Von Derbyehre und Ranglistendruck
Handball, 1. Liga
Samstag, 20 Uhr
BBZ, Willisau
STV Willisau – TV Dagmersellen
Morgen Samstag treffen die Handballer aus Willisau und jene aus Dagmersellen zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. In den beiden jüngsten Derbys behielt der TVD jeweils hauchdünn die Oberhand. Nun wollen die Willisauer vor Heimpublikum den Spiess umdrehen.
von Patrik Birrer
Beim STV Willisau denken sie nur ungern an den 8. November zurück. Obwohl die Hinterländer damals in der Dagmerseller Chrüzmatthalle lange alles im Griff hatten und zwischenzeitlich mit sechs Toren Vorsprung führten, standen sie am Ende mit leeren Händen da. Erst in der 59. Minute riss der TVD erstmals die Führung an sich. Es reichte, um schliesslich mit 27:26 als Sieger von der Platte zu gehen und zum zweiten Mal in Folge ein fast identisch verlaufenes Derby mit einem Tor Unterschied zu gewinnen.
Die Dagmerseller werden morgen Samstag also trotz der jüngsten 30:40-Abfuhr gegen die SG Kriens-Emmen mit guten Gefühlen nach Willisau fahren. Allzu hoch hängen will TVD-Trainer Thomas Graber die gute Derby-Bilanz mit zwei Siegen und einem Unentschieden aus den letzten drei Vergleichen aber nicht. «Davon können wir uns nichts mehr kaufen. Auf der anderen Seite haben wir dadurch aber die Gewissheit, sie schlagen zu können. Selbst wenn bei uns phasenweise nicht alles nach Plan läuft.»
Die Abwehr als Schlüssel
Auch auf Willisauer Seite geben sie nicht allzu viel auf die zuletzt unerfreulichen Derbyresultate. «Logisch hätten wir das Hinspiel nur zu gern gewonnen. Und wir hätten es auch gewinnen können, ja müssen», sagt Trainer Frank Stein. Doch es bringe nichts, zurückzuschauen. Er erwartet wiederum ein umkämpftes und ausgeglichenes Spiel zweier Teams auf Augenhöhe. «Wir haben die Fähigkeiten, um die Dagmerseller zu schlagen. Aber wir müssen unser Können konstant über 60 Minuten abrufen, sonst reicht es nicht.» Insbesondere in der Abwehr offenbarten die Willisauer im Verlauf der Saison immer wieder Schwächen. 619 Gegentore in 18 Partien (das sind im Schnitt mehr als 34 Gegentreffer pro Spiel) sprechen eine klare Sprache. Nur bei den in der Tabelle abgeschlagenen Aufsteigern Mythen-Shooters (35,4) und Seetal (36,2) ist dieser Wert noch höher. Wenn wie zuletzt in Frick selbst 39 erzielte Tore nicht zu einem Punktgewinn reichten, sei das frustrierend und enttäuschend, so Frank Stein. Für ihn ist klar: «Verteidigen ist in erster Linie eine Sache des Willens. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und unser Tor mit aller Kraft verteidigen wollen.» Wenn ihnen das gelinge, dann stünden die Chancen auf den ersten Willisauer Derbysieg seit Januar 2024 gut. Denn die Angriffsmaschinerie läuft praktisch immer auf Hochtouren. 608 erzielte Treffer sind aktuell der drittbeste Wert hinter den Topteams Siggenthal/Baden-Endingen und EhrEndingen Celtics.
Eine stabile Defensive als Grundlage für ein erfolgreiches Derby. Was die Willisauer anstreben, gilt auch für den TV Dagmersellen. Thomas Graber, der das Team zusammen mit Angela Dolder trainiert, sagt: «Unsere Deckung war zuletzt nicht gut. Wir müssen uns steigern.» Ein Teil der TVD-Hoffnungen beruht auf der Rückkehr der Defensivspezialisten Alain Glur und Niklas Graber. Beide können aufgrund ihres Militärdiensts die ganze Saison nicht mit dem Team trainieren. Gleichwohl erhoffen sich die Dagmerseller von ihnen zusätzliche Körperlichkeit und Wucht in der Abwehr sowie eine willkommene Entlastung für die übrigen Aufbauer.
