Lebensabend im Museum: Ishi, der Letzte seines Stammes
- warum 1911 in einer kalifornischen Kleinstadt plötzlich ein verängstigter Mann auftaucht,
- wie er zur Sensation für Wissenschaft und Öffentlichkeit wird,
- warum er im anthropologischen Museum von San Francisco lebt und Besuchern seine Kultur zeigt,
- weshalb sein Gehirn nach seinem Tod entnommen wird und erst Jahrzehnte später in seine Heimat zurückkehrt.
August 1911: Ein Schlachthofarbeiter in Oroville, Kalifornien, entdeckt einen erschöpften Mann in einem Schuppen am Stadtrand. Er trägt kaum Kleidung und wirkt völlig verängstigt. Bald stellt sich heraus: Der Fremde gehört zu den Yahi, einer kleinen indigenen Gemeinschaft aus Nordkalifornien, von der viele glaubten, sie sei längst verschwunden.
Wissenschaftler bringen ihn nach San Francisco. Dort erhält er einen Namen: Ishi. In seiner Sprache bedeutet das schlicht "Mensch". Er lebt mehrere Jahre im Museum, fertigt Pfeilspitzen, zeigt Besuchern traditionelle Techniken und erzählt von seiner Kultur.
Seine Geschichte steht zugleich für Gewalt und Verlust: Mit dem Goldrausch kamen Siedler ins Land, viele indigene Gemeinschaften wurden vertrieben oder ausgelöscht. Ishi stirbt am 25. März 1916 an Tuberkulose. Erst im Jahr 2000 werden seine sterblichen Überreste in das Gebiet seiner Vorfahren zurückgebracht, wo er schließlich beigesetzt wird.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Frank Usbeck, Kurator für die Amerika-Sammlungen bei den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens
- Orin Starn: Ishi’s Brain. In Search of America’s Last "Wild" Indian, New York 2004
- Theodora Kroeber: Der Mann, der aus der Steinzeit kam, München 1961
Weiterführende Links:
- Zeitzeichen: Keine Heldengeschichte im Wilden Westen - Der Indian Removal Act
- Zeitzeichen: Vertrag von Greenville 1795 - Indigene Völker verlieren ihr Land
- Zeitzeichen: Tecumseh, Indianerhäuptling (Todestag 05.10.1813)
- Zeitzeichen: USA - Indianer erhalten Bürgerrechte (am 02.06.1924)
Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
Gerne her damit: Einfach schreiben an zeitzeichen@wdr.de
Wir freuen uns auch über Bewertungen auf der Podcast-Plattform des Vertrauens!
Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in ARD Sounds und überall da, wo es Podcasts gibt.
Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autoren: Markus Harmann und Joachim Heinz
Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins ]]>