Biathlon zählt zu den in Deutschland beliebtesten Sportarten bei den Olympischen Winterspielen. Doch nach einer Wettkampfwoche ist noch Luft nach oben. Aus Antholz berichtet Benjamin Zurmühl. Der Start konnte sich sehen lassen. Beim ersten Olympia-Wettkampf im Biathlon holte Deutschland in diesem Jahr eine Medaille. Bronze gewann die deutsche Mixed-Staffel hinter den Olympiasiegern aus Frankreich und den zweitplatzierten Italienern. Biathletin Franziska Preuß wollte den Erfolg nutzen, um auf der "Welle weiter zu surfen". Und Felix Bitterling, DSV-Sportdirektor Biathlon, betonte: "Ich habe es im Vorfeld gesagt, dass so eine frühe Medaille einfach mit einem Team etwas macht, etwas auslöst. Danach fallen dann einfach Dinge relativ natürlich ineinander." Leider sollten Preuß und Bitterling damit nicht recht behalten, zumindest nicht im Hinblick auf die weiteren Wettkämpfe der ersten Woche. Keine einzige Medaille kam hinzu. Dabei war es mehrfach knapp. Vanessa Voigt wurde Vierte im Einzel, Philipp Nawrath Fünfter. Franziska Preuß hätte ohne Fehler beim letzten Schießen im Einzel und in der Verfolgung wohl eine Medaille mitnehmen können. Wo steht Deutschland? Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 Olympia-Sportart verändert: "Das ist dumm" Nach zwölf Jahren warten : Gold für Deutschland So hängt das deutsche Biathlon-Team weit hinter der Konkurrenz aus Frankreich (acht Medaillen) und Norwegen (sieben) zurück. Auch Italien und Schweden waren in Antholz erfolgreicher. Ein herber Rückschlag für die einst dominante Biathlon-Nation Deutschland. Der Traum von einem "Sternetag" Viel Optimismus versprühten die DSV-Olympioniken nach der Verfolgung am Sonntag nicht. Vor allem Justus Strelow war sichtlich genervt. Der sonst so starke Schütze leistete sich vier Fehler am Schießstand und verpasst damit am Freitag den Massenstart. "Das kann ich mir selber nicht so ganz erklären. Ich habe probiert, mich nach dem ersten Fehler zusammenzureißen, hat diesmal leider nicht geklappt", sagte er. Was Strelow aber danach sagte, ließ aufhorchen. Auf die Frage, ob er bei einem perfekten Rennen ohne Schießfehler und mit gutem Laufen die Chance auf eine Medaille hätte, antwortete er: "Bei den aktuellen Leistungen eher nicht." Für deutsches Edelmetall müsse ohnehin "schon alles zusammenpassen". Auch Sportdirektor Bitterling zog im Hinblick auf die bisherige Herrensaison inklusive der ersten Olympiawoche ein ähnlich ernüchterndes Zwischenfazit: "Es ist kein Geheimnis: Wenn die schnellsten Läufer vorne sind und auch noch super schießen, dann ist es schwer. Wir brauchen einen Sternetag, um wirklich ganz vorne anzugreifen." Dieser Sternetag, an dem alles perfekt laufe, sei aber möglich, betonte Bitterling. Jeder Fehler wird bestraft Die Meinung, dass die deutschen Chancen in den Einzelwettkämpfen schon einmal größer waren, hat Bitterling nicht exklusiv. "Für Gold muss alles passen", sagte Olympiasieger Arnd Peiffer , der am Sonntag in Antholz zu Gast war. "Wenn man mal einen richtig guten Tag erwischt, der Ski passt und man gut durchkommt, ist für die Philipps (Philipp Horn und Philipp Nawrath, Anm. d. Red.) etwas möglich. Die Chance ist immer da, aber es ist verdammt schwer. Ich stand oft genug selbst neben oder auch weiter entfernt vom Podium, daher weiß ich, man kann es nicht erzwingen." Auch Simon Schempp , mit dem Peiffer 2014 olympisches Staffel-Gold gewonnen hatte, sagte: "Wir brauchen einen perfekten Tag, um aufs Podium zu springen." "Alles zusammenkommen", "perfekter Tag", "Sternetag", nahezu alle Personen, die nach den deutschen Medaillenchancen befragt wurden, waren in ihrer Formulierung sehr eindeutig. Das Niveau der Konkurrenz ist zu hoch. Jeder Fehler wird bestraft. Das gilt für die Männer, aber auch für die Frauen. Gerade die Norweger und die Franzosen sind insgesamt so stark, dass sie sich Fehler erlauben können und trotzdem eine Medaillenchance haben. Lou Jeanmonnot holte trotz zweier Fehler am Schießstand Silber im Einzel, Emilien Jacquelin gewann mit drei Fehlern noch Bronze in der Verfolgung, Sturla Holm Lægreid mit zwei Fehlern sogar Silber. Der läuferische Unterschied zum deutschen Team ist sichtbar. Auch eine Frage des Materials? David Zobel vermutete es zumindest: "Ich bin selten mit einem Norweger gelaufen, aber wenn man die Laufzeiten sieht, dann ist es schon extrem gutes Material, was die (Norwegen und Frankreich, Anm. d. Red.) momentan haben." Sportdirektor Felix Bitterling gab Zobel recht: "Ich glaube, David hat das richtige Gefühl. Viele Nationen inklusive uns haben gute Ski. Wenn wir aber die Laufzeiten der Franzosen und Norweger sehen, dann hat man bei aller läuferischer Qualität das Gefühl, dass da noch ein bisschen was anderes drunter ist." "Da wollen wir auf dem Podium stehen" Auch wenn der Frust bei den Männern und den Frauen am Sonntag groß war, das Selbstbewusstsein für die Staffel-Wettkämpfe am Dienstag (Herren) und Mittwoch (Damen) war da. Vor allem bei Philipp Horn: "Das nächste Rennen ist unser Highlight, unsere Chance. Da wollen wir auf dem Podium stehen." Auch Franziska Preuß wollte die Enttäuschungen der vergangenen Wettkämpfe abschütteln. "Es hilft jetzt eh nichts. Heute darf ich mal traurig sein, morgen bin ich dann wieder optimistisch", sagte sie. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen kommen die Topfavoriten in der Staffel aus Frankreich und Norwegen. Dahinter zählen Deutschland vor allem mit Schweden und Italien zum erweiterten Favoritenkreis, auch wenn die jüngsten Ergebnisse gegen das DSV-Team sprechen. Ex-Biathlet Erik Lesser sieht darin aber auch eine große Chance und zog eine Parallele zum eigenen Staffelsieg vor zwölf Jahren: "2014 waren wir in einer Situation, in der wir angereist sind und es wurde etwas erwartet und wir sind den Erwartungen hinterhergerannt. Und dann sind wir als Sieger vom Platz gegangen. Vielleicht gibt es auch zwölf Jahre später eine ähnliche Geschichte. Am Ende ist es Biathlon und es gibt viele Eventualitäten, die man nicht berechnen kann."