Ein junger und ein routinierter Topscorer
Zwei, die alles daransetzen werden, damit die gegnerische Defensivreihe auch morgen Samstag nicht brillieren kann, sind die beiden Topscorer. Aufseiten der Willisauer ist dies mit aktuell 132 Treffern Leon Schacher. Obwohl erst 18-jährig, füllt er die Rolle als Spielmacher in der zentralen Rückraumposition beeindruckend abgeklärt aus. «Es hilft mir, dass die meisten von uns schon lange zusammenspielen und wir uns sehr gut kennen», meint er bescheiden. Er versuche, auch in entscheidenden Momenten Verantwortung zu übernehmen. «Manchmal fehlt mir noch etwas die Erfahrung. Aber ich lerne stetig dazu und versuche, dem Team in jeder Situation so gut wie möglich zu helfen.» Nach den letzten beiden für sie bitter verlaufenen Derbys zähle nun nur der Sieg. «Diese Niederlagen schmerzten. Aber sie werden uns nicht hemmen. Vielmehr sind sie ein zusätzlicher Ansporn, es am Samstag besser zu machen.»
Kein Jungspund, sondern ein gestandener Routinier ist der TVD-Topscorer. Urs Oggier trägt einen Grossteil der offensiven Verantwortung beim in den vergangenen beiden Jahren deutlich verjüngten Team aus Dagmersellen. Zusätzlichen Druck verspüre er deswegen nicht. «Klar ist meine Rolle mittlerweile eine andere. Aber ich habe genug erlebt und spiele nach wie vor sehr gerne Handball. Wenn ich den Jungen etwas mitgeben kann, dann ist das umso schöner.» Dem Derby blickt der 31-Jährige, der in dieser Saison schon 138 Tore erzielt hat, zuversichtlich entgegen. «Wir müssen wie in jedem Spiel möglichst nahe an unsere Topleistung herankommen. Aber wenn wir das schaffen, können wir den Willisauern wieder wehtun.»
Ungemütliche Tabellenlage
Als böte das Derby allein nicht schon genug Brisanz, stecken beide Teams – ganz ähnlich wie im Vorjahr – mitten im Abstiegskampf. Für den TVD dürfte es bei einer Niederlage in Willisau sehr schwierig werden, der neuerlichen Barrageteilnahme noch zu entgehen. Diese nicht besonders erfreuliche Aussicht lässt Trainer Thomas Graber aber einigermassen kalt. «Unsere Entwicklung überrascht mich positiv. Wir sind auf bestem Weg, den direkten Abstieg zu vermeiden. Das ist ein erster Erfolg für uns. Wir werden bis zuletzt um Rang 9 kämpfen, aber die Barrage wäre keine Katastrophe für uns», sagt er.
Etwas anders sieht die Gemütslage beim STV Willisau aus. Rang 10 nach drei Vierteln der Meisterschaft ist nicht das, was man sich erhofft hatte. Auch deshalb sagt Trainer Frank Stein: «Alle noch ausstehenden Partien sind für uns extrem wichtig. Die erste ist am Samstag das Derby. Wir wollen und müssen unbedingt punkten.» Klar ist: Mit einem Derbysieg könnten beide Teams nicht nur ihre eigene Tabellensituation verbessern, sondern zusätzlich den Lokalrivalen weiter in Bedrängnis bringen.
Handball. 1. Liga, Gruppe 2 – Spiele vom Wochenende: HSG Siggenthal/Baden-Endingen – SG Handball Seetal. HC KTV Altdorf – SG Kriens-Emmen. SG TSV Frick – TV Muri (alle Sa, 18 Uhr). HSG Mythen-Shooters – SG Horgen/Wädenswil (Sa, 18.30 Uhr). STV Willisau – TV Dagmersellen (Sa, 20 Uhr). HSG EhrEndingen Celtics – SG HSC Suhr Aarau II (So, 16 Uhr). – Rangliste: 1. Siggenthal/Baden-Endingen 18/32; 2. EhrEndingen Celtics 18/28; 3. Muri 18/24; 4. Kriens-Emmen 17/22; 5. Altdorf 17/20 (+43); 6. Horgen/Wädenswil 19/20 (+34); 7. Muotathal 19/18; 8. Suhr Aarau II 18/17 (-7); 9. Frick 18/17 (-24); 10. Willisau 18/16; 11. Dagmersellen 19/14; 12. Mythen-Shooters 17/4; 13. Seetal 18/2.