Blau-Weiß kämpft gegen Viertelfinal-Aus!
Der EC iDM Wärmepumpen VSV kämpft am morgigen Dienstag (19:15 Uhr, live auf sporteurope.tv sowie im Radio Kärnten Eishockey-Magazin) gegen das Aus im Viertelfinale der win2day ICE Hockey League. Nach drei Niederlagen in Serie liegen die Adler gegen die Moser Medical Graz 99ers in der Best-of-Seven-Serie mit 0:3 zurück und stehen damit mit dem Rücken zur Wand.
Die Ausgangssituation
Der EC iDM Wärmepumpen VSV kämpft am Dienstagabend in der heimischen Stadthalle um das sportliche Überleben in der Viertelfinalserie der win2day ICE Hockey League gegen die Moser Medical Graz 99ers. Nach drei Niederlagen liegen die Adler in der Best-of-Seven-Serie mit 0:3 zurück – eine weitere Niederlage würde das vorzeitige Saisonende bedeuten. Dennoch zeigt sich das Lager der Villacher kämpferisch: Das Ziel ist klar, die Serie noch einmal nach Graz zurückzubringen und sich anschließend von Spiel zu Spiel vorzuarbeiten.
Dabei fällt der bisherige Serienverlauf knapper aus, als es der Spielstand vermuten lässt. In allen drei Begegnungen präsentierte sich der VSV spielerisch, optisch und statistisch weitgehend auf Augenhöhe mit den Steirern. Der entscheidende Unterschied lag bislang in der Chancenverwertung. Den Adlern gelang es in jedem der drei Spiele lediglich einen Treffer zu erzielen – gegen ein defensivstarkes Team wie Graz ist das schlicht zu wenig.
Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht dieses Problem deutlich: Insgesamt brachte Villach in den ersten drei Duellen 92 Schüsse auf das gegnerische Tor, daraus resultierten jedoch nur drei Treffer. Die Scoring Efficiency liegt damit bei lediglich 3,2 Prozent – statistisch gesehen findet also nur etwa jeder 31. Schuss den Weg ins Tor. Zum Vergleich: Im Grunddurchgang lag die Abschlussquote der Blau-Weißen noch bei etwas mehr als neun Prozent.
Historisch betrachtet betreten die Villacher dennoch kein völlig unbekanntes Terrain. Seit der Liganeugründung in der Saison 2001/02 hat der VSV in einer Playoff-Serie noch nie mit 0:4 gegen einen Ligakonkurrenten verloren. Mehrfach lagen die Adler in kürzeren Best-of-5-Serien bereits mit 0:2 zurück und mussten sich schließlich mit 0:3 geschlagen geben.
Auch ein 0:3-Rückstand ist in der jüngeren Vergangenheit nicht neu: In der Saison 2023/24 stemmte sich Villach im Viertelfinale gegen den HC Bozen noch einmal mit einem klaren 6:1-Heimsieg gegen das Aus, verlor die Serie letztlich aber auswärts mit 1:4. Trainer der Blau-Weißen war damals Marcel Rodman.
Das einzige Mal in der Ligageschichte, dass ein Team in einer Serie einen 0:3-Rückstand noch drehen konnte, hatte ebenfalls eine Verbindung zu Rodman – allerdings auf der anderen Seite. Damals führten die Vienna Capitals bereits mit 3:0 gegen den EHC Black Wings Linz, mussten sich am Ende jedoch sensationell noch mit 3:4 geschlagen geben. Besonders kurios: In Spiel fünf lagen die Wiener bereits komfortabel mit 4:1 voran, kassierten dann jedoch drei Shorthander – also Gegentore in eigener Überzahl.
Der Blick auf den Grunddurchgang unterstreicht dennoch die Ausgangslage. Der VSV beendete die reguläre Saison nach 48 Spielen mit 21 Siegen und 27 Niederlagen. Offensiv erzielten die Blau-Weißen 148 Treffer, defensiv mussten sie 156 Gegentore hinnehmen, was in der Endabrechnung ein Torverhältnis von minus acht ergab.
Ganz anders die Ausgangsbasis der Grazer: Die Moser Medical Graz 99ers sicherten sich erst in der letzten Runde noch Rang eins vor dem EC-KAC und damit den Sieg im Grunddurchgang. Aus 48 Partien resultierten 34 Siege bei lediglich 14 Niederlagen, was einem Punkteschnitt von 2,12 entspricht. Mit 163 erzielten Treffern und nur 102 Gegentoren stellten die Steirer zudem die beste Defensive der Liga und wiesen mit +61 auch das klar beste Torverhältnis auf.
Auch wenn Formkurven im Playoff-Modus rasch an Bedeutung verlieren und letztlich nur das direkte Duell auf dem Eis zählt, lohnt sich ein Blick auf die Statistik. Historisch ist diese Viertelfinalserie dennoch ein Novum: Seit der Liganeugründung kam es noch nie zuvor zu einer Playoff-Serie zwischen dem VSV und den Grazern. Allerdings gibt es Parallelen in der Vergangenheit. Vor der Gründung der heutigen 99ers spielte in der steirischen Landeshauptstadt der EC Graz – die sogenannten „Elefanten“. Gegen diese Organisation bestritt Villach mehrere Playoff-Serien in den frühen 1990er-Jahren, die letztlich auch zu zwei Meistertiteln führten: 1991/92 und 1992/93 krönte sich der VSV jeweils nach Finalerfolgen gegen den EC Graz zum österreichischen Champion.
Der Gegner im Fokus: Moser Medical Graz 99ers
Die Moser Medical Graz 99ers gehen in der laufenden Saison mit einem überwiegend neu formierten Kader an den Start. Seit dem Einstieg von Mäzen Herbert Jerich in der vergangenen Spielzeit investierten die Steirer gezielt in namhafte Verstärkungen und hoben die Qualität des Teams deutlich an. Trotz des großen personellen Umbruchs blieben einige Konstanten erhalten, die weiterhin das sportliche Rückgrat der Mannschaft bilden: Kevin Roy, Markus Vela, Lukas Haudum, Paul Huber sowie der deutsche Verteidiger Korbinian Holzer geben dem Grazer Spiel Stabilität und Struktur.
Das Angriffsspiel wird durch mehrere zentrale Neuzugänge ergänzt. Besonders hervorzuheben ist Chris Collins, der vier Jahre lang für die Villacher Adler auflief und in dieser Zeit 70 Treffer erzielte. Ebenfalls neu im Kader ist Torhüter Maxim Lagacé, der aus der schwedischen SHL nach Graz wechselte. In den vergangenen beiden Jahren stand der 33-Jährige bei Färjestad BK zwischen den Pfosten und bringt zudem NHL-Erfahrung aus insgesamt 20 Einsätzen für Tampa Bay Lightning, Vegas Golden Knights und Pittsburgh Penguins mit.
Für zusätzliche Qualität in der Defensive sorgt der erfahrene Nick Bailen, der bereits in der finnischen Liiga, der DEL sowie der KHL aktiv war und in der Vorsaison phasenweise für die Steirer zum Einsatz kam. Auch an der Bande vollzogen die Grazer einen markanten Schnitt: Trainer Harry Lange, der den sportlichen Umbruch zunächst begleitete, wurde mittlerweile durch den Kanadier Dan Lacroix ersetzt. Unter seiner Führung präsentierte sich die Mannschaft deutlich stabiler, erfolgreicher und spielfreudiger, was sich auch in der starken Bilanz seit Mitte November widerspiegelt.
Zusätzliche Brisanz erhält das bevorstehende Viertelfinale aus Villacher Sicht durch mehrere Akteure mit blauweißer Vergangenheit im Grazer Kader. Nicolas Wieser, gebürtiger Villacher, absolvierte den Großteil seiner Nachwuchsausbildung beim VSV, während Nico Brunner ebenfalls aus der Villacher Talenteschmiede stammt und rund ein Jahrzehnt lang das blauweiße Trikot trug. Komplettiert wird das Trio durch Chris Collins, der ebenfalls vier Saisonen lang in Villach auf Torejagd ging.
Bei den Grazern gilt es besonders auf zwei Schlüsselspieler zu achten: Lukas Haudum, gebürtiger Oberösterreicher, der den Großteil seiner Karriere beim EC KAC verbrachte, kommt in 49 Saisonspielen auf 10 Tore und 46 Assists (56 Punkte) bei einer Plus-Minus-Wertung von +24. Nick Bailen steuerte in 40 Partien 11 Tore und 41 Assists bei – insgesamt 52 Punkte, ein Punkteschnitt von 1,30 und eine Plus-Minus-Wertung von +18.
Die meisten Tore erzielte wie erwartet Chris Collins: In 46 Spielen brachte er es auf 22 Treffer und 13 Assists (35 Punkte insgesamt), bei der besten Plus-Minus-Wertung des Teams (+24) und einer Scoring-Efficiency von 17,4 %, ebenfalls teamintern Spitze.
In den Special Teams sind die Steirer ebenfalls beeindruckend: Im Powerplay rangieren sie mit 40 Treffern aus 163 Möglichkeiten (24,54 %) auf Platz eins der Liga, in Unterzahl kassierten sie nur 22 Gegentreffer in 152 Situationen (85,53 %), ebenfalls Platz eins. Torhüter Lagacé unterstreicht die Dominanz zusätzlich: 38 Einsätze, 73 Gegentore, Gegentorschnitt 1,92, Fangquote 92,44 %, 11,03 mehr Tore pariert als statistisch erwartet und eine Fangquote von 87,00 % bei Schüssen aus dem Slot.
Auch in den Faceoffs zeigen die Grazer ihre Stärke: Insgesamt gewinnen sie 53,84 % ihrer Bullys, getragen von Haudum (57,31 %), Markus Vela (54,92 %) und Michael Schiechl (54,52 %). Statistisch gesehen erzeugen die Steirer über 60 Minuten im Schnitt 1,26 erwartete Tore mehr als ihre Gegner, gewinnen 52,96 % ihrer Zweikämpfe und verfügen zudem über den meisten Puckbesitz der Liga. Im Durchschnitt halten sie den Puck fast 4 Minuten und 32 Sekunden länger in der Offensivzone als in der Defensive.
Der EC iDM Wärmepumpen VSV im Fokus
Der EC iDM Wärmepumpen VSV präsentierte sich bereits in den letzten Spielen des Grunddurchgangs sowie in den Pre-Playoffs in klar ansteigender Form. Besonders der überzeugende 2:0-Serienerfolg gegen die Steinbach Black Wings Linz unterstrich, dass die Adler rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase Stabilität gefunden hatten.
Entsprechend selbstbewusst ging Villach auch in die Viertelfinalserie gegen die Moser Medical Graz 99ers und konnte den Steirern über weite Strecken der ersten drei Spiele durchaus Paroli bieten. Dennoch offenbarte sich in allen drei Begegnungen ein zentrales Problem: die mangelnde Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Den Adlern gelang es in jeder Partie lediglich einen Treffer zu erzielen – klarerweise zu wenig, um gegen ein defensivstarkes Team wie Graz bestehen zu können.
Dabei mangelte es keineswegs an Offensivaktionen. Die zugrunde liegenden Statistiken zeigen, dass der VSV durchaus genügend Chancen kreierte: In Spiel eins erspielten sich die Villacher 3,49 erwartete Tore (xG), in Spiel zwei 3,91 und in Spiel drei 2,39. Insgesamt kommt der VSV somit auf 9,79 erwartete Tore, tatsächlich gelangen jedoch nur drei Treffer – beinahe sieben weniger, als statistisch prognostiziert.
Ganz anders die Situation auf Grazer Seite: Die Steirer bewegten sich mit zehn erzielten Toren aus 11,2 erwarteten Treffern nahezu exakt im statistischen Soll. Auch die reine Abschlussquote verdeutlicht den Unterschied. Die Adler brachten in den drei Spielen insgesamt 92 Schüsse auf das Tor, verwerteten davon jedoch nur drei – das entspricht einer Scoring Efficiency von lediglich 3,2 Prozent.
Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die sogenannten „Grade-A-Chancen“. Allein im dritten Duell erspielten sich die Villacher acht hochkarätige Möglichkeiten, konnten jedoch erneut nur eine davon verwerten.
Abseits der Chancenverwertung präsentierte sich der VSV allerdings durchaus stabil. Besonders Verteidiger Thomas Vallant zeigte erneut eine kämpferische Leistung. In 16 Minuten und 44 Sekunden Eiszeit verbuchte er vier Hits, zwei geblockte Schüsse, gewann 52,21 Prozent seiner Zweikämpfe und überzeugte zudem mit einer Erfolgsquote von 84,62 Prozent bei Zonenaustritten.
Auch Schlussmann Joe Cannata bestätigte einmal mehr seine starke Form. Von 39 Grazer Torschüssen parierte er 36 und kam damit auf eine Fangquote von 92,30 Prozent. Für Cannata war es bereits die achte Partie in Folge mit einer Save-Percentage von über 90 Prozent. Zudem übertraf er zum zehnten Mal hintereinander den statistisch erwarteten Wert verhinderter Gegentore.
Auch im körperlichen Spiel hielten die Blau-Weißen dagegen. Mit 40 Hits und 18 geblockten Schüssen zeigte sich Villach erneut äußerst engagiert und versuchte, die Grazer Offensive konsequent aus den gefährlichen Bereichen vor dem Tor fernzuhalten.
Verbesserungspotenzial offenbarte hingegen das Spiel beim Verlassen der eigenen Zone: Hier lag die Erfolgsquote lediglich bei 79,69 Prozent.
An der Spitze der internen Scorerwertung hat sich aufgrund der torarmen Serie wenig verändert. Topscorer bleibt weiterhin Adam Helewka, der nach 51 Einsätzen bei 26 Toren und 22 Assists hält und damit 48 Punkte gesammelt hat. Dahinter folgt Nikita Scherbak mit 45 Punkten aus 48 Spielen (10 Tore, 35 Vorlagen).
Eine längere Durststrecke erlebt derzeit hingegen John Hughes: Der Villacher Routinier wartet seit dem 22. Februar – damals gegen die Pioneers Vorarlberg – auf einen weiteren Scorerpunkt und ist damit seit mittlerweile sieben Spielen ohne Zähler.
Viertelfinale 4 | Dienstag, 17. März 2026 | 19:15
EC iDM Wärmepumpen VSV – Moser Medical Graz99ers
Stadthalle Villach (Villach, Österreich)