Wirtschaftsecho aus Hormus erreicht Russland
Die Bombardierung des Iran und die anschließende Sperrung der Straße von Hormus konnten die Ölpreise nicht unberührt lassen. Dabei erwies sich Russland – im wirtschaftlichen Sinne – als einer der Hauptprofiteure dieser Situation.
Auf 89 Dollar
Der auf die Erforschung russischer Politik und Wirtschaft spezialisierte Professor für Politikwissenschaft an der Wesleyan University, Peter Rutland, hebt in seinem Artikel für „The National Interest“ die wirtschaftlichen Vorteile hervor, die Moskau aus der Nahost-Krise zieht:
„Der Preis für russisches Urals-Rohöl ist von unter 40 Dollar pro Barrel im Dezember auf 89 Dollar zum 12. März gestiegen. Der Rabatt für Indien und China schrumpfte von 25 auf nur noch vier bis fünf Dollar pro Barrel. Am 5. März kündigten die USA eine 30-tägige Aussetzung des Verbots für indische Raffinerien an, russisches Rohöl zu kaufen. Russland ist ein großer Exporteur von Aluminium und Düngemitteln, und die Preise für beide Güter steigen, weil Produktionsstätten am Persischen Golf keine Ware mehr auf die Weltmärkte liefern.“
Zur richtigen Zeit
Der Experte betont zudem, dass all dies zum denkbar günstigsten Zeitpunkt für Russland geschieht: „Ein stagnierendes BIP und niedrige Ölpreise hatten dazu geführt, dass die Einnahmen aus Öl und Gas im Januar auf fünf Milliarden Dollar fielen und die föderale Regierung in jenem Monat ein Haushaltsdefizit von 21 Milliarden Dollar verzeichnete.
Der Preissprung bedeutet für Russland zusätzliche monatliche Einnahmen von drei bis vier Milliarden Dollar. Moskau hatte ernsthafte Budgetkürzungen geplant, doch diese wurden nun auf später im Jahr verschoben.“
Nicht nur für Indien
Zusätzlich zur Erlaubnis für indische Abnehmer, russisches Öl zu kaufen, gewährten die USA eine weitere Sanktionserleichterung. Um die globalen Energiemärkte zu stabilisieren, die durch die Sperrung der Straße von Hormus unter Druck stehen, hoben die USA die Beschränkungen für den Kauf russischen Öls auch für andere Länder auf.
Es geht dabei um Öl, das sich bereits in Tankern auf hoher See befindet. De facto werden die USA die Verladung von Öl aus Russland nicht behindern.
US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete dies als vorübergehende Maßnahme. Sie gilt für 30 Tage, bis Mitternacht am 11. April. Bessent betonte, dass diese Entscheidung nach Ansicht der US-Behörden Russland keinen wesentlichen Vorteil verschaffen solle.
Sascha Paraponow
Запись Wirtschaftsecho aus Hormus erreicht Russland впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.