"Boah, Bahn": Der Zug ist abgefahren: Deutsche Bahn stellt Serie mit Anke Engelke ein
Mit einer Werbe-Serie zusammen mit Anke Engelke wollte die Deutsche Bahn ihr Image aufpolieren. Jetzt wurde das Ende verkündet. Zuvor hatte es Kritik an den Kosten gegeben.
Es war durchaus eine clevere Kampagne. Eine enorm beliebte Komikerin, viel Augenzwinkern über die eigenen Schwächen und ein Budget wie bei einer TV-Serie. Dennoch wird "Boah, Bahn" mit Anke Engelke von der Deutschen Bahn nicht fortgesetzt. Vorher war das Budget bekannt geworden – und als "Skandal" kritisiert worden.
Zuerst hatte "Bild am Sonntag" berichtet. Demnach bezahlte die Bahn sieben Millionen Euro für die Kampagne, die aus sieben Clips zwischen 1:50 und 3 Minuten Länge bestand. Das sollen mehrere Quellen der Zeitung bestätigt haben. Der größere Imageschaden könnte aber aus dem Umgang mit den Zahlen entstehen. Die Bahn versuchte regelrecht, das Budget geheim zu halten.
Deutsche Bahn in der Kritik
Schon im Dezember fragte ein Abgeordneter der Linken während einer Fragestunde des Bundestags nach den Kosten der im Oktober veröffentlichten Kampagne. Das Verkehrsministerium antwortete aber lieber nicht öffentlich. Stattdessen gab man die Antwort an die Geheimschutzstelle. Die Begründung: Ein Bekanntwerden der Informationen könnte für die Bahn einen wirtschaftlichen Nachteil verursachen, erklärte Staatssekretär Ulrich Lange (CSU).
Die Bahn äußert sich weiter nicht zu den konkreten Kosten für die Kampagne. Diese seien Betriebsgeheimnis, die sei allgemein bei Werbekosten der Fall. Die Kosten bewegten sich in einem Rahmen, der in der Branche für solche Kampagnen üblich sei, heißt es lediglich.
In der Politik wird das anders gesehen. Laut "Bild"-Informationen soll es im Verkehrsausschuss schon kurz nach Veröffentlichung Unmut über die Kampagne gegeben haben, weil quasi gleichzeitig die Familienreservierung gestrichen worden war. Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD, nannte die Ausgaben angesichts der Sicherheitsprobleme der jüngsten Zeit "einen Skandal". "Für dieses Geld hätte man mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlen können", erklärte er. Erst vergangene Woche war ein Zugbegleiter von einem Schwarzfahrer so stark verletzt worden, dass er an den Folgen des Angriffs starb.
Anke Engelke als Zugchefin
In den Werbeclips spielt Anke Engelke die Zugchefin Tina, die sich mit den üblichen Bahnproblemen herumschlagen muss. Da ist mal die Kaffeemaschine im Bordbistro kaputt, dann hat der Zug Verspätung. Oder die Mitfahrenden machen Probleme. Bahnvorstand Michael Peterson hatte die Clips im Oktober noch als "humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden" gelobt.
Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla und ihr Kommunikationschef Jens-Oliver Voß teilen diese Einschätzung offenbar nur bedingt: Sie sollen eine zweite Staffel der Serie gestoppt haben. "Es wird 2026 keine Fortsetzung der Serie 'Boah, Bahn!' geben. Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit", erklärte die Bahn.
Quelle: "Bild am Sonntag"