Kurskorrektur beim Pillenkick?
Borussias Achterbahnfahrt der diesjährigen Saison ist nach dem zwischenzeitlichen November-Looping wieder im Sinkflug angekommen. Die Stimmung nach dem tristen 1:1 in Bremen konnte durch die zuversichtlich stimmenden Personalentwicklungen am Deadline-Day nur kurz aufgehellt werden. Bereits am Samstagabend droht der nächste Tiefschlag, wenn mit Bayer Leverkusen einer der größten Angstgegner in den Borussia-Park reist. Dabei wäre eine sportliche Kurskorrektur dringend erforderlich, damit der Abstand zur immer näher rückenden Abstiegszone mindestens gewahrt bleibt.
Statistisch spricht leider nicht viel dafür, dass dies ausgerechnet beim Kick gegen den Pillenklub wird gelingen können: Während Borussia seit vier Spielen sieglos ist, hat Bayer seine letzten vier Pflichtspiele allesamt gewonnen. Die letzten sieben Heimspiele gegen Leverkusen hat Gladbach verloren. Auf dem Papier ist die Favoritenrolle somit eindeutig verteilt. Das war sie aber auch in der Hinrunde beim Debüt von Eugen Polanski. Damals rettete Tabakovic in der Nachspielzeit noch einen Punkt. Es war sein erster von mittlerweile 12 Treffern für Borussia.
Bei einer Niederlage dürfte der Vorsprung der Fohlenelf auf den Relegationsplatz vor dem Auswärtsdoppelpack in Frankfurt und Freiburg auf nur noch zwei Zähler schrumpfen. In diesem Fall würden auch die Diskussionen um den Trainer an Fahrt gewinnen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre, in denen vier Trainer in Folge die Erwartungen nicht erfüllen konnten, sollte aber jedem klar sein, dass die Probleme nicht allein am Trainer liegen können. Einen weiteren Wechsel noch in dieser Saison sollte der Verein daher nur dann in Erwägung ziehen, wenn er in akute Abstiegsgefahr gerät (z. B. durch das Abrutschen auf einen der letzten drei Plätze) bzw. eine positive Entwicklung der Mannschaft nicht mehr erkennbar ist.
Letzteres deutete sich in den letzten Partien leider an. In den kommenden Wochen muss dieser Negativtrend aufgehalten werden – und das nicht unbedingt nur auf Basis der Ergebnisse. Wichtig wird es sein, dass die Mannschaft wieder so etwas wie Leben und Leidenschaft erkennen lässt und sich auch gegen einen übermächtig scheinenden Gegner nicht kampflos ergibt. Im Hinspiel, zuletzt gegen Leipzig oder über weite Strecken gegen den FC Bayern hat die Mannschaft nachgewiesen, auch in solchen Partien nicht völlig chancenlos zu sein. Sollte die Mannschaft an die dort gezeigten Leistungen endlich einmal konstant anknüpfen, so werden auch die dringend benötigten Punktgewinne wieder folgen.
Es sollte dagegen nicht der Fehler gemacht werden, davon auszugehen, dass die Mannschaft zum Ende der Rückrunde gegen die vermeintlich schwächeren Teams automatisch wieder eine Siegesserie wie im November starten wird. Gerade in der Endphase einer Saison gibt es viele unvorhersehbare Unwägbarkeiten. Umso wichtiger wäre daher ein überraschendes Erfolgserlebnis gegen Leverkusen schon diesen Samstag.
Personell wird Polanski dabei vermutlich gar nicht so viel ändern gegenüber den erfolglosen letzten Spielen. Durch den Abgang von Netz erhält Ullrich weitere Chancen auf der linken Seite. Die Neuzugänge, wie Bolin oder der Leverkusener Sarco werden vorläufig über Kurzeinsätze auf sich aufmerksam machen müssen, sofern Polanski ihnen solche denn überhaupt zugesteht und nicht doch wieder auf Stöger und Machino setzt. Einzig die Verteidigung bietet größeren Raum für Spekulationen, da Kevin Diks und Takai wieder fit sind für eine Rückkehr in die Startelf und es Chiarodia zuletzt in Bremen ordentlich gemacht hat.
In welcher Besetzung auch immer, wird es Borussias Defensive nicht leicht haben, gegen den Leverkusener Angriffswirbel zu bestehen. Dieser brachte in den letzten drei Partien jeweils drei Tore durch sieben verschiedene Torschützen zustande. Lediglich der so langsam in Form gekommene Malik Tillmann traf in dieser Zeit dreimal und ist daher aktuell besonders zu beachten.
Geachtet wird aus Borussen-Sicht zudem auf die Torwartposition, wo nach der Verletzung von Stammkeeper Flekken mit Blaswich und Omlin zwei Ex-Borussen um ihren Platz kämpfen. Der seit voriger Woche ausgeliehene Schweizer hat vorläufig die schlechteren Karten. Tabakovic und Co. könnten diese aber am Samstag verbessern, indem sie Blaswich möglichst viele Tore einschenken.
So könnten sie spielen
Borussia: Nicolas – Takai, Elvedi, Diks – Scally, Reitz, Engelhardt, Neuhaus, Ullrich – Honorat, Tabakovic
Bayer: Blaswich – Quansah, Andrich, Tapsoba – Arthur, Fernandez, Aleix Garcia, Grimaldo – Tillman, Terrier – Schick
So tippt die SEITENWAHL-Redaktion
Michael Heinen: „Gegen Bayer gibt es traditionell nichts zu holen. Beim unglücklichen 1:2 zeigt sich die Mannschaft aber zumindest in Sachen Leidenschaft wieder etwas verbessert.“
Claus-Dieter Mayer: „Dank eines überragenden Moritz Nicolas und jeder Menge Glück übersteht die Borussia eine wahre Chancenflut der Leverkusener schadlos, nutzt seine wenigen eigenen Tormöglichkeiten effizient und gewinnt letztendlich mit 2:0, ohne selbst genau zu wissen, wie es dazu kam. Egal, wir nehmen alles.“
Christian Spoo: „Warum sollte sich etwas geändert haben? Borussia versucht anfangs, mitzuspielen, lässt sich aber schnell aus dem Konzept bringen und recht flott ist klar, dass es nur um Schadensbegrenzung geht. Ob die angesichts des 0:3 als gelungen zu betrachten ist, liegt im Ermessen jedes Einzelnen.“