Klassische Hölzer • Soulspin Medium Speed
Kurz zu meinem aktuellen Hintergrund: Ich komme von einem klassischen Abwehrsetup (Tibhar Powerdefence mit Victas 401 2,0 mm und Hellfire X OX). Damit war ich grundsätzlich zufrieden, allerdings sind nach etwa vier Monaten in einem einzigen Spiel plötzlich mehrere Noppen auf einmal herausgerieselt. Da ich ohnehin schon geplant hatte, auf neues Material zu wechseln, hatte ich keine große Lust, den Hellfire nochmal nachzukaufen. Als kurzfristige Notlösung – kurz vor dem Bezirkspokal – habe ich dann den Palio CK531 montiert. Damit habe ich überraschend gut gespielt, allerdings war der Druckschupf ein echtes Problem. In Kassel, wo wir letztlich den hessischen Pokal in der Bezirksliga gewonnen haben, hatte ich beispielsweise einen Gegner, der einen so extremen Schupf gespielt hat, dass mir selbst mit der OX-Noppe die Bälle immer wieder ins Netz gegangen sind.
Jetzt also das Medium Speed – und ich muss sagen: Der Unterschied ist deutlicher als erwartet.
Schon beim ersten „Dotztest“ hatte ich allerdings kurz die Befürchtung, dass das Holz vielleicht doch etwas zu schnell sein könnte. Der Ballabsprung wirkte sehr direkt, und das Holz erzeugt ein ziemlich deutliches, hohes „Ping“-Geräusch beim Auftippen.
Diese erste Einschätzung hat sich im Spiel auch teilweise bestätigt: Am Anfang sind mir tatsächlich einige Bälle hinten rausgegangen, weil ich mich erst an die höhere Direktheit und den flacheren Absprung gewöhnen musste. Das hat sich aber überraschend schnell gelegt. Nach kurzer Eingewöhnung hatte ich die Länge deutlich besser im Griff – und dann kamen die eigentlichen Stärken des Holzes zum Tragen.
Das Holz ist für ein ALL+ ziemlich steif und hat durch das Koto-Deckfurnier einen relativ harten Ballanschlag. Dadurch fühlt sich alles sehr direkt an – ungewohnt, wenn man von einem weicheren Abwehrholz kommt (wobei das Powerdefence auch nicht so weich ist) – und insgesamt deutlich steifer als „normale“ Allroundhölzer. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle aber absolut erhalten – der große Sweetspot hilft enorm, gerade in unsauberen Situationen.
Was mir sofort aufgefallen ist, ist der flache Ballabsprung. Der Ball geht deutlich geradliniger nach vorne und wird weniger „nach oben getragen“ als bei flexibleren Hölzern. Das macht sich im Spiel extrem bemerkbar:
Der Druckschupf funktioniert plötzlich viel besser. Man kann den Ball aktiv nach vorne drücken, ohne dass er hochkommt. Genau das hat mir vorher gefehlt. Auch gegen leere Bälle habe ich deutlich mehr Sicherheit, weil der Ball einfach sauber und flach vom Schläger geht.
Mein Hauptschlag, der Chopblock, funktioniert ebenfalls sehr gut. Durch die Steifigkeit arbeiten die Noppen sehr definiert, und die Bälle kommen flach und unangenehm zurück. Gegner müssen deutlich aktiver spielen, weil sie den Ball nicht einfach „mitnehmen“ können.
Ich spiele aktuell den Dr. Neubauer Allround Premium 2 in OX – ebenfalls zum ersten Mal. Die Kombination passt meiner Meinung nach richtig gut: sehr kontrolliert, aber trotzdem genug Druck möglich. Selbst aus der Halbdistanz konnte ich überraschend viel Unterschnitt erzeugen, und die Bälle bleiben dabei schön niedrig.
Auf der Vorhand spiele ich den Gear Hyper Hard, und auch das harmoniert sehr gut. Topspins kommen direkt, ohne Katapult, und lassen sich sehr präzise platzieren. Auch die Eröffnung mit dem Gear auf der Rückhand ging überraschend sicher, was ich so in der Form nicht erwartet hätte.
Was mich zusätzlich positiv überrascht hat: Trotz des höheren Grundtempos ist die Kontrolle bei der Aufschlagannahme für mich spürbar besser als beim Powerdefence. Gerade kurze und halblange Bälle lassen sich sehr sicher annehmen und platzieren.
Die Verarbeitung ist wirklich top. Ich spiele die Blattgröße L, Gesamtgewicht liegt bei 153 g (Holz 91 g). Der G7-Griff aus Wenge ist nicht nur optisch sehr schön, sondern auch funktional – gerade wenn man viel dreht, ist der konische Griff ein riesiger Vorteil.
Auch die ersten Trainingsergebnisse waren direkt vielversprechend: Ich konnte einen starken Abwehrspieler (~1900 TTR) schlagen, der allerdings recht müde war – trotzdem habe ich wirklich gut gespielt. Gerade weil er selbst viel dreht und erstaunlich sicher mit einem Glanti verteidigt – und das nicht nur am Tisch, sondern auch ungewöhnlich viel und gut tischfern – war es ein ziemliches „Kuddelmuddel“ an Schnittwechseln und Rhythmen. Umso erfreulicher war es, in diesen Situationen die Kontrolle zu behalten. Auch die Hackblocks auf seine festen Topspins haben sehr gut funktioniert, auch auf der Rückhand. Hier hat die Steifigkeit des Holzes extrem geholfen, die Bälle stabil und flach zu halten – selbst mit dem Gear Hyper Hard konnte ich diese Bälle sehr sicher auf den Tisch bringen.
Gegen einen 1830er Angreifer habe ich anschließend nur knapp verloren – und das beim ersten Einsatz des Holzes. Besonders auffällig war insgesamt die Sicherheit im Kurzspiel und gegen leere Bälle.
Für mich fühlt sich das Medium Speed so an, als würde es das eigene Spiel sehr direkt und unverfälscht abbilden. Weniger „Katapult“, weniger „Hilfe“, dafür mehr Kontrolle über den Ballflug.
Gerade für Noppen in OX finde ich das Holz bisher richtig stark – vor allem, wenn man aktiv spielen will und Wert auf einen flachen Ball legt.
Ich finde, das Medium Speed ist ein echter Geheimtipp und hätte definitiv einen eigenen Thread verdient.
Spielt es hier noch jemand?
Statistik: Verfasst von Boris the Blade — Fr 27. Mär 2026, 13:00