Schussgeräusche: Bürgermeisterkandidat berichtet von Schüssen - Ermittlungen
Die anstehende Bürgermeisterwahl in Ueckermünde sorgt derzeit für Schlagzeilen, aber nicht etwa wegen politischer Diskussionen.
Im Umfeld der bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Ueckermünde geht die Polizei Geräuschen nach, die ein Kandidat als gegen ihn gerichtete Schüsse wertet. Polizisten waren deswegen am Samstagabend in Berndshof in Ueckermünde im Einsatz, wo der Kandidat wohnt, wie die Polizei mitteilte. Er hatte demnach zweimaliges Knallen vernommen und von Schüssen gesprochen. Verletzt wurde niemand.
Den Angaben zufolge wurden Ermittlungen gegen Unbekannt wegen versuchten Totschlags aufgenommen. "Ein etwaiger politischer Hintergrund sowie die genauen Umstände des Sachverhalts müssen nun ermittelt werden", so die Polizei. "Angaben zu den Geschädigten werden aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte nicht mitgeteilt."
Die Polizei prüft nach eigenen Angaben auch etwaige Zusammenhänge mit weiteren jüngsten Vorkommnissen. Demnach war ein anderer Bürgermeisterkandidat wiederholt von Sachbeschädigungen betroffen. Nach früheren Polizeiangaben waren Scheiben eines Bürgerbüros des Kandidaten eingeschlagen worden. Eine Polizeisprecherin bestätigte zudem, dass auch wegen zerstochener Reifen des Autos sowie Brandspuren vor dem Wohnhaus dieses Kandidaten ermittelt wird. Es hätten bereits Vernehmungen stattgefunden.
Wahlleiter verurteilt Vorfälle
Im Umfeld einer Podiumsdiskussion, zu der in Ueckermünde am Sonntag alle Bürgermeisterkandidaten eingeladen waren, ist zudem die Seitenscheibe eines Polizeiautos mit einem Stein eingeworfen worden. Laut Polizei saßen zum Zeitpunkt der Tat zwei Beamte in dem Streifenwagen. Sie waren demnach zur Absicherung der Veranstaltung im Einsatz, die in einem nahegelegenen Kino stattfand. Den Angaben zufolge ging die hintere linke Seitenscheibe zu Bruch. Der Stein, der nicht durch die Scheibe gelangte, wurde demnach sichergestellt. Die Polizisten setzten ihren Einsatz fort.
Am 12. April soll Ueckermünde einen neuen Bürgermeister wählen. Eine mögliche Stichwahl ist bei Bedarf für den 26. April geplant. Sieben Kandidaten gibt es.
Innenminister kündigt stärkere Polizeipräsenz an
Nach Aussage des Schweriner Innenministers wird die Polizei verstärkt Präsenz in der Region Ueckermünde zeigen. Die Ereignisse machten ihm große Sorgen, erklärte Christian Pegel (SPD). "Nicht nur wegen der Sachverhalte selbst, sondern auch wegen der offenbar beabsichtigten Ziele. Menschen von ihrer demokratischen Teilhabe abzuhalten, Kandidatinnen und Kandidaten einzuschüchtern und eine freie Wahl zu untergraben, verurteile ich aufs Schärfste." Eine Demokratie lebe davon, dass alle Menschen ohne Angst wählen und kandidieren können. "Wer das durch Gewalt zu verhindern versucht, hat unsere Demokratie nicht verstanden und wird die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen."
Der Wahlleiter und erste stellvertretender Bürgermeister Sven Behnke sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Als Wahlleiter, als Mitarbeiter der Verwaltung und als Mensch, der in Ueckermünde lebt, kann man das Ganze natürlich nur verurteilen." Er könne die Häufung der Vorfälle nicht erklären. "Auf die Frage hin, ob es so was in Ueckermünde schon mal gab, kann ich natürlich sagen: Nein, auf jeden Fall nicht in solchen Dimensionen. Ist mir zumindest nicht bekannt." Er lebe schon lange in der Stadt, sagte Behnke.