„Niemand lässt sich hängen“
Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic beschwört vor den Partien am Freitag in Leverkusen und am Sonntag gegen Tübingen den Zusammenhalt, der die GIESSEN 46ers jahrzehntelang ausgezeichnet hat.
Ernüchterung, Ratlosigkeit und mangelndes Selbstvertrauen gehören der Vergangenheit an! Für die letzten 14 Partien in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA, besonders für die vier in den kommenden beiden Wochen vor der Länderspielpause, beschwört „Frenki“ Ignjatovic jenen fast legendären Zusammenhalt, der eine kleine Organisation wie die der GIESSEN 46ers jahrzehntelang stark gemacht hat: „Gerade in einer Zeit, in der es mal nicht so läuft, in der zu erwartende Erfolge ausbleiben und in der Ziele nicht erreicht werden, muss sich die Stärke eines Vereins zeigen“, will der Cheftrainer kein Trübsal blasen.
Der 59-Jährige möchte viel lieber nach vorne schauen. „Ich bin trotz aller Rückschläge guter Dinge. Wir werden uns stabilisieren. Und vor allem werden wir uns auch von der letzten Buzzerbeater-Niederlage nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Mannschaft hat Potenzial, die Jungs sind gut, ein Club wie unserer gehört in die Playoffs.“
Punkt. Aus. Ende der Diskussion. Und voller Fokus auf die beiden kommenden Aufgaben am Freitag bei den Bayer Giants Leverkusen (19.30 Uhr, Ostermann-Arena) und am Sonntag (15 Uhr) in der heimischen Osthalle gegen die Tigers Tübingen. „Natürlich haben wir den einen oder anderen Tag gebraucht, um den 74:77-Rückschritt gegen Münster zu verdauen. Aber die Mannschaft trainiert weiterhin wirklich stark. Niemand lässt sich hängen. Wir bleiben uns treu, es kommen auch wieder bessere Zeiten.“
Am besten schon an diesem Freitag im einstigen Bundesliga-Top-Duell zwischen dem 14-fachen Meister vom Rhein und dem fünffachen Titelträger von der Lahn, deren große Erfolge allerdings schon 30 (Leverkusen) oder gar stolze 48 Jahre (Gießen) zurückliegen. „In unserer Situation gibt es keine leichten Gegner“, will der 46ers-Übungsleiter nichts wissen von einer Favoritenrolle, wenngleich der 97:71-Sieg im Hinspiel Anfang November einer der überzeugenderen Auftritte der 46ers in dieser Saison war.
Aiden Warnholtz, dessen geschwollene rechte Wurfhand einen Einsatz am Wochenende fraglich macht, versenkte alle seine vier Dreier und avancierte mit 16 Zählern zum Topscorer noch vor Robin Benzing (15) und Daniel Norl (13). Da sich die Hausherren auch nur acht Ballverluste erlaubten und alle zehn eingesetzten Profis die Rebound-Bilanz gegen den früh mit fünf Fouls ausscheidenden baumlangen Dennis Heinzmann für sich entschieden, waren 2200 Besucher am Ende euphorisiert, weil Gießen gegen den Aufsteiger überzeugt hatte.
Seit diesem Abend hat sich jedoch viel getan. Die „Giganten“, die mit 4:2-Siegen in die Saison starteten, verloren zwischenzeitlich zwölf Matches in Serie. Sie wurden gar bis auf den vorletzten Rang durchgereicht, hielten aber an Cheftrainer und Ex-46ers-Geschäftsführer Mike Koch fest, was sich beim 99:65 über den BBC Bayreuth vor zehn Tagen bezahlt machte. Mit 21 Punkten, sieben Assists, vier Rebounds und einer Gesamteffektivität von 23 war der ehemalige Gießener „Manni“ Brach der statistisch gesehen beste Leverkusener an diesem Nachmittag. Dennis Heinzmann fuhr mit zwölf Zählern und elf Rebounds ein Double-Double ein. Ricardo Lynch (13), der zwei Jahre in der Osthalle aktive Luca Kahl (12) sowie der im Hinspiel verletzt fehlende John Williams Jr. (10) scorten allesamt zweistellig.
Die letzte 65:81-Niederlage von Leverkusen bei den Eisbären Bremerhaven, bei der der nachverpflichtete Süd-Sudanese Lök Wur sieben Punkte beisteuerte, hatte ihre Ursachen in einem verschlafenen dritten Viertel der Farbenstädter, in dem sie nur neun Zähler zustande brachten. „Frenki“ Ignjatovic: „Die Giants sind jedenfalls stärker, als es ihr momentan vorletzter Tabellenplatz vermuten lässt.“
Was den Übergang zu den Tigers Tübingen, die wie die GIESSEN 46ers bisher ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, erleichtert. Seit dem 84:82-Hinspielerfolg, den der zuletzt beim 80:94 bei Tabellenführer Phoenix Hagen mit Rückenproblemen verletzt fehlenden Till Jönke 1,2 Sekunden vor der Schlusssirene markierte, haben die Schwaben nur noch zwei ihrer letzten 13 Partien (gegen Paderborn und in Bayreuth) gewonnen, so dass sie auf Rang 14 schon vier Siege entfernt von den so lukrativen Playoffs rangieren. Bernard Pelote III hatte gegen Gießen mit 27 Punkten seinen persönlichen Saisonhöhepunkt, gefolgt von JaCobi Wood (23), der am Sonntag in der Osthalle ebenso wie Larry Thomas und Joshua Schwaibold (alle Fußprobleme) aber verletzt fehlen wird.
Auf die Personalmisere haben die „Raubkatzen“ allerdings reagiert und den ProA-erfahrenen US-Pointguard Jordan Johnson an Land gezogen. Der 31-Jährige ist ein enger Freund von NBA-Champ Isaiah Hartenstein, mit dem er einst im Farmteam der Houston Rockets, den Rio Grande Valley Vipers, auflief. Er war bereits in den Niederlanden, in Schottland, in der Türkei, in England, in der Slowakei, im Kosovo und auch in Deutschland aktiv. In der Runde 2019/20 gewann er mit Sigal Prishtina die kosovarische Meisterschaft und den nationalen Pokal. Mit durchschnittlich 20 Punkten und sieben Assists war Johnson der überragende Akteur. In der Spielzeit 2022/23 stand Johnson bei RASTA Vechta und den VET-CONCEPT Gladiators Trier unter Vertrag.
Ob er das Tübinger Spiel in Gießen, wo der zuletzt wegen einer Schulterverletzung fehlende Roland Nyama aller Voraussicht nach wieder dabei sein wird, lenken kann, liegt vor allem an 46ers-Pointguard Simon Krajcovic, dem Rollercoaster schlechthin der diesjährigen 46ers-Auftritte. „In Karlsruhe vor zwei Wochen war er unser Matchwinner hinten wie vorne, gegen Münster hatte er wieder einen Durchhänger. Mit ihm steht und fällt unser Spiel“, hofft „Frenki“ Ignjatovic auf die Rückkehr zur alten Stärke des Mannes aus Povaczka Bystica.
Nach den beiden Partien bei den Bayer Giants Leverkusen und gegen die Tigers Tübingen, in denen Ernüchterung, Ratlosigkeit und mangelndes Selbstvertrauen endgültig der Vergangenheit angehören sollen, weiß der 46ers-Coach mit Sicherheit mehr.
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