens Bescheid. Obwohl eine präzisere Formulierung wohl lauten müsste: Wir wissen überhaupt erst dank ihm von der Teppichknüpfkunst in der Roten Siedlung im Bezirk Quba in Aserbaidschan.
Grundsätzlich gilt das Teppichknüpfen in Aserbaidschan als eine der bekanntesten traditionellen Formen der dekorativen angewandten Kunst. Als „aserbaidschanisch“ werden verschiedene Typen von Flachgeweben und Flor-Teppichen bezeichnet. Jede Region besitzt ihre eigene Technik, ihre eigenen Ornamente und ihre unverwechselbare Handschrift. So unterscheiden sich beispielsweise Teppiche aus Baku und Gandscha deutlich von denen aus Schirwan oder Täbris – zumindest finden Fachleute diese Unterschiede mit Sicherheit.
Die Kunst der Bergjuden
Doch inmitten dieser Vielfalt nehmen die Teppiche aus der Roten Siedlung eine Sonderstellung ein. Dort wurde 1966 Albert Rafijew in einer kinderreichen Familie geboren. Rafijew hat sich mit den Werken seiner Landsleute vertraut gemacht. „Meine Kindheit in der Roten Siedlung war geprägt von einer Atmosphäre volkstümlicher Traditionen, die meine Weltsicht und die Entwicklung meines künstlerischen Blicks tiefgreifend beeinflusst haben“, sagt der Künstler.
Schon in der Schule begann Rafijew zu zeichnen. Später jedoch wuchs sich diese Leidenschaft für die bildende Kunst zu seiner Hingabe an die Teppichknüpferei und zum Sammeln alter kaukasischer Teppiche aus. Sie wurde für ihn zu einem Mittel, das reiche kulturelle Erbe unseres Volkes zu bewahren.“
Das Motiv der Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie der Bewahrung von Traditionen ist in den Arbeiten des Künstlers unübersehbar. Im Grunde spricht er seine Mission ganz offen aus: „Mein heutiges Schaffen ist ein Versuch, die Geschichte der kaukasischen Juden festzuhalten. Ich möchte, dass meine Werke – Teppiche, Gemälde, Skizzen, Zeichnungen – zu einem festen Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart werden.“
Albert Rafijew hat nicht nur als Künstler einen Beitrag zur Bewahrung dieser Traditionen geleistet. Er nahm aktiv an der Gründung des Museums der Bergjuden in der Roten Siedlung teil.
Ornamente und kulturelle Codes
Die handgeknüpften Teppiche, die nach Entwürfen von Albert Rafijews Gemälden entstehen, sind weit mehr als bloße Einrichtungsgegenstände. In ihnen verschmelzen traditionelle ornamentale Muster Aserbaidschans mit den kulturellen Codes der Bergjuden. Jedes Detail eines solchen Teppichs trägt eine symbolische Bedeutung. Dies wird besonders deutlich in den Arbeiten, die jüdische Feiertage darstellen – Purim, Tu biSchevat, Pessach und andere.
Im Februar dieses Jahres hat der bekannte aserbaidschanische Regisseur Rufat Assadow gemeinsam mit dem israelischen Sholumi-Zentrum den Dokumentarfilm „Traditionen aus der Tiefe der Zeiten“ (Produktion: Schaul Siman-Tov) vorgestellt, der Leben und Werk von Albert Rafijew gewidmet ist. Der Film wird bereits erfolgreich in Israel gezeigt; weitere Vorführungen sind in Aserbaidschan, Russland und Deutschland geplant.
Jana Ljubarskaja
Запись Albert Rafijew und seine einzigartigen Teppiche впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.