Neustarts: Weltrettungsversuch Nummer 118, viel Spaß dabei: Das sind die Kino-Highlights der Woche
"The Testament of Ann Lee", "Nouvelle Vague" und "Good Luck, Have Fun, Don't Die", ein absurdes Science-Fiction-Abenteuer, in dem Sam Rockwell als Zeitreisender die Welt retten möchte: Das sind die Kino-Neustarts am 12. März.
Stell dir vor, es liegt an einem einzigen Menschen, die Welt vor dem Untergang zu retten, und dann steht da ein völlig zerlumpter Sam Rockwell im Cyberpunk-Penner-Dress, um den Job zu erledigen: Soll das ein Witz sein? Ja und nein. Rockwell genießt ein hohes Ansehen in Hollywood (Oscar als bester Nebendarsteller für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"), spielt in der Regel aber doch eher linkische und wenig sympathische Figuren – kein klassischer Kinoheld. Die Bedrohung, mit der er es in Gore Verbinskis "Good Luck, Have Fun, Don't Die" zu tun hat, ist jedoch definitiv mehr als nur ein alberner Gag.
Außerdem neu im Kino: Das Musical-Drama "The Testament of Ann Lee" erzählt von einer Sektenführerin, die als "weiblicher Christus" verehrt wird, und Richard Linklater verneigt sich mit "Nouvelle Vague" vor der gleichnamigen französischen Filmemacher-Bewegung der 50er- und 60er-Jahre.
Good Luck, Have Fun, Don't Die
Gore Verbinski hat zweifellos Sinn für Humor und mag Protagonisten abseits der Norm. Am eindrucksvollsten zeigte sich das in seinen drei "Fluch der Karibik"-Filmen mit Johnny Depp als ikonischem Captain Jack Sparrow. Es zeigt sich auch jetzt wieder in der durchgeknallten Science-Fiction-Komödie "Good Luck, Have Fun, Don't Die", der ersten Regie-Arbeit von Verbinski seit immerhin zehn Jahren ("A Cure for Wellness").
Die Geschichte beginnt in irgendeinem gewöhnlichen Diner in Los Angeles. Da sitzen alle möglichen Menschen beim Essen, und dann kommt plötzlich ein "Mann aus der Zukunft" (Sam Rockwell) durch die Tür. Er erklärt, dass er bereits 117 Mal hier war, um ein Team zu rekrutieren, dass die Versklavung der Welt durch eine böse Künstliche Intelligenz verhindern soll. Man lacht ihn aus, wenig überraschend. Als der Zeitreisende allerdings damit droht, das Diner in die Luft zu jagen, nimmt Weltrettungsversuch Nummer 118 doch seinen Lauf.
"In diesem Film ist unsere Zukunft so verkorkst, dass sie uns nicht Arnold Schwarzenegger geschickt hat – sie hat uns Sam Rockwell geschickt!", erklärt Gore Verbiksi die Besetzung der Hauptrolle. "Als hätte jemand gesagt: 'Sorry, sämtliche Helden sind tot, das ist alles, was wir haben."' Der Regisseur und Produzent (Drehbuch von Matthew Robinson) sieht seinen "Mann aus der Zukunft" irgendwo zwischen Absurdität, Comedy, tiefem Pathos und Schmerz – eine tragikomische Figur, der eine gewisse "Traurigkeit" anhaftet. Neben Sam Rockwell stehen unter anderem auch Michael Peña, Juno Temple, Haley Lu Richardson und Zazie Beetz auf der Besetzungsliste.
The Testament of Ann Lee
"Wie viele großformatige Geschichten über männliche Ikonen haben wir schon gesehen, wie viele Geschichten, wieder und wieder und wieder", klagte Regisseurin und Autorin Mona Fastvold im Spätsommer 2025 bei den Filmfestspielen in Venedig. "Können wir nicht auch mal so eine Geschichte über eine Frau sehen?" Genau so eine Geschichte bringt die Norwegerin nun in Zusammenarbeit mit ihrem Lebenspartner und Co-Autor Brady Corbet selbst auf die Leinwand.
Frauen, die "Geschichte schrieben" und zu Ikonen wurden – je weiter man in der lange von Männern dominierten Geschichtsschreibung zurückblickt, desto schwerer sind sie zu finden. Die Frau, die Mona Fastvold in den Blick nimmt, kam 1736 als Tochter eines Grobschmieds im britischen Manchester zur Welt. Ihr wurden kein Reichtum und kein großer Name in die Wiege gelegt, und doch erlangte Ann Lee weltweite Bekanntheit: als Gründerin der "Shaker"-Bewegung, einer Sekte, die für ihre wilden Tänze und Gesänge bekannt war (deshalb auch der Name "Shaker") und von einer neuen, besseren Welt träumte.
Im Film von Mona Fastvold, der das Leben und Wirken von Ann Lee als "epische Fabel" in Musical-Drama-Form nacherzählt, wird die Titelheldin von Amanda Seyfried ("Mamma Mia!", "Mank") verkörpert. Mehrere Kritikerinnen und Kritiker attestierten Seyfried zuletzt schon die beste Schauspiel-Leistung ihrer bisherigen Karriere. Unter anderem war die US-Amerikanerin mit ihrer Darbietung als Ann Lee, die von ihrer Anhängerschaft im Film als "weiblicher Christus" verehrt wird, auch für einen Golden Globe in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin (Komödie oder Musical)" nominiert.
Nouvelle Vague
Geschichten für die breite Masse: kann Richard Linklater. Man denke etwa an die Heavy-Metal-Komödie "School of Rock" (2003) mit Jack Black, die bis heute Kultstatus genießt. Als Filmemacher glänzte Linklater in der Vergangenheit aber vor allem dann, wenn er sich an etwas speziellere Stoffe wagte. So wie etwa die visuell einzigartige Science-Fiction-Dystopie "A Scanner Darkly" (2006) oder das Langzeitprojekt "Boyhood", das über einen Zeitraum von zwölf Jahren entstand. Das Werk, das jetzt in den Kinos startet, gehört wohl auch eher zu Linklaters "spezielleren" (weil nerdigeren) Produktionen – und nach Meinung der allermeisten Kritiker zu seinen besten.
Richard Linklater hat diesmal einen Film über einen Film gedreht, könnte man sagen. Aber nicht irgendeinen Film, sondern einen, der stellvertretend für die titelgebende "Nouvelle Vague" steht und damit für eine echte Kino-Revolution. Und die Figuren in diesem Film haben große Namen: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, François Truffaut, Juliette Gréco, Claude Chabrol, Jean Cocteau, Roberto Rossellini, Jean-Luc Godard. Vor allem Letzterer, verkörpert von Guillaume Marbeck, steht im Fokus.
Mit "Nouvelle Vague" taucht Richard Linklater tief ein in die französische Künstlerszene der späten 50er-Jahre – eine Zeit, als sich viele Bereiche des Kulturbetriebs grundlegend wandeln und dabei insbesondere auch der Film. Der junge Regisseur Jean-Luc Godard arbeitet gerade an der Verwirklichung seines ersten eigenen Films. Viel Geld hat er nicht, aber eine Vision. Am Ende wird er mit "Außer Atem" einen der bedeutendsten Kinofilme aller Zeiten drehen. Als große Kinokunst wird indes auch Richard Linklaters lässig-charmanter Schwarzweiß-Blick auf die Entstehung dieses Meisterwerks gefeiert. Bei der Verleihung der Césars 2026 gewann "Nouvelle Vague" vier der begehrten Auszeichnungen (unter anderem auch die für die beste Regie